Author Archives: A. Cromme

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Fedora, B

Im zweiten Akt ist diese Dame mit ihrer Cousine in Paris zuhause und hält Hof für Gesandte, Kommissare, Spione, Diplomaten und Künstler – Ihresgleichen. Mit ihrer der emigrierten Fürstin celebriert sie ein saloppes lebenslustiges Salonleben, das mit hübschen Parodien auf Männlein und Weiblein und auf ihre besonderen Eigenarten und Vorzüge persiflierend zielt. Aber Fedora lauert weiterhin auf Rache. Sie hat den Mörder ihres Mannes durch den Schwiegervater-Polizeichef bereits ausfindig gemacht und als Gast geladen. Nun belauert sie den Grafen Loris Ipanov ingrimmig. Sie hat ihn in ihre Gesellschaft aufgenommen, ohne ihre Identität zu verraten und wartet auf den richtigen Moment, um ihm sein Geständnis zu entlocken. Und um das Ziel zu erreichen, versucht sie, ihn zu verführen, sich in sie zu verlieben.

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Die Welt von Heute und Gestern, B

Es hat ja auch noch nie jemand behauptet, dass wir uns mit Europa leicht tun. Im Gegenteil. So kam es bisher nie zu einem dringend notwendigen einheitlichen Verfassungskonzept, das viele Politiker in Angriff genommen haben, aber nie durchsetzen konnten. Denn die Formation alter und ständig neu hinzugezogener Staaten barg schon immer Probleme, und sie birgt ständig neue Konstellationen politischer Richtungsströme. Was Stefan Zweig einst konstatierte (1932 in einem Vortrag für die Europatagung der Accademia di Roma) war die „seelische Zerstörung, der das Europa jener Tage „als einziger geistiger Organismus“ anheimgefallen war. Zweig spricht u.a.von „moralischer Ermüdung“, einem „Mangel an Optimismus, ein plötzliches Misstrauen aus dem Gefühl einer allgemeiner Unsicherheit“.

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Die Wunderkammer, B

Die Bühne ist im Halbdunkel gehalten, von Zeit zu Zeit mit grellem Licht, Scheinwerfern, Neonröhren gezielt und punktuell auf die Tanzszenen ausgerichtet. Die Leuchtkörper heben und senken sich und tauchen und umhüllen die Gruppe, auch vereinzelt wie in der Pyramidenspitze, die sich akrobatisch formiert hat. Die Aufführung beginnt mit einem langen Satz “Prelude of a broken Akkordeons” und einer fast bängstigenden Einbindung des Publikum, dem die Tänzer, wohl auch Tänzerinnen – obwohl hier eher kostümiert und maskenartig Unisex in den schlanken, abstrakten Figuren vorgesehen ist – , ein Ansturm also auf das Publikum, das sich kreischenden, düsteren Tönen und Gesichtern jäh frontal gegenübersieht, ihren aufgerissenen Mündern und geheimnisvollen wilden Gestikulationen.

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Der Volksfeind, OL

Es geht um Betrug, um Vorteilsnahme, um Egoismen, um die Rettung der Gesellschaft und die fundamentale Revolutionierung nach der wissenschaftlich bestätigten Notlage in der gemeindlichen Wasserversorgung durch gefährliche Bakterien und die daraus folgenden Konsequenzen für die Kurverwaltung und die Stadt.
Das drohende Drama wird gleich zu Beginn unter den schwebenden oder fliegenden (oder flüchtenden?) großen blauen Fischen und den bereits waghalsig auf dem Rand des großen Beckens balancierenden Beteiligten deutlich: Der Badearzt Tomas Stockmann wird von Klaas Schramm gespielt: leidenschaftlich und impulsiv, der, in seiner großen Demütigung endgültig die Contenance verlierend, mit explodierendem wahnhaften Wutanfall völlig außer sich den Kampf gegen die Windmühlenflügel der Ignoranz aufzunehmen versucht und schrecklich scheitert. Klaus Schramm und Andreas Spaniol zeigen als Brüder Tomas und Peter Stockmann allerbeste Darstellung in ihrem erschütternden Kampf um Wirklichkeit und und Wahrhaftigkeit.

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Der feurige Engel, HB

Ein Paradebeispiel für Sigmund Freud: Seine psychanalytische wissenschaftliche Erkenntis der Hysterie bei vielen Frauen seiner Zeit hätte sich bei dieser zutiefst seelisch verwundeten jungen Frau Renate bestätigt. Alle Symptome, alle Anzeichen, alles widernatürliche und widerspruchsvolle Verhalten, mit der sie sich und ihren liebevollen Freund Rudolpho quält, ist ein Beispiel sogar aus dem wahren Leben. Zwar kannte der Komponist die Lebensrealität des berühmten Romanautors zu der Zeit als er sich das erstemal mit dieser Novelle beschäftigte, noch nicht, aber gleichwohl lag die Faszination dieses unheimlichen Geschichte doch in ihrer möglichen Realität. Und Brjussov hat tatsächlich sein Dreiecksverhältnis zu der hysterischen, wahnhaften und unsteten Muse, Übrsetzerin, Dichterin Nina Petrowskaja, die ihrem Leben selbst ein Ende setzte, in seinem Roman verarbeitet. Regisseurin Barbara Horáková und Orchesterchef Stefan Klingele haben mit dem sich sängerisch wie spielerisch in die unheimliche Atmsosphäre des Geschehens einfügenden Ensemble ein atemberaubendes Horrorwerk der Seelenpein mit unheimlichen Stimmungen und dramatischem Höhepunkt kreiert. Für die unglaubliche Nadine Lehner als wahnsinnige Renate und ihren treuen wunderbaren Freund Ruprecht mit Elias Gyungseok Han gab es für ihre herausragende abendfüllende Darstellung Leistung begeisterten Applaus. A.C.

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De Profundis, B

Was in diesen zu einem einstündigen Monolog verkürzten 80 Seiten rauschhafter Trauer- und Liebesbezeugungen verwundert, ist die Sanftmut, mit der Jens Harzer seinen Oscar Wilde zutiefst sich selbst demütigen lässt, indem er den Geliebten zwar heftig anklagt, den Verrat aber nicht wirklich begreifen kann, doch wohl auch gleichzeitig in allertiefster Verlassenheit Verzeihung gewährt mit unendlich großer und erschütternder Wortgewalt, über die dieses wahrhafte Dichtergenie verfügte. Und weil er in aller Entmutigung und Degradierung seiner Person und der Verzweiflung an der Güte der Menschheit doch niemals Zweifel hegte an der Wahrhaftigkeit der Kunst. So wie er letztlich auch nicht an seinem Geliebten zweifeln möchte, ihm seine brennende Seele offenbart, ihm sein Innerstes zu Füßen legt und sich theatralisch, wie man es natürlich auch von diesem großmächtigen Dichter gewohnt war, in die große Leidensopferrolle hineinspielt. Und das Publikum reagiert ja auch erwartungsgemäß: erschüttert bis in die Haarwurzeln, und doch begeistert! A.C.

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