Category Archives: Neue Inszenierungen

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Annette – ein Heldinnenepos,B

Diese Inszeneirung stellt uns das Leben einer ungewöhnlichen Frau, Ärztin, Widerstandskämpferin, Mutter und Geliebte, Idealistin, Kommunistin vor, die allen Schicksalsschlägen, allen Hindernissen und Enttäuschungen zum Trotz ihrem Idealen treubleibt. Auch als sie die Farce der kommunistischen Ideologie entlarvt hat, wird sie weiter für ihr eigenen Ideale, wie Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit, Bildung und Gesundheit der unterdrückten Bevölkerung Algeriens kämpfen. Annette zahlt den Preis für ihre Berufung, und sie erhält sehr spät in ihrem 92jährigen Leben auch einen Preis, nämlich den der Israelischen Vad Vashem für ihren Mut um die Rettung jüdischer Mädchen vor den Nazis. Für ihren Kampf gegen die eigene Nation, in dem sie als Kurierin und Spionin für die Algerier ihr Leben riskiert, erhält sie eine 10jährige Haftstrafe und eine spätere Begnadigung, allerdings erst als Frankreich Algerien als eigene Nation anerkennt. Die drei Schauspielerinnen können die Entwicklung der Annette von der sehr jungen naiven und von Gerechtigkeitssinn angetriebenen Studentin, sowie der späteren, sehr bewußt aktiven kommunistischen Partisanin bis zu der erfahrenen und dennoch an ihren Idealen festhaltenden Frau als einer starken Persönlichkeit auch mit berührenden Momenten eine vitale Präsenz verleihen. A.C.

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Antigone/Schwester von…- OL

Die dominierende Farbe auf der Bühne ist grau-schattiert, die Männer und Frauen in ihren bleichen antiken Gewändern – , schwarz gesäumt wie auch Hände und Finger in schwarze Farbe getaucht sind – gleichen zunächst steinernen Statuen bis sie in kriechend und rollend, sich verrenkend ihre Emotionen als Volk von Theben nicht mehr als kommentierender Chor, sondern in einer sprachlosen, aufwühlenden Choreographie als Menge ihre Meinung kundtun. Musikalisch einfühlend begleitet.
Auf mehreren abgestuften Ebenen, zwischen schwarzen verschiebbaren Stellwänden, die imaginäre Wohnöffnungen andeuten, spielt sich die große Tragödie um tyrannische Herrschaft contra Hingabe an die alte Götterordnung unter den Bewohnern des Herrscherhauses ab, das einst zufrieden unter König Ödipus leben konnte…

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Der Impresario, OL

Die Insznierung enthält alles erdenklich Absurde, gewürzt mit guten Bonmots und passender Kritik,, die die Theaterbürokratie treffen, in der trockene Juristendiktion gegen Bühnenfreiheit und Lebendigkeit steht. Und doch ist es heutzutage schon sehr viel besser um die Freiheit der Künstler bestellt, wenn auch die Frauen noch immer um ihre Anerkennung und weibliche Würde kämpfen. Doch auch das Theater selbst kämpft um seine ureigenste Intentiion: als Überbau der Wirklichkeit das Phantastische, die Utopie vorzuführen, das, was sein könnte, aber nie sein wird, weil die Fiktion nur auf der Bühne Realität sein darf, sonst ginge beides verloren, und das Theater würde seine Wirkung und Faszination verlieren. Ein schöner Einwurf zur Poesie und Philosphie des Theaters und der Kunst schlechthin, die der Theatergott allen ans Herz legt.

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Die Liebe zu den drei Orangen, HB

Das Goethetheater hat eine phantasievolle, ebenso skurrile wie nachdenkliche Inszenierung auf die bunte Bühne mit beweglichen Sitzelementen gezaubert, mit, auf und zwischen denen die Sängerinnen und Sänger herumturnen und allerlei Kapriolen vollführen, von einem hervorragenden Orchester auf die Note genau geführt und in allen Nuancen und gefahrvollen Situationen im Wechsel der Stimmungen und Emotionen kongruent begleitet. Ein Ohren- und Augenspektakulum!

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Tartuffe, B

Endlich einmal wieder Theater mit großartiger Sprache und gut sprechenden Schauspielern! Das ist vielleicht das Beste an den Altvorderen; dass sie zu Ihrer Zeit nicht nur mit kritischer Ironie die Alltäglichkeit um sie herum, die Irrungen und Wirrungen der Menschen an den Pranger stellten, sondern das alles auch noch mit großem Sprachschatz und intelligentem Sprachwitz, der seit vielen Jahrzehnten in unserer Literratur nur mehr selten vorkommt.

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La Clemenza di Tito (Titus), HB

In der kurzen Ouvertüre verkündet ein Triumpfmarsch eine neue Ära unter der Ägide des neuen Kaisers Tito, bevor Klarinetten und Bassethörner melancholisch die Führung übernehmen und in zarter leichter Tongebung nach der strengen Disziplin des ehemaligen Feldherrn nun eine Zeit der Güte und Gerechtigkeit ankündigen.
In Bremen wurde die Oper „Titus“ bereits im Jahre 1984 aufgeführt, unter der musikalischen Leitung von Ulrich Weder; Inszenierung und Regie lag bei Herbert Wernike. Ob sie damals auch den armen Tito zuguterletzt in solch ein albernes Reifrocktütü steckte, ist nicht überliefert.

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