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Die spanische Stunde, OL

Wenn die Stunde schlägt, und der Meister das Haus verläßt, um die Rathausuhr zu richten, dann schlägt die Stunde für Concepcion, die Gattin des Uhrmachers, die auf ihren Galan wartet. Doch diesmal hat das Schicksal ihr einen Strich durch die amouröse Rechnung gezogen: kurz bevor der Meister seinen stattlichen Uhrenpark und sein nicht minder attraktives Weib verläßt, kommt noch ein Überraschungkunde, ein Maultiertreiber, stattlich und gemächlich daher und möchte seine Uhr, ein Erbstück, repariert haben. Don Gomez vertröstet ihn bis zu seiner Rückkehr und heißt ihn in der Gesellschaft seiner Frau auf ihn zu warten. Ramiro ist’s recht und heimelig unter den lustig tickenden schönen Uhren und der noch schöneren Frau des Hauses. Um den Maultiertreiber los zu werden, schmeichelt Concepcion seiner Kraft und überredet ihn, eine der beiden Standuhren in ihr ZImmer ins obere Stockwerk zu bringen. Ob er das schwere Ding tragen kann? Natürlich, ein Leichtes für den Kraftprotz, so tönt es über alle Ränge bis an die Schlosskuppel des Theaters. Und kaum ist der Bursche samt Uhrungetüm zur Tür hinaus, trifft Liebhaber Nr. 1 ein, ein lieblicher Poeme dichtender Galan, doch soll er nicht reimen und schwermütig schmeicheln, sondern die kostbare Stunde nicht vertändeln, Conceptcion kennt alle seine zärtlich wundersamen Tiraden zur Genüge. Und wirklich schwindet die Zeit – tick tack steht der freundliche Maultiertreiber schon wieder vor ihr, Auftrag erfüllt. Doch weit gefehlt. Jetzt geht das Durcheinander erst richtig los, gemangt von einer selbstbewußten Jongleuse, die mit drei Männern so geschickt verfahren muß, dass stets nur einer sichtbar bleibt. Das ist ein grandioser musikalischer Spaß und ein köstliches dramaturgisches Spektakulum, von dem glänzenden Orchester spanisch feurig und kompositorisch variationsreich mit allen Facetten der Folklore und den großen Klangwelten Ravels mit Grandezza versponnen.