Category Archives: Oper/ Musiktheater

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Die Entführung aus dem Serail, HB

Bereits mit der schön schmelzenden Overtüre gerät man ins Zweifeln: was spielt sich da oben im Guckkkasten auf der Bühne eigentlich ab? Partygewirr, Gläser, Tanz, eng an eng hocken die Leute auf einem braunen Kunststoffsofa, alles ziemlich trist. Die Kleidung ist auch nicht gerade das, was man vom Rokoko kennt. Überhaupt ist diese ganze Aufführung gewollt farbarm, der schöne Schein ist seines Glanzes beraubt. Man ist so eine Entzauberung zwar gewöhnt, und nicht immer erschließt sich sofort der Sinn, dieses Mal aber schon nach kurzer Zeit: denn die Partygesellschaft von heute ist die gleiche Amüsiergesellschaft von gestern und vorgestern, und auch die zu Zeiten Mozarts, der, als er dieses scheinbar märchenhafte Spiel in seiner Phantasie in Noten umsetzte, dabei weitaus tiefsinnigere Absichten hegte als in erotisch überspannten oder gefühlsduselig strapazierten Inszenierungen auf deutschen Bühnen oft vorgeführt worden ist.
Und somit ist diese Oper eigentlich ein großes Drama, nur so zuckerwatteleicht verpackt, dass durch die rosa Wölkchen das kleine rote Hackebeilchen, dass eines Tages alle Liebe zerstören wird, nicht wirklich ernst gemeint ist, nur so, als Mahnung. Denn letztlich sitzen sie alle mit ihren alter egos wieder nett beisammen in ihrer Partygesellschaft – doch es ist nichts mehr so wie es vorher war! A.C.

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Ein Maskenball

Oper in drei Akten von Guiseppe Verdi Text von Antonio Somma nach dem Drama “Gustave III. ou Le Bal Masqué” von Eugène Scribe Theater am Goetheplatz, Bremen, 2018 Musiklische Leitung Marco Comin/Israel Gursky; Regie:Michael Talke; Dramaturgie: Brigitte Heusinger; Bühne: Barbara Steiner; Kostüme: Regine Standfuss; Chor Alice Meegaglia mit: Patricia Andress, Romina Boscolo, Sungkuk Chang, Stephen Clark, Iryna Dziashko/KaEun Kim, Birger Radde, Daniel Ratchev, Luis Olivares Sandoval, Zoltran Stefko, Dongfang Xie. Mit den Bremer Philharmonikern, Chor und Extrachor des Theaters Bremen 

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La Cenerentola, OL

Sie alle – dann doch ganz anders als im sehr alten Aschenputtelmärchen – ließen Rossinis Werk an diesem Abend zum xmale nach seiner Uraufführung wieder auferstehen: sowohl in hinreißend zärtlichen Arien und mitreißenden crescendi als auch in furiosen, rasanten Rhythmen im Super-DZug-Tempo als ob so eine Stimm- und Spielakrobatik selbstverständlich wäre. Was diese Inszenierung unter anderem auszeichnet, ist die Unkompliziertheit des Spiels, die choreografisch sehr geschickte Einteilung parallel laufender Szenen auf der – leider – häßlichen hinterhofartigen Bühne, der auch ein paar Vorhänge oder Stühle samt Kronleuchtern keine wirkliche Veränderung verschaffen. Die Atmosphäre muß erfühlt und erspielt werden, was zuweilen auch mit irrwitzigen Kapriolen musikalischer Fremdeinschübe und aktueller Gags – vor allem aber durch die außerordentliche Einfühlsamkeit der Darsteller in ihre genial komponierten Rollen bestens gelingt.

