Neujahrskonzert 2026, OL
Oldenburgisches Staatsorchester, Opernchor des OL Staatstheaters, Musikalische Leitung: Eric Staiger, Einstudierung Opernchor: Thomas Bönisch, Moderation Georg Heckel
Berauschend ins Neue Jahr
Richard Wagners Tannhäuser Overtüre zum Auftakt als emotional beschwingte wie ebenso expressive Erinnerung daran, wie im Mittelalter um Meistertitel in vielen Disziplinen – also nicht nur im Handwerk, sondern auch in Gesang und Poesie gerungen wurde, gefolgt von “Glou,glou” aus (Hoffmanns Erzählungen), dem der Opernchor den Schwung und Glanz gab: Intendant Georg Heckel erläuterte als charmanter Begleiter des Abends in seiner humorvollen Einführung das Motto der hoch artifiziellen Beiträge der Künstler: RAUSCH! Rauschhaft, für dessen Zustand einzig die Kunst als Motor genüge und nicht etwa jene Art Laudanum der sich einst noch Hector Berlioz bedient habe, um im Rausch des Opiums allerdings so großartige Kompositionen wie, heute im Programm, die Symphonie fantastique “Un bal” zu erfinden.
Es folgten, sich kontinuierlich steigernd bis zum funkensprühenden Schluß des Konzerts, in Folge: von Mozart das “Vivat Bacchus”, aus der “Entführung aus dem Serail”, komödiantisch dargestellt von Seungweon Lee als Osmin und Johannes Leander Mass als Pedrillo. Die Hymne auf Strauss von Erich Wolfgang Korngold “Straussiana” trug natürlich dessen muskkalischen Anspruch, dennoch passend in ihrer vielfältigen Struktur. Richard Strauss selbst galt es zu erinnern bei der recht komplizierten Opernversion von “Ariadne auf Naxos”: “Es gibt ein Reich”, das sich Adréana Kraschewski als Adriadne entsagungsvoll ausmalt, nachdem ihr Geliebter Theseus sie verlassen hat. Fröhlicher geht es zu bei Gioacchino Rossinis “La Cenerentola”, dem italienischen Aschenputtel, das hier mit Anna Dowsley als temperamentvolle Cenerentola, Adréana Krashcewski als Clorinde, Maaike Porthuis als Tisbe, Aksel Daveyan als Dandini, Seungweon Lee als Magnifico und den Herren des Opernchor freudvoll inszeniert, lebendig dargeboten wird. Von Franz Lehár gab es das “Finale II” aus “Die lustige Witwe” mit einer Solistenmannschaft, die mit Herz und Stimme verespricht, dass man auf die künftigen Opernabende gespannt sein darf. Nach Berlioz folgt ein bezaubernder Beitrag von Emmerich Kálmán mit dem wohlklingenden Tenor von Johannes Leander Maas als Tassilo. “Eine Carmen haben wir schon”, frohlockte Intendant Heckel nach dem furiosen “Chanson Bohème” von Anna Dowsley, voller Vorfreude auf die nächsten Inszenierungen.
Das Finale kam wie eine Rakete, leuchtend, bunt, vielversprechend und vor allem fröhlich. Wer “Die die tolle Fledermaus” liebt und mehr noch die überaus spritzigen Inszenierungen des Hauses mit allen Beteiligtendieses Abends, mag sich auch auf deren nächste Aufführung freuen.
Das Publkum, wie immer bei diesen mitreißenden künstlerischen Einblicken in die Welt des Operntheaters, voll aus dem Häuschen, wäre wohl am liebsten gleich für Weiteres auf seinen Plätzen geblieben!
A.C.