Author Archives: A. Cromme

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Die zwei Päpste, B

Der theologische Schlagabtausch zwischen Josef Ratzinger und Jorge Mario Bergoglio, elegant, emotional, geistvoll und schmerzlich, auf der Bühne zeigt zwei Pole. Zwei divergierende theologische Anschauungen und Ausrichtungen. Intellekt contra Herz. Vielleicht. Jedenfalls – als beide sich gegenseitig die große Lebensbeichte abnehmen hält man den Atem an; da schimmert etwas durch die Sphäre, dass kaum ein Gottesdienst in herkömmlicher Weise zu vermitteln vermag: Tiefste Gläubigkeit, gepaart mit der Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit, um die Menschheit aus Not, Krieg, Unfreiheit, Armut, Krankheit, im Geiste des Jesu Christi zu befreien. Das verbindet beide Päpste tiefer als es zunächst möglich scheint.

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Gift, B

Wie man aus einem mageren, müden Text ein langsam sich offenbarendes und berührendes Ehedrama zaubern kann, ist immer wieder dem erstaunlichen Geschick der Dramaturgen, der Regie und natürlich der Darsteller zu verdanken, die leblosen Sätzen,oft nur Fragmenten, jäh Leben einhauchen und bei den Zuschauern tiefe Betroffenheit auslösen. Hier sind es die Lieblinge der Berliner, in Film und Fernsehen präsent und doch der Bühne treu geblieben: Ulrich Matthes und Dagmar Manzel, beide vielfach ausgezeichnet, Manzel 2014 für eben diese Rolle der Ehefrau, nur “Sie” genannt, mit dem Deutschen Theaterpreis “Der Faust”.

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Die Blechtrommel, OL

Devid Striesow, Schauspieler von Format, in Film und auf der Bühne, ist mit dem hochkarätigen Schlagzeuger Stefan Weinzierl auf Tournee gegangen und zaubert seinerseits aus der schaurigen Lebensgeschichte der ewigen Nervensäge Oscar von 1924 bis zum Ende des 2. Weltkriegs, die in Danzig spielt, eine bühnenreife Vorstellung. Striesow und Weinzierl benutzen die mit großen Preisen ausgezeichente erzählerische Kraft von Günter Grass‘ Jahrhundertroman für einen sprachlich wie musikalisch genüsslich ausgemalten psychologischen und historischen Bilderbogen, voller Witz und Schrecken.

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Faust, OL

Zu den teuflischsten Darstellern eines Mephisto von Gustaf Gründgens und Klaus Maria Brandauer, die ihre permanente Präsenz letztlich auch der Umsetzung ihrer Bühnendarstellung in das jederzeit abrufbare Medium des Films verdanken, sollte man nun einen weiteren Namen hinzufügen, den einer jungen Dame, die einen neuen Mephisto, nämlich den Schauspiel -Zeitgeist des 21 Jahrhunderts verkörpert – im wahrsten Sinne: Julia Friede spielt mit ihrem in glänzenden engen Lack verpackten beweglichen Schlangenkörper in ungemeiner Lässigkeit und Eleganz; und ist mit leidenschaftlicher Vernichtungswut, Verführungskunst und Schmeichelei penetrant auf gefährliche Lust fixiert – dass es ein Irrsinn ist. Ein toller Teufel! Voller Bewunderung nicht nur für die sprachliche Authentizität – die allen Schauspielern dieser Aufführung attestiert werden muss – sondern gleichsam für ihr brilliantes pointiertes Verbalisieren aller teuflischen Gemeinheiten, die sich hinter den listenreichen Hilfsangeboten an den verzweifelten, wissenstrunkenen, todesbereiten Doktor der Philosophie, Theologie und Juristerei verbergen.

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Erbarmen, HB

Es ist ein Abend der Tränen und des Trauerns mit einer tief ergreifenden, allen Kummer der Menschheit umfassenden Passionsmusik, die von den Schauspielern mit intensiver Präsenz auf grauer Bühne mit schwarzen Baumskeletten dargeboten wird, und die der große Leipziger Kantor vor 400 Jahren allen Zweiflern in einer grandiosen Uraufführung mit zwei Chören und zwei Orchestern entgegensetzte, die befürchteten, seine Oratorien seien gar zu weltlich, zu opernhaft, zu oberflächlich.
Nur – in den meisten Kirchen geben Passionsmusiken wie diese irgendwie Mut und Hoffnung angesichts der Sonnenstrahlen, die zuweilen durch die bunten Fenster dringen, angesichts der kunstvollen Ausstattung vieler Altäre und Orgeln und angesichts einer erwartungsfrohen Stimmung in Gedanken und im Glauben an eine Beständigkeit des Guten, an eine immer wieder sich erneuernde gerechte, sich erbarmende Menschheit. A.C.

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Cavalleria Rusticana/Pagliacci, OL

Bereits die Overtüre gibt viel Zeit und Raum zur Einstimmung, und variiert zwischen erregten, bis zur Wildheit sich steigernden Szenen und einer zart gebremsten schwermütigen Harmonik. Es gibt keine Erlösung, die diesem Sonntag wohl anstünde. In dieser Spannung braut sich ein leidenschaftliches Spiel zusammen, in dem Ann-Beth Solvang als Santuzza, die um ihre Ehre und ihr Glück betrogene Geliebte von Turiddu, alle Register einer hilflosen, betrogenen Frau zieht. Denn wenigTrost auch findet sie bei Turiddu’s Mutter Lucia, die ebenfalls ahnt, dass ihr Sohn seit seiner Rückkehr aus dem Feld wieder seiner einstigen Geliebten Lola verfallen ist. Seine Leidenschaft ist nicht weniger zermarternd, denn wie würde er sonst die arme Santuzza dermaßen erniedrigen? Blind ignoriert er auch Lolas mächtigen Ehemann. Die Wogen der Eifersucht glätten die zeitweilig zwei Harfen, für himmlische Spärenmusik bekannt, fügen die Harmonie der Sehnsucht und der tiefen Liebe zwischen das Furioso der ekstatischen Racheorgien.

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