Category Archives: Neue Inszenierungen

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Die Zauberflöte, HB

Damit diese Oper auch für Kinder schnell erfassbar sein soll, hat sich die Regie diesmal einen durch das Stück führenden Sprecher (Herbert Baum) ausgedacht, der den Hergang der Handlung kommentiert, auch eingreift und mitspielt, diesmal sogar den Papageno, weil Luis Olivares Sandoval erkrankt war und Dominic Große aus Frankfurt erst am Morgen der Premiere in die Rolle als Papageno eingeführt werden konnte. Ob ein Entertainer eine glückliche Idee ist, werden wohl erst die Reaktionen des Publikums in den nächsten Vorstellungen ergeben. Das ist überhaupt das auch hier nicht gelöste Problem: ein in seiner Zeit, den Aufbruch und Umbruch in eine neue, freiheitlichere Gesellschaft ankündigendes Kunstwerk aus seinem Kontext neu zu deuten, um eine mögliche psychologische Grundaussage zu transponieren – kann glücken als Versuch im übereinstimmenden Rahmen von Musik und Handlung. Aber die Leichtigkeit des musikalischen Initiationsspiels wird im zweiten Teil gnadenlos auf eine bisher eher verdeckte sozio-psychologische Ebene des Generationenkonflikts übertragen.

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Eurotrash, B

Ein langer herzlicher Schlussapplaus für ein eindrucksvolles Paar: Angela Winkel und Joachim Meyerhoff haben nach der autobiografischen Romanvorlage von Christian Kracht unter der Regie von Jan Fosse einen bemerkenswerten Abend gestaltet. Ohne die Bühnenpräsenz und schauspielerische Höchstleistung dieser beiden Protagonisten als Mutter und Sohn einer gebildeten bürgerlichen Familie mit übler Nazivergangenheit wäre das Erzähl-Drama wohl eher als langweilig, zumindest als langatmig zu beurteilen. Doch Angela Winkler als zarte, fast zerbrechliche alte Dame, zeigt nicht nur, welche Vitalität und Kraft sich in dieser vom Leben seelisch und körperlich geschundenen Frau verbirgt und welche mädchenhafte Lebendigkeit sie der Rolle der gebildeten und verrückten Mutter übertragen kann; ihre Stringenz, ihre Härte gegen sich selbst und den Sohn, den sie verzweifelt ob seiner und ihrer Schwachheit liebt, dies aber hinter Sarkasmus und zuweilen brutaler Offenheit mit energischer Führung verbirgt! Und Joachim Meyerholz als in ewig getriebener, sich nie anerkannt fühlender, dem eigenen Geschlecht nahestehender Christian, schaukelt trotz aller Emsigkeit hilf- und haltlos in dieser Welt, in der er letztlich ohnmächtig mitansehen muss, wie die Mutter immer wieder aus der Wirklichkeit in den Wahn flüchtet und sich mit Alkohol und Zigaretten und einer Wilde’schen Selbstironie den Lebensschmerz erträglich macht.

Ein großer Schauspielabend trotz schwacher Vorlage.

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Starker Wind,B

ein szenisches Gedicht von Jon Fosse deutsch von Hinrich Schmidt-Henkel Deutsches Theater, Berlin, 2021 Regie: Jossi Wieler, Dramaturgie: John van Düffel, Bühne& Kostüme: Teresa Vergho; Musik:Michael Verhovec, Licht:Thomas Langguth mit: Der Mann: Bernd Moss; Die Frau: Maren Eggert, Der junge Mann: Max Simonischek Verloren in der Zeit Diesmal ist es umgekehrt: Die Zuschauer sitzen auf der Drehbühne, die Darsteller im Zuschauerraum bzw. klettern an der Trennwand herum. Bernd Moss spielt den alten Mann, der völlig verwirrt ob seines Standorts in

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Der Bajazzo (Pagliacci), HB

Diesem Bajazzo ist nicht zum Lachen. Seine untreue Gattin spielt die gleiche Rolle hinter wie vor der Bühne, vergnügt sich mit verschiedenen Liebhabern, reizt ihren Mann aufs Äußérste bis er dem Theater schließlich ein Ende bereitet. So ist es, Schluß, aus, vorbei,die Komödie genauso wie das wahre Leben der kleinen Theatertruppe. Das ist alles sehr bunt und stimmstark inszeniert bis sich die Phantasie in eine Bildhaftigkeit verrennt, die nur wenig über die Darsteller, über ihre Gefühsleben, ihren Abschied aussagt, schwer zu deuten ist. Die Inszenierung bleibt trotz aller Bemühungen um eine einfallsreiche Choreografie seltsam entfremdet.

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Die letzten fünf Jahre, OL

Ein sehr ungleiches Paar verliebt sich und verläßt einander bereits nach fünf Jahren voller Enttäuschung mit großer Trauer. Ein Kammermusical, das eine adäquate Darstellung mit zwei ausdrucksstarken Darstellern erlebt: Martyna Cymerman und Paul Brady gleiten hier auf einer einsamen New Yorker Straßen-Bühne unter den heftigen Rhythmen einer modernen Musical-Band auf den Irrweg einer ungleichen Partnerschaft.

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Das schlaue Füchslein, HB

Hommage an die Natur

Das scheint das Konzept der Regie zu sein, frei nach dem Komponisten und Autor dieser reizenden, gleichwohl tiefsinnigen Geschichte von menschlichen Gefühlen und tierischem Leben: Aus sparsamen Monologen entspinnen sich nicht nur eine, sondern viele Geschichten um die Schicksale aller Beteiligten. Und gespickt ist diese sich natürlich um Liebe, Leben und Tod rankende kleine Schauspieloper mit allerlei schrägen und bewegenden Momenten; schon der Auftakt inmitten der sinnlich-heiteren Ouvertüre: da schlingt sich in tollen Verrenkungen eine Artistin mit schwarzen Flügeln und grünem Trikot wie ein seltsam schillernder Vogel mit einem zum Seil gebundenen Tuch in die Höhe der Bühne. Erst am Schluss wird sie wieder auftreten – denn Anfang und Ende sind austauschbar; ihr Motto ist die Hingabe zur Natur, ihre einzigartigen Schönheiten und Fremdartigkeiten, ihre Verheißung des Immerwährenden und des stetigen Neuanfangs wahrzunehmen. Das grelle weiße Bühnenbild, einer Zirkusarena gleich, ist beweglich wie eine Rotunde und birgt unter sich den gemütlich bunten Dachsbau, aus dem das Füchslein den alten Knurrhahn verdrängt. Lieb ist hier eigentlich wirklich keiner so richtig… aber es macht Spaß, diesem verzwickten Treiben von Mensch und Tier zuzuhören , das nicht so sehr auf die Sprache, sondern vielmehr auf die hervorragende gesangliche und körperliche Beweglichkeit der Dasteller ausgerichtet ist.

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