Category Archives: Oper/ Musiktheater

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Die Zauberflöte, HB

Damit diese Oper auch für Kinder schnell erfassbar sein soll, hat sich die Regie diesmal einen durch das Stück führenden Sprecher (Herbert Baum) ausgedacht, der den Hergang der Handlung kommentiert, auch eingreift und mitspielt, diesmal sogar den Papageno, weil Luis Olivares Sandoval erkrankt war und Dominic Große aus Frankfurt erst am Morgen der Premiere in die Rolle als Papageno eingeführt werden konnte. Ob ein Entertainer eine glückliche Idee ist, werden wohl erst die Reaktionen des Publikums in den nächsten Vorstellungen ergeben. Das ist überhaupt das auch hier nicht gelöste Problem: ein in seiner Zeit, den Aufbruch und Umbruch in eine neue, freiheitlichere Gesellschaft ankündigendes Kunstwerk aus seinem Kontext neu zu deuten, um eine mögliche psychologische Grundaussage zu transponieren – kann glücken als Versuch im übereinstimmenden Rahmen von Musik und Handlung. Aber die Leichtigkeit des musikalischen Initiationsspiels wird im zweiten Teil gnadenlos auf eine bisher eher verdeckte sozio-psychologische Ebene des Generationenkonflikts übertragen.

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Die Briefe des van Gogh

Den dahinfließenden Strom wechselnder Gefühle und Spannungen greift die Musik in unprätentiöser Form auf. Um die Dramatik zu veranschaulichen, bedarf die Komposition keiner extremen Effekte, sondern versteht sich – mit romantischen Einschüben – als Vermittlerin, die dem Erzählrhythmus folgt, ihn begleitet und kommentiert. Das allein wäre schon ausreichend, um eine wundersame impressionistische Verschmelzung von farbiger Erzähl- und Tonkunst zu erleben. Das Leben Vincent van Gogh’, zwischen Hunger und Existenznot, zwischen höchster bildhafter Perfektion und wahnhafter Verzweiflung,´aus den Briefen zwischen Vincent und seinem Bruder Theo zusammengestellt, ist zu einer kunstvollen kleinen Kammeroper geworden.

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Der Bajazzo (Pagliacci), HB

Diesem Bajazzo ist nicht zum Lachen. Seine untreue Gattin spielt die gleiche Rolle hinter wie vor der Bühne, vergnügt sich mit verschiedenen Liebhabern, reizt ihren Mann aufs Äußérste bis er dem Theater schließlich ein Ende bereitet. So ist es, Schluß, aus, vorbei,die Komödie genauso wie das wahre Leben der kleinen Theatertruppe. Das ist alles sehr bunt und stimmstark inszeniert bis sich die Phantasie in eine Bildhaftigkeit verrennt, die nur wenig über die Darsteller, über ihre Gefühsleben, ihren Abschied aussagt, schwer zu deuten ist. Die Inszenierung bleibt trotz aller Bemühungen um eine einfallsreiche Choreografie seltsam entfremdet.

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Die letzten fünf Jahre, OL

Ein sehr ungleiches Paar verliebt sich und verläßt einander bereits nach fünf Jahren voller Enttäuschung mit großer Trauer. Ein Kammermusical, das eine adäquate Darstellung mit zwei ausdrucksstarken Darstellern erlebt: Martyna Cymerman und Paul Brady gleiten hier auf einer einsamen New Yorker Straßen-Bühne unter den heftigen Rhythmen einer modernen Musical-Band auf den Irrweg einer ungleichen Partnerschaft.

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Das schlaue Füchslein, HB

Hommage an die Natur

Das scheint das Konzept der Regie zu sein, frei nach dem Komponisten und Autor dieser reizenden, gleichwohl tiefsinnigen Geschichte von menschlichen Gefühlen und tierischem Leben: Aus sparsamen Monologen entspinnen sich nicht nur eine, sondern viele Geschichten um die Schicksale aller Beteiligten. Und gespickt ist diese sich natürlich um Liebe, Leben und Tod rankende kleine Schauspieloper mit allerlei schrägen und bewegenden Momenten; schon der Auftakt inmitten der sinnlich-heiteren Ouvertüre: da schlingt sich in tollen Verrenkungen eine Artistin mit schwarzen Flügeln und grünem Trikot wie ein seltsam schillernder Vogel mit einem zum Seil gebundenen Tuch in die Höhe der Bühne. Erst am Schluss wird sie wieder auftreten – denn Anfang und Ende sind austauschbar; ihr Motto ist die Hingabe zur Natur, ihre einzigartigen Schönheiten und Fremdartigkeiten, ihre Verheißung des Immerwährenden und des stetigen Neuanfangs wahrzunehmen. Das grelle weiße Bühnenbild, einer Zirkusarena gleich, ist beweglich wie eine Rotunde und birgt unter sich den gemütlich bunten Dachsbau, aus dem das Füchslein den alten Knurrhahn verdrängt. Lieb ist hier eigentlich wirklich keiner so richtig… aber es macht Spaß, diesem verzwickten Treiben von Mensch und Tier zuzuhören , das nicht so sehr auf die Sprache, sondern vielmehr auf die hervorragende gesangliche und körperliche Beweglichkeit der Dasteller ausgerichtet ist.

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Die Italienerin in Algier, HB

In ihren burlesken Harlekinkostümen tragen Sänger, Musiker, Chor, Bühne und kluge Regie zu diesem vergnüglichen Schau- Hör- und Singspiel bei und garantieren viel Spaß zur späten Stunde. Verrückt, turbulent und hochgradig musikalisch ausgefeilt sind diese atemlosen, unglaublichen Tempi, die man mit spontanem Beifall begleiten möchte. Musik pur, Liebe geballt, irre Lautmalereien, bei denen sogar von Da-Da-ismus die Rede war, leicht wie Champagner uind nachhaltig wie guter Champagner. Natürlich sollte man eben knapp wissen, dass es um Männer-Macho-Gehabe gegenüber Frauen und weibliche List und Übertrumpfung contra Mann geht, und wer letztlich Siegerin und Besiegter ist, wird nach der neuen deutchen Sprachregleung hiermit auch kundgetan.

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