Die Marquise von O.und – B
Der theatralische Kniff, den Kleist sich als guter Dramatiker um die Wirkungs der Ereignisse wissend erlaubt, ist großartig. Denn als der Graf als damaliger Offizier die Dame einst im Feuer der Festung in Sicherheit vor einer Horde marodierender Soldaten in Sicherheit brachte und – wohl ihrem Reiz ebenso unkontrolliert wie unmoralisch unmittelbar erlag – und sie in den Schwangerschaftszustand versetzte, hatte ja viel Ehre auf dem Schlachtfeld wohl erlangt, aber für sich selbst in seiner erwachten Schuldigkeit alle Hoffnung verloren, diese Tat wieder gutmachen zu können. Als er sich stellen will, wird er nicht einmal angehört und als Bewerber akzeptiert. Welch ein Hohn, welch glänzende Rache, welche Selbstbewußtsein einer Frau vor 200 Jahren! Allerdings sollte man hier nicht die Tatsache außer Acht lassen, dass es adeligen Frauen selten an Selbstachtung ermangelte!
Das hätte m.E. den Kern dieser inszenierung ausmachen sollen: die Heldin, die sich weigert, Gnade anzunehmen!