Category Archives: Klassik/ Moderne

Permalink to single post

Tosca,B

Eine tiefe Verbeugung aller Gäste diesmal für den vitalen Tenor Freddi di Tomaso, der so voller Leidenschaft und Inbrunst bereits seine Auftaktsarie schmetterte und kräftigen ersten Szenenapplaus erhielt. Da wußte man, was kommen würde: ein faszinierend präsenter charakterstarker Cavaradossi, der sich nicht als gefügiger milder Maler, sondern als selbstbewußter Römer und konsequenter Kämpfer für die Freiheit Roms darstellt so wie seine starke und mutige Geliebte Fiora Tosca sich als Künstlerin zwischen rasender Eifersucht und mutiger Entscheidung ihren Platz in diesem politischen und menschlichen Drama assoluta erobert. Anastasia Bartoli ist übrigens nicht mit der gleichnamigen Sängerin verwandt, sondern die Tochter von Cecilia Gasdia, der derzeitgen Direttore Artistico der Arena di Verona. Anastasias Stimme gäbe auch der Arena ein starkes Klangvolumen.

Permalink to single post

Nurejew, B

Diese Inszenierung des bedeutenden russischen Choreographen Krill Serebrennikov wurde in Russland verboten.Sie war für das Regime zu politisch, zu persönlich, zu modern, und der Startänzer Rudolf Nurejew (1938-1993) , seine Karriere, seine Flucht aus Russland, des “Verrats an seinem Heimatland” bis heute bezichtigt und daher geächtet, seine glänzende steile Karriere im Exil und seine persönlichen Vorlieben, extravagant und lebensgefährlich, bedeuten noch heute für die Russen eine gefährliche moralische und sittliche Herausforderung.
Nun, so wurde das aufwendige, vielfältig choreografierte Werk in Berlin, an der Deutschen Oper vom eigenen Ballett, großartigen Tänzerinnen und Tänzern, Musikern und Darstellern einem jubelnden Publikum vorgestellt, getanzt und, gespielt. Es ist eine Reise nach Berlin allemal wert!

Permalink to single post

Die Marquise von O.und – B

Der theatralische Kniff, den Kleist sich als guter Dramatiker um die Wirkungs der Ereignisse wissend erlaubt, ist großartig. Denn als der Graf als damaliger Offizier die Dame einst im Feuer der Festung in Sicherheit vor einer Horde marodierender Soldaten in Sicherheit brachte und – wohl ihrem Reiz ebenso unkontrolliert wie unmoralisch unmittelbar erlag – und sie in den Schwangerschaftszustand versetzte, hatte ja viel Ehre auf dem Schlachtfeld wohl erlangt, aber für sich selbst in seiner erwachten Schuldigkeit alle Hoffnung verloren, diese Tat wieder gutmachen zu können. Als er sich stellen will, wird er nicht einmal angehört und als Bewerber akzeptiert. Welch ein Hohn, welch glänzende Rache, welche Selbstbewußtsein einer Frau vor 200 Jahren! Allerdings sollte man hier nicht die Tatsache außer Acht lassen, dass es adeligen Frauen selten an Selbstachtung ermangelte!
Das hätte m.E. den Kern dieser inszenierung ausmachen sollen: die Heldin, die sich weigert, Gnade anzunehmen!

Permalink to single post

Der Volksfeind, OL

Es geht um Betrug, um Vorteilsnahme, um Egoismen, um die Rettung der Gesellschaft und die fundamentale Revolutionierung nach der wissenschaftlich bestätigten Notlage in der gemeindlichen Wasserversorgung durch gefährliche Bakterien und die daraus folgenden Konsequenzen für die Kurverwaltung und die Stadt.
Das drohende Drama wird gleich zu Beginn unter den schwebenden oder fliegenden (oder flüchtenden?) großen blauen Fischen und den bereits waghalsig auf dem Rand des großen Beckens balancierenden Beteiligten deutlich: Der Badearzt Tomas Stockmann wird von Klaas Schramm gespielt: leidenschaftlich und impulsiv, der, in seiner großen Demütigung endgültig die Contenance verlierend, mit explodierendem wahnhaften Wutanfall völlig außer sich den Kampf gegen die Windmühlenflügel der Ignoranz aufzunehmen versucht und schrecklich scheitert. Klaus Schramm und Andreas Spaniol zeigen als Brüder Tomas und Peter Stockmann allerbeste Darstellung in ihrem erschütternden Kampf um Wirklichkeit und und Wahrhaftigkeit.

