Category Archives: Junges Theater

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Wellcome To Hell, B

“Welcome To Hell” – unter diesemTitel demonstrierten im Jahr 2017 rund 12000 Menschen gegen den G20-Gipfel in Hamburg. Der massive Protest gegen Globalisierung, Kapiutalsmus und soziaale Misssätnde auf der Welt eskalierte durch dien brutalen Übergriffe einer Rockerbande und führte zu Straßenschlachten und Verwüstungen in der Hamburger Innenstadt. Peter Lund hat ein Musical für seine Abschlussklasse auf der Hamburger Demogrundlage inszeniert, und dabei eine stringente, turbulente, agressive Talentshow auf die Beine gestellt, die neben den beabsichtigten Schockelementen die ewigen Sehnsüchte und Wünsche junger Menschen nach Gerechtigkeit und Anerkennung sichtbar macht.
Damit positioniert sich die Neuköllner Oper stark gesellschaftspolitisch, wobei Wut und Frust junger Menschen aus vielerei Nationen und Traditionen in mancherlei sozialen und emotionalen Gegensätzlichkeiten hart aufeinanderprallen. Eine musikalisch mitreißende Auführung beachtenswerter Talente.

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Scherbenpark, HB

In Bremen bestimmt ein großer, weiter lichter Raum mit riesigen farbintensiven surrealistischen Gemälden an den Wänden die Bühne, die eher einer Malerwerkstatt ähnelt, die gesamte Aufführung. Hier spielt sich zumeist auf dem Boden, zwischen Farbtöpfen, Kleidungsknäueln und auf rollbaren Tischen ein wichtiger Lebensabschnitt der 17jährigen Sascha ab, die jäh den gewaltsamenTod ihrer Mutter und deren Freund verarbeiten, ihre jüngeren Geschwister betreuen und eine aus Russland angereiste Tante beaufsichtigen muß. Sascha ist überaus intelligent und couragiert und fühlt sich für alle und alles verantwortlich. Gleich zu Beginn offenbaren sich ihre Ohnmacht und Wut, ihr Hass und ihre unendliche versteckte Trauer mit zwei markanten Träumen: Sie will ihren Stiefvater, der die Mutter und deren Freund erschoss, nach seiner Entlassung aus der Strafanstalt umbringen, und sie will ein Buch über ihr Mutter schreiben, die so schön und gut, doch zu dumm war, um die Warnung ihrer klugen älteren Tochter ernstzunehmen. Eine lebendige Inszenierung, die aber den intensiveren Roman nicht ersetzen kann.

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Die Sprache des Wassers, HB

Der inhaltlich verknappte und präzise zutreffende Text vermittelt zunächst die Hilflosigkeit sprachunkundiger Fremdlinge, die sich unsicher auf spiegelndem Boden bewegen – polnische Einwanderer ins englische Coventry, auf der Suche nach dem flüchtigen Ehemann und Vater, orientierungslos inmitten einer neuen Gesellschaft, deren Sprache und Eigenarten sie nicht verstehen – ein ausweglos scheinender Zustand, der sie fast zur Verzweiflung treibt. Der Text ist poetisch einfühlsam, ohne wehleidig zu sein, und vermittelt dabei doch sehr eindrücklich, welch große Herausforderung das Schicksal an die enttäuschte, verlassene Mutter und ihre gerade in die Unsicherheit der Pubertät gleitende Tochter stellt.

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Supergute Tage, OL

Literatur als Darstellendes Spiel auf die Bühne gehoben – erhoben? In diesem superglücklichen Fall übertrifft die konturenreiche Inszenierung die literarische Vorlage nicht nur in der absoluten stimmigen Ausformung der Charaktere des Stückes, sondern auch in der Sichtbarmachung der schwierigen Beziehung der Menschen in der unmittelbaren Umgebung eines Jungen, der sich nicht in normale Verhaltensmuster einfügen kann und daher eine hohe Anforderung an ihr pädagogisches und psychologisches Einfühlungsvermögen stellt. In der Rolle des 15jährigen autistischen Christopher changiert in beeindruckender Intensität und mimischer wie körperlicher Ausdrucksvielfalt eine junge Schauspielerin: Franziska Werner. Unbedingt anschauen!

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“Nichts. Was im Leben wichtig ist”, HB

Der Mensch versteht sich selbst nur im Erleben seiner selbst.”Nichts” ist das letzte Wort in Schopenhauers Hauptwerk. Friedrich Nietzsche übernimmt und erweitert Schopenhauers Nihilismus, und der Existenzialismus versucht später, zu beweisen, dass der Mensch sich selbst über seine Erfahrung bestimmt. Aber was Janne Teller hier anspricht, ist mehr als nur Philosophie, und was das Moks Theater dazu bringt, diese Erzählung vom Buch auf die Bühne zu verlagern, ist der Versuch, jungen Menschen von einer Wut zu erzählen, die sich ihren grausamen, konsequenten Weg bahnen kann, wenn man ihnen unreflektiert nimmt, was sie nicht begreifen und nicht verkraften können.

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Veronika beschließt zu sterben

Ob “Drehbuch” oder Original, die Therapie dieses Arztes ist es wert, in die Lehrbücher für Analytiker und Therapeuten aller Richtungen aufgenommen zu werden; wie Laufenberg rundum warmherzig und besonnen über die Einsamkeit und Bitterkeit der Menschen reflektiert und den Ursachen sowohl medizinisch als auch psychologisch auf den tiefen Grund kommt, das zeigt auf eine besondere Begabung und ist messerscharf analysiert. Bei diesem Therapeuten möchte man gerne irre werden…

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