Quartetto, B, 2006

Tribüne

Regie: Frank Lorenz Engel
Ausstattung: Stephan Dietrich
Musik. Einstudierung: Andrew Hannan

mit: Almut Eggert, Eva Manhardt, Gerhard Friedrich, Joost Siedhoff

 

Rigoletto im Altenstift- eine Verbeugung vor der Kunst und dem Alter

Quartetto

Mit Würde und Witz, Geduld und Güte, aber auch viel Eigensinn und so manch kleinen Boshaftigkeiten würzen und verbringen sie ihr tägliches, nicht mehr allzu aufregendes Dasein in einem Heim für mittellose Künstler. Die Musik und die Erinnerung an ihre glanzvollen Bühnenzeiten als Opernstars beleben ihren Geist und helfen ihnen, die vielen kleinen und größeren Widrigkeiten des Alltags und des Alters zu bewältigen. Jeder der vier tut das natürlich auf seine höchst charakteristische Weise.Da ist der skurrile Wilfried (Jost Siedhoff köstlich und urkomisch) der mit seinen erotischen Phantasien schon mal recht drastisch wird, solange die Damen ihn nicht hören können; aber seinem Freund Reginald geht er schon sehr mit seinem ewigen Don Juan-Gehabe auf die Nerven. Dabei ist Wilf in Wahrheit und Wirklichkeit ein stets treuer Ehegatte gewesen, wie sich noch herausstellen wird. Aber hier scharmützelt er, trotz Rollstuhl und Krücken hinter jeder Schürze her. Ein verbaler Sexheld sozusagen. Doch er ist der lustigste in diesem Quartett. Reginald, von Gerhard Friedrich, als faszinierend korrekte, beinahe zwanghafte Persönlichkeit charakterisiert, ist natürlich perfekt gekleidet, perfekt im Ausdruck, perfekt als Gentleman, wären da nicht hin und wieder die kleinen emotionalen Ausrutscher, wenn er beispielsweise ans Frühstück denkt oder wenn – was natürlich viel dramatischer ist – plötzlich seine Exfrau als vierte im Sängerbunde nun zu ihnen stößt. Das setzt Erinnerungen unliebsamer Art bei Reginald frei, doch wie schrecklich diese wirklich für ihn sind, wird sich erst im Laufe des Spiels entschlüsseln…

Die beiden Damen im Quartett sind ebenfalls höchst unterschiedlicher Natur: da ist die feine, gutmütige Cecily, die stets behilflich und um Harmonie besorgt ist, ansonsten mit Kopfhörern in ihre alte Welt der Verdi-Oper eintaucht und als dessen Verehrerin sogar einen Gala-Abend anlässlich des Geburtstages der großen italienischen Komponisten geplant hat. Abgesehen von einigen Absenzen, in denen sie sich und alle anderen im fernen Indien wähnt, bleibt sie das Herz des Quartetts. Denn die exzentrische Jean ist nicht bereit, etwas von ihrer Primadonnenrolle abzugeben und droht überdies, den so schön geplanten Verdi-Opern-Abend zu zerstören, an dem die vier alten Herrschaften noch einmal das Quartett aus Rigoletto singen wollen…

Mit Almut Eggert als Jean und Eva Manhardt als Cecily sind auch die Frauenrollen glänzend besetzt, so dass man einen mit hintergründigem Humor gewürzten, dann und wann auch etwas schwermütigen Einblick in den letzten Lebensabschnitt erhält – nämlich  die Zeit nach aller beruflichen Aktivität, nach allem Ruhm und nach allen Erwartungen. A.C.

 

 

 

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