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Lazarus, HB

Ein Mann fällt aus dem Himmel auf die Erde. Ein Außerirdischer mit menschlichen Zügen und Eigenschaften, einem überwachen Verstand, doch ohne den Schutz der Erfahrung. Er befindet sich auf einem fremden Planeten, von dem er Wasser schöpfen soll zum Überleben des eigenen Planeten. Aber dieser Mann ist dem mitleidlosen Leben der irdischen Zivilisation nicht gewachsen. Er wird ein Opfer der Macht, deren Gipfel er dank seiner empathischen und telepathischen Einblicke zunächst für sich selbst entdeckt. Er hat Erfolg, wird reich, scheitert aber letztendlich an der mitleidlosen Rücksichtslosigkeit der Gesellschaft. Er verliert alles bis er bitterarm und krank als psychischer Pflegefall im Abseits landet. Die Inszenierung trägt das schwierige Wechselspiel zwischen Wachsein und Wahn mit ruhigen lyrischen, poetischen Augenblicken, die den Mann an ein kurzes Liebesglück in der Vergangenheit erinnern, um dann wieder jäh mit grausamen Halluzinationen zu kämpfen, die der Kranke im Dilirium ertragen muss und der Zuschauer ebenfalls. Denn dieses Leben, das schon lange nicht mehr so bezeichnet werden kann, ist grausam,schmerzvoll, unerträglich, wie die harten Schläge der Beatband. Dass manche der poetischen Liedtexte dabei der musikalischen Unerbittlichkeit zum Opfer fallen, ist bedauerlich. Aber insgesamt ist dies eine anspruchsvolle, phantasievolle und ergreifende Inszenierung mit hoch engagierten Sängern, Tänzern und Schauspielern.

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Orpheus in der Unterwelt, OL

Man stelle sich vor: Da wird der zärtlich alle Herzen betörende Stargeiger Orpheus von seiner Ehefrau betrogen, und er selbst neigt seine Gunst auch eher einer kleinen Nymphe zu. Also handfester Ehekrach im Hause des großen klassischen Liebespaares. Offenbach stellt eine neue, freche, amüsant verquirrlte Version vor, die der Regisseur dieser Inszenierung auch noch nach comedy-Art mit allerlei Gags und Slapsticks fein zu würzen versteht. Und nicht nur das: er selbst übernimmt nun die Hauptrolle – eigentlich der Not gehorchend, weil die beiden “echten” Eurydikes an diesem Abend nicht auftreten können, und Elvira Hasanagic die Partie am Seitenpult zwar zauberhaft und leidenschaftlich singt, aber die schauspielerische Partie unmöglich in nur wenigen Stunden erarbeiten konnte. Also, was lag da auf der Hand als die scheinbar mit so leichter Hand komponierte tiegründige Satire auch kurios verquer mit einem männlichen Hauptdarsteller zu besetzen: mit Felix Schrödinger, der als Regisseur ja ohnehin alle Rollen genauestens einstudiert hat. Die Renaissance der Operette in bester Konsequenz.

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Wellcome To Hell, B

“Welcome To Hell” – unter diesemTitel demonstrierten im Jahr 2017 rund 12000 Menschen gegen den G20-Gipfel in Hamburg. Der massive Protest gegen Globalisierung, Kapiutalsmus und soziaale Misssätnde auf der Welt eskalierte durch dien brutalen Übergriffe einer Rockerbande und führte zu Straßenschlachten und Verwüstungen in der Hamburger Innenstadt. Peter Lund hat ein Musical für seine Abschlussklasse auf der Hamburger Demogrundlage inszeniert, und dabei eine stringente, turbulente, agressive Talentshow auf die Beine gestellt, die neben den beabsichtigten Schockelementen die ewigen Sehnsüchte und Wünsche junger Menschen nach Gerechtigkeit und Anerkennung sichtbar macht.
Damit positioniert sich die Neuköllner Oper stark gesellschaftspolitisch, wobei Wut und Frust junger Menschen aus vielerei Nationen und Traditionen in mancherlei sozialen und emotionalen Gegensätzlichkeiten hart aufeinanderprallen. Eine musikalisch mitreißende Auführung beachtenswerter Talente.

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