Excalibur

Eine Rockoper von Alan Simon
The Celtic Rock Opera


Buntes Bühnenspektakel mit Tanz, Songs und Akrobatik, aber von Rockoper keine Spur

Excalibur heißt das Zauberschwert von König Artus, dem Helden aus einer Zeit, als die Erinnerung an Mythen und Legenden aus der Vorzeit zwar noch lebendig war, Elfen und Fabelwesen, wie Feen und Zwerge allerdings mit dem “Alten Volk” längst und beinahe vollständig untergegangen waren. Die wundersame Phantasiewelt in dem Epos “Der Herr der Ringe” basiert auf eben diesem Mythos, das eine glücklichere Welt beschreibt, die unterging als das Böse auf die Erde kam: Es quoll aus dem Inneren des Erdballs, kleidete sich in Feuer und Flammen, in Verwüstung und Vernichtung. Vulkane entfalteten jäh ihre Kraft und zerstörten eine blühende Erde, bis eine neue Epoche anbrach, eine neue Fruchtbarkeit, in der sich wieder Leben entwickelte.

Das ist eine wunderbare Verklärung der mächtigen Naturgewalten. Als die neue Zeit anbrach, gebar sie zunächst Kriege, Machtkämpfe, Feindschaften unter den Menschen bis ein Knabe das legendäre, vom Zauberer Merlin, aus der alten Zeit gerettete Schwert Excalibur mit leichter Hand aus dem Stein zog und fortan eine lange Zeit über die Menschen im Norden Europas regierte. Aber das erwünschte Glück, das sich Merlin durch den Träger dieser Reliquie versprochen hatte, kehrte nicht zurück.

Doch noch waren in jener Geschichte alte Zauberkräfte und neue Wirklichkeit miteinander verwoben – ein Zauberschwert bestimmte ihrer aller Schicksal. Kämpfe wurden wie eh und je mit Schwert und Feuer ausgetragen, Macht willkürlich erworben und unter den treuen Vasallen und mächtigen Clans aufgeteilt. Die Ritter der Tafelrunde waren keine nette Zechgesellschaft; Sie waren Raubeine und Raufbolde – bis ein Ritter erschien und als Vorbote einer neuen Zeit wiederum die Tafelrunde zu ihrem Höhepunkt, aber auch zu ihrer Auflösung führte: Lanzelot, der strahlende Held, der vom Heiligen Gral als Künder des Christentums berichtete, war in die Gemeinschaft getreten und raubte nicht nur das Herz der schönen Guinevere, der Gemahlin Arturs, sondern auch den Tafelrittern die gemächliche Ruhe. Man machte sich auf, den Heiligen Gral zu suchen, eine Reliquie des gekreuzigten Heilands, das Symbol einer neuen Epoche, die Frieden, Wohlstand und Nächstenliebe versprach- und doch wieder – unter dem Zeichen des Kreuzes – verheerende Kriege und Willkür über die Menschheit bringen würde.

Aber die Artus-Sage endet mit der Suche nach dem Gral durch den Ritters Lanzelot, von Richard Wagner musikalisch zu gewaltigen  Dramen verwandelt, in denen die Gottheiten und Helden der germanischen Sagenwelt ihre eigene Vernichtung vorbereiten. Die ursprüngliche Artussage wurde immer wieder neu verfilmt, in verschiedenen Facetten literarisch aufgearbeitet und nun – in Berlin erstmals – als so genannte Rock-Oper einen Abend lang in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle dargeboten. Tausende junge und ältere Fans strömten an diesem kalten Januarabend in die rund 11000 Personen fassende Halle, besetzten alle Ränge bis auf den letzten Platz, wurden noch in die letzten Winkel und Ecken placiert, von denen aus man das Bühnenspektakel nur klitzeklein wahrnehmen und die wenig kunstvolle Kameraführung auf den Monitoren leider nicht in gewünschter Klarheit verfolgen konnte.
Wie überhaupt der Name für diese Show etwas hochtrabend gewählt wurde, gedacht eher für eine Garde alter Barden, deren Stimmen die Melancholie keltischer Balladen wohl anrührend wiedergaben, auch wohl in wütenden Ausbrüchen an alte Rockerzeiten anknüpften konnten, jedoch vermisste man ihre dramaturgische Einbeziehung in die Geschichte der phantasievollen Sage. Es war wohl eher eine Reminiszenz an gute alte Zeiten der nun selbst schon zu Legenden gewordenen Stars wie Simon Nicol mit angespannter Eleganz, Les Holroyd eher vokal gemäßigt, und auch Solo des Supertramp-Saxophonisten John Helliway verklang in sanfter Wehmut. Der berühmte Johnny Logan als Artus, von mächtiger Statur und mit stimmlich breitem Umfang, konnte mit den songs “Circle of Life” und “The Elements” das  Publikum doch hin und wieder aus seiner Reserve zu Beifallsbekundungen herausreißen.  Aber sonst?

Der Schauspieler Michael Mendl (“Schlafes Bruder”) im wunderbar wallenden Zauberermantel – wie überhaupt sämtliche Kostüme eine prachtvolle, glänzende Augenweide darboten – Mendl also führte mit rauchig-kraftvollem Timbre durch die mit Tanzwirbel und Akrobatik gespickte Handlung, wobei sowohl seine eigene Vorgeschichte als auch die weiteren Etappen nur angerissen wurden, und alles eher den Eindruck vermittelte, dass vordringlich die Songs der Sänger im Vordergrund dieser lockeren Revue standen und die Artus-Sage nur ein Mittel  zu eben diesem Zweck darstellte. Eine opernhaft verbindende Struktur oder besser: der gewünschte Musical-Effekt einer sich mit Schauspiel und Musik verbindenden Handlung fehlte, an seine Stelle trat eine aber durchaus beeindruckende bunte Bühnenshow. Auch konnten die beiden seitwärts hereingeführten Turnierpferde, hübsch bunt behangen und geschmückt, nicht viel Spektakuläres beitragen; Denn Lanzelot und Artus stiegen flugs ab, um sich auf dem schimmernden, schwertähnlichen Laufsteg ein karges Duell zu liefern, bei dem es ja bekanntlich um die gemeinsam geliebte Dame geht, was sich hier, szenisch durchaus gelungen, im Vorfeld recht hübscher tänzerischer Parallel-Choreografie und einem inniglichen Duett von Artus und Guinevere (Judy Weiss) andeutete. Aber trotz Nebel und Funken und blitzenden farbigen Lichtspots, trotz aller verführerischer Eleganz der Zauberin Morgan (Jacqui McShee mit bezaubernder Feenstimme ähnlich Liv Tyler als Elbenkönigin), trotz der bizarr kostümierten und auf ihren Stelzen artistische Sprünge vollführenden Tänzer der “bösen Mächte”, wollte das Spektakel nicht so richtig zünden, und man begab sich nach vierstündiger Beschallung mit einem Gefühl der Ernüchterung auf den kalten Heimweg. Die Artus-Sage war wie der Heilige Gral in dramaturgischen Versatzstücken verloren gegangen.  A.C.

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