High Society

von Cole Porter und Arthur Kopit
Hans Otto Theater Potsdam

Regie: Nico Rabenald,Choreographie: Marita Erxleben
Bühne: Eva-Maria Declercq, Kostüme: Karin Alberti
Dramturgie: Carola Gerbert, Ute Scharfenberg


Die Oberen Zehntausend sind nun auch in Potsdam angekommen

Wer noch an der steinzeitalten Filmfassung dieses Stückes (mit Grace Kelly, Bing Crosby, Frank Sinatra u.a. Hollywoodgrößen) hängt, sollte sie schnellstens vergessen und im Hans Otto Theater die höchst akzeptable beschwingte und fröhliche Fassung in Musical-Version anschauen: Hier ist alles stimmig, die leicht verschiebbare Bühnendekoration, die entzückenden Kostüme des Küchenballetts und der reichen, überdrehten Herrschaften, die schwungvoll aufgepeppten Porter-Kompositionen und natürlich die schnelle, flotte Bühnenfassung für hingebungsvoll agierende und in ihren ausgezeichnet angepassten Rollen schillernde Darsteller. 

Singen, Tanzen, Spielen – eine Herausforderung, der sich das Ensemble dieses Theaters wohl nur allzu gerne stellt – denn irgendwann muss und soll ja Theaterspiel auch Spaß machen! Und den hat man auf der zeitweise etwas zu spartanisch dekorierten Bühne garantiert. Wie hübsch und unterkühlt Franziska Melzer als überspannte Millionärs-Tochter Tracy zunächst noch ihre Leidenschaft zu zügeln versteht, mit welchem Liebreiz sie die Gefühlsverwirrung zwischen zwei sehr unterschiedlichen Männern zu verbergen versucht, das macht erst leichte Muse zur Kunst.
Und es ist heute nicht so sehr der typisch amerikanische Plot, der in Zeiten schwerer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Umbrüche dem Publikum eine Vision im Leben der Oberen Zehntausend anbot, sondern die Story, die zeigt, dass die Reichen die gleichen Liebes-Sorgen wie die normalen Bürger haben, nur dass sie bemüht sind, alle Probleme vor der Außenwelt zu verbergen, und dass letztendlich der Klassenunterschied auch die Gefühle bestimmt. Das wäre natürlich allerschmalste Kost, wenn man nicht so einen reizvollen Bühnen-Wirbel veranstalten würde, mit neuen Songs und schnulzig-schönen Evergreens, mit besten Liebesverwirrungen- und verirrungen,    vergnüglichen Missverständnissen und unbeschwerten Tändeleien.

Der smarten Tracy Lord zur Seite steht ihre Frau Mama, die mit Andrea Thelemann eine seelenvolle Autorität ausstrahlt sowie die quirlige Teenager-Schwester Dinah, für deren jugendliches Ungestüm sich Juliane Götz entschieden hat. Papa Lord, der Millionär, ist nach ernüchterndem außerehelichen Liebesabenteuer lammfromm in die familiäre Runde zurückgekehrt und legt mit Peter Pagel vorerst  eine überzeugende Demut an den Tag … Derweil sein arbeits- und offensichtlich lebensfroh nutznießender Bruder Willi von Bernd Geiling mit so viel ansteckendem Übermut gespielt wird, das er an diesem Abend den Schwung der Aufführung maßgeblich bestimmt.

Wen haben wir da noch? Natürlich den jugendfrischen Ex-Ehemann Dexter, der mit Eddie Irle eine smarte Ausgabe des sorglos lebenden Segelschiffdesigners darstellt, der weiterhin mit äußerlicher Nonchalance und innerstem Weh um die Verflossene kämpft. Doch die hat sich trotzig für einem jungen Mann aus der Firma des Vaters entschieden, der beharrlich in ihre Klasse emporzukommen versucht, bis er einsehen muss, dass er deren lässige Moral und sorglose Leichtigkeit des Seins nicht so recht teilen kann. Für Philip Mauritz könnte dies eine Charakterrolle sein, aber das würde über die Oberflächlichkeit des Musical-Genres hinausgehen. Jon-Kaare Koppe und Jennifer Caron sollen ein dem Reichtum absolut feindlich gegenüber stehendes Reporterpaar mimen, aber so nach und nach geraten sie doch recht gern in die verführerischen Fänge des Wohllebens.

So schmeckt alles launig und leicht prickelnd wie der Champagner, der permanent in dem gepflegten Park des Anwesens der Lord-Family geschlürft wird. Eine insgesamt frische Wiederbelebung eines unsterblichen Theaterstoffs. A.C.

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