Category Archives: Klassik/ Moderne

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Michael Kohlhaas, B

Ein Sammelsurium von Einfällen, aber keine dramatische Struktur – so ließe sich diese Inszenierung beschreiben, die mit technikverstärkter Deklamation das Schicksal des Pferdehändlers Michael Kohlhaas beschreibt, der um sein Recht und Wiedergutmachung kämpft, obwohl er eigentlich hätte wissen müssen, dass Recht und Gerechtigkeit im Sinn der absoluten Vorherrschaft des Adels und der abhängigen Justiz verhandelt werden. Die Geschichte kommt glühend und donnernd über die Bühne, wird mit allerlei Aus-und Anziehvariationen ausgeschmückt, aber wirkt im Ganzen eher, als ob hier zu viele Akteure ihre Vorstellungen eingebracht hätten, und man sich dann irgendwie auf einen mehr schlichten Darstellungsmodus geeinigt hätte. Doch Kleist ist, gerade weil sein Text so authentisch vorherrscht – immer eine Reflexion wert. Ideologische Verbissenheit und der Kampf um Gerechtigkeit sind Diskussionsstoff allemal.

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wagner – der ring des nibelungen, B

Worum geht es in dieser Zertrümmerung des nordischen Mythos “Die Nibelungen”, aus dem Richard Wagner mit seiner “Ring” -Tetralogie eine unglaubliche Botschaft schöpft? Es geht um Wahn und Wahnsinn, es geht um Schuld und Schulden, es geht um Marx und Adorno, und es geht um vor allem um die Entlarvung und Entblößung gesellschaftlicher Strukturen in der Menschheitsgschichte, vor allem in der deutschen Kunst und Politik. Um dem Chaos des zeitlosen Wahnsinns eine zeitgemäße Struktur zu geben, turnen und tanzen die Darsteller als Insassen einer Irrenanntalt in einem vergitterten Raum über riesige Tische und Stühle, über Spüle und Küchenherd und quellen dampfend aus der Herdtür ins Geschehen; grelle Fratzen und blutverschmierte Kostüme verstehen sich heutzutage von selbst, denn der Wahnsinn ist natürlich nicht freundlich und schön, sondern grausam verzerrt und abstrus; leider phonetisch auch oft unverständlich, bis auf die atonalen, zwischen Jazz, zeitgenössischen Klangvariationen und entfernen Anleihen an Wagners schwülstiger Romantik, die die oft dröhnend eingespielten musikalischen Bewußtseinserweiterterungen von einem Orchester mit zwölf Musikern, sogar von Barenboim dirigiert, begleiten lassen.

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Don Quijote, B

Erstaufführung der Fassung von Jakob Nolte nach Miguel de Cervantes in der Übersetzung von Susanne Lange Deutsches Theater Berlin, 2020 Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen Regie: Jan Bosse, Dramaturgie: David Heiligers, Bühne Stéphane Laimé, Kostüme: Kathrin Plath, Musik: Arno Kraehahn, Licht: Robert Gauel mit: Wolfram Koch und Ulrich Matthes Rede vor Ziegenhirten… …sie werden nichts verstanden haben von den hochfliegenden, edlen Ansichten und Wortungetümen des Herrn, der da in der Entfernung so seltsam bunte Kleider um sich geschlungen hat und

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Fräulein Julie, B

Der vielleicht unbarmherzigste Krieg zwischen den Menschen ist der Klassenkampf, in dem Unter- und Überlegenheit brutal und unbarmherzig ausgetragen werden – in der enttäuschten Liebes- und Lebenserwartung zwischen Mann und Frau nimmt er nicht nur in der Literatur und auf der Bühne tragische Dimensionen an bis zur Zerstörung der sich ehemals Liebenden. Als Aufhänger für ein gesellschaftliches Drama war er nicht nur in puritanischen und feudalen Gesellschaften ein Spiegelbild ihrer Verhältnisse in der Vergangenheit, auch Ingmar Bergmann wußte im vorigen Jahrhundert “Szenen einer Ehe” dramatisch in den Abgrund zu führen – und in der Tiefe mancher Religionen offenbaren sich wie auch in harten existenziellen Verhältnissen die Ursachen des gewalttätigen Aufbegehrens gegen Ungleichheit in Bildung, Herkunft, Klassenzugehörigkeit und Standesbewußtsein.

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Jugend ohne Gott, B

Die Schüller als alter ego ihres Lehrers? Eher sind es wohl doch eigene unreife Charaktere, mit bösen häuslichen Problemen belastet, für die sie keine andere Lösung haben, als sich mit Gewalt und Trotz zu wehren, und wie im Fall des tagebuchschreibenden Schülers, mit Poesie aus der Realität zu entfernen. Dass ein menschenwürdiges Miteinander, eine aufrichtige Gesellschaft, die Verantwortung und Zivilcourage zeigt, doch möglich sein könnte, lässt der Autor zum Schluss als Hoffnungsschimmer aufleuchten. Regisseur Ostereier übernimmt das unwahrscheinliche Happyend, das die Ehrlichkeit ans Licht holt, die Missetäter sich selber richten läßt und den Lehrer mit einem ausgesprochen interessanten Exil „belohnt“, wohl eher Galgenhumor des Autors.

Die Schüller als alter ego ihres Lehrers? Eher sind es wohl doch eigene unreife Charaktere, mit bösen häuslichen Problemen belastet, für die sie keine andere Lösung haben, als sich mit Gewalt und Trotz zu wehren, und wie im Fall des tagebuchschreibenden Schülers, mit Poesie aus der Realität zu entfernen. Dass ein menschenwürdiges Miteinander, eine aufrichtige Gesellschaft, die Verantwortung und Zivilcourage zeigt, doch möglich sein könnte, lässt der Autor zum Schluss als Hoffnungsschimmer aufleuchten. Regisseur Ostereier übernimmt das unwahrscheinliche Happyend, das die Ehrlichkeit ans Licht holt, die Missetäter sich selber richten läßt und den Lehrer mit einem ausgesprochen interessanten Exil „belohnt“, wohl eher Galgenhumor des Autors.

Eine Inszenierung, die mit darstellerischer Eindringlichkeit vor allem die gesellschaftliche Biederkeit und Engstirnigkeit einer kleinstädtischen Gesellschaft transparent macht. Zeitlos?

A.Cromme

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Fontane, Kästner und andere, B

Das kleine Theater im Palais hat diesen Charme konserviert, behütet, bewahrt und für jede neue Inszenierung, die Barbara Abend in früheren Jahren, heute Annette Klare und das Team in gemeinschaftlicher Produktion erarbeiten, bewahrt. Ihr Repertoire umfasst Heinrich Heine, Erich Kästner, Theodor Fontane, Heinrich von Kleist, Otto Reutter, KLABUND (Alfred Henschke), Kurt Tucholsky wie viele andere mehr, die sich mit ihren besinnlichen wie frech-frivolen Moritaten und Liedern ein ewiges Andenken verdient haben. Viele Abende sind ihnen gewidmet, die “Goldenen Zwanziger” sind überdies evergreens für jedes Alter. In diesem Sommer spielt sich natürlich Theodor Fontane mit seinen 200 Jahren auf dem Buckel, mit einer reichen Vita und einem umfassenden Oevre, erfolgreich in den Vordergrund. A.C.

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