Permalink to single post

Der Sturm,OL

Die Regisseurin überrascht mit einem eigenen Team, das William Shakespeares “Sturm” mit phantastischen Kostümen und bizarren Perücken in eine verwirrende wie betörende Farbpalette taucht und die Bühne durch schnelle Lichteffekte in wechselnde Bilder verwandelt – nach Bedarf zeigt sich der Hintergrund als wütendes Meer, das die königlichen Seefahrer verstreut auf diese ferne fremde Insel wirft oder als stummes Bergmassiv, auf dessen rauen Pfaden die Schiffbrüchigen ihren Weg suchen, irregeführt von seltsamen Klängen eines gewitzten Luftgeistes und einem hinterhältigen Kobold, der sich als versklavter Erdgeist entsprechend derb verhält, einem Golum nicht unähnlich. Warum, erfahren wir ziemlich bald. Bislang ungewohnt, untermalen eindringliche Rhythmen als musikalische Intensivierung und als Ausdehnung der magischen Szenen, selten melodisch harmonisch, weil sich außerhalb der Liebenden und des vertröstenden Finale das verworrene Spiel ja eigentlich um Macht, Rache und Vergebung in ziemlich rauer Gegend und aufgeladener Atmosphäre abspielt.ie Regisseurin überrascht mit einem eigenen Team, das William Shakespeares “Sturm” mit phantastischen Kostümen und bizarren Perücken in eine verwirrende wie betörende Farbpalette taucht und die Bühne durch schnelle Lichteffekte in wechselnde Bilder verwandelt – nach Bedarf zeigt sich der Hintergrund als wütendes Meer, das die königlichen Seefahrer verstreut auf diese ferne fremde Insel wirft oder als stummes Bergmassiv, auf dessen rauen Pfaden die Schiffbrüchigen ihren Weg suchen, irregeführt von seltsamen Klängen eines gewitzten Luftgeistes und einem hinterhältigen Kobold, der sich als versklavter Erdgeist entsprechend derb verhält, einem Golum nicht unähnlich. Warum, erfahren wir ziemlich bald. Bislang ungewohnt, untermalen eindringliche Rhythmen als musikalische Intensivierung und als Ausdehnung die magischen Szenen, selten melodisch harmonisch, weil sich außerhalb der Liebenden und des vertröstenden Finale das verworrene Spiel ja um Macht, Rache und Vergebung in ziemlich rauer Gegend und aufgeladener Atmosphäre abspielt.

Permalink to single post

Vanya, B

Oliver Mommsen gibt allen ihre Individualität, formt ihre Persönlichkeit aus wenigen Worten und Gesprächen, durchleuchtet ihr Schicksal, ohne zu urteilen. Keiner ist lächerlich, alle hinderte eine eigentümliche Entschlussfähigkeit und innere Migration daran, ein neues Leben zu wagen, das Vanya in jahrzehntelanger Selbstaufopferung für den von ihm blind verehrten Schwager Alexander, (der in erster Ehe mit Vanyas Schwester, Sonjas Mutter, verheiratet war) vergeudete. In einer verzweifelten großen Aufbegehren brechen alle Enttäuschung, alle Wut, alle Sehnsucht und verlorene Lebensfreude aus ihm heraus, als der Schwager der Familie einen ungeheuren Vorschlag unterbreitet, dessen Ausführung ihm weiterhin ein nobles Leben bescheren, alle anderen aber brot- und heimatlos machen würde. Da endlich, viel zu spät, wehrt sich der ohne Visionen zurückgelassene Vanya gegen ein Leben, das er nicht gewollt hat und das ihm seine Fähigkeiten, seinen Geist, seinen Besitz und sein Seele genommen hat.
Natürlich – riesige Ovationen für den beliebten Schauspieler, dessen Freunde und Verehrer ihn an allen Abenden feiern werden. A.C.

« Older Entries