Category Archives: Oper/ Musiktheater

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Next to Normal, OL

Es ist eben Amerika, Themen kennen kein Tabu, und wenn ein Musical mit unglaublichen Rockrhythmen in allerhärtesten wie in allerfeinsten Tönen sich eines so schwerwiegenden Themas wie Wahn, Paranoia und Suizid annimmt, dann kann man sicher sein, dass niemand darin versinkt. Also keine Sorge: dies ist ein Musical voller Dramatik und Dynamik, von großer schauspielerischer wie sängerischer und darstellerischer Empathie und Qualität. Man ist und bleibt atemlos und verfolgt das Schicksal einer vom frühen Tod ihres kleinen Jungen geschlagenen Familie mit großem Mitgefühl, ohne dabei ins Kitschig-Sentimentale abzugleiten. Ein außergewöhnlich intensiver Abend.

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Werther, OL

Für alle Sänger und Sängerinnen, Kinder und Helden, für die verrückten Engel wie für den köstlichen Part von La Baailli, vor allem aber für Paride Cataldo eine große Rolle: sein wunderbar warmer, tief angesetzter weit klingender Tenor umfasst die große Skala seiner überbordenden Gefühle, während Anna Dowsley’s Charlottes Leidenschaft, Verzweiflung und Hingabe im Verzicht in allen Facetten, ebenso kraftvoll wie erschütternd, sehr berührt. Aber das Schicksal entscheidet anders. Werther verschwindet im Dunkel, nicht ohne sich tröstend zu verabschieden, denn es ist Weihnachten, und die Christen verkünden ihre Vorstellung vom Tod und der Wiederauferstehung. So ist Werther also nicht wirklich vergessen, und obwohl die am Boden zerstörte Charlotte sich noch nicht wirklich auf ein weiteres Leben in ihrem Familienkreis einlassen kann, zeigen Goethe, Massenet und diese Inszenierung, wie man weiterleben kann, wenn man muss.

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Fedora, B

Im zweiten Akt ist diese Dame mit ihrer Cousine in Paris zuhause und hält Hof für Gesandte, Kommissare, Spione, Diplomaten und Künstler – Ihresgleichen. Mit ihrer der emigrierten Fürstin celebriert sie ein saloppes lebenslustiges Salonleben, das mit hübschen Parodien auf Männlein und Weiblein und auf ihre besonderen Eigenarten und Vorzüge persiflierend zielt. Aber Fedora lauert weiterhin auf Rache. Sie hat den Mörder ihres Mannes durch den Schwiegervater-Polizeichef bereits ausfindig gemacht und als Gast geladen. Nun belauert sie den Grafen Loris Ipanov ingrimmig. Sie hat ihn in ihre Gesellschaft aufgenommen, ohne ihre Identität zu verraten und wartet auf den richtigen Moment, um ihm sein Geständnis zu entlocken. Und um das Ziel zu erreichen, versucht sie, ihn zu verführen, sich in sie zu verlieben.

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Der feurige Engel, HB

Ein Paradebeispiel für Sigmund Freud: Seine psychanalytische wissenschaftliche Erkenntis der Hysterie bei vielen Frauen seiner Zeit hätte sich bei dieser zutiefst seelisch verwundeten jungen Frau Renate bestätigt. Alle Symptome, alle Anzeichen, alles widernatürliche und widerspruchsvolle Verhalten, mit der sie sich und ihren liebevollen Freund Rudolpho quält, ist ein Beispiel sogar aus dem wahren Leben. Zwar kannte der Komponist die Lebensrealität des berühmten Romanautors zu der Zeit als er sich das erstemal mit dieser Novelle beschäftigte, noch nicht, aber gleichwohl lag die Faszination dieses unheimlichen Geschichte doch in ihrer möglichen Realität. Und Brjussov hat tatsächlich sein Dreiecksverhältnis zu der hysterischen, wahnhaften und unsteten Muse, Übrsetzerin, Dichterin Nina Petrowskaja, die ihrem Leben selbst ein Ende setzte, in seinem Roman verarbeitet. Regisseurin Barbara Horáková und Orchesterchef Stefan Klingele haben mit dem sich sängerisch wie spielerisch in die unheimliche Atmsosphäre des Geschehens einfügenden Ensemble ein atemberaubendes Horrorwerk der Seelenpein mit unheimlichen Stimmungen und dramatischem Höhepunkt kreiert. Für die unglaubliche Nadine Lehner als wahnsinnige Renate und ihren treuen wunderbaren Freund Ruprecht mit Elias Gyungseok Han gab es für ihre herausragende abendfüllende Darstellung Leistung begeisterten Applaus. A.C.

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Francesca da Rimini, B

Es sind also drei Brüder, die die Frau lieben und das Unglück vorprogrammierten. Alle Szenen bis auf das Schlachtgetümmel und den Mord an dem Gefangenen, sind sehr zurückhaltend choreografiert – aber auch und vor allem in der behutsamen und ängstlichen Liebesannäherung. In der unerfüllten Sehnsucht und Leidenschaft begegnet sich das Paar mit nur sehr vorsichtigen körperlich behutsamen wie zärtlichen Berührungen; Sie wissen, dass ihre Liebe unmöglich ist, solange der eifersüchtige Ehemann gegenwärtig ist. Es bedarf langer Jahre des Leidens bis sie den Mut haben oder auch nicht mehr in der Lage sind, ihre Liebe länger zurückzuhalten. Alle Gefühle, alle Handlungen sind in einen ungewöhnlich poetischen Text gefasst, der die Liebe in blumige Weisen verwandelt und die Natur für eine Sprache der Zärtlichkeit und Schönheit zu formen versteht. Für Francesca, die “zwischen Gewaltfantasien und Rosen“ (Christof Loy) leidet, zwischen endgültiger Aufgabe ihres Widerstandes und Hingabe zu einer Liebe, die sich mehr geahnten als bewussten Konsequenzen der grausamen Männerwelt aussetzt, ist das eine schwankende emotionale Gratwanderung.

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Das schlaue Füchslein, OL

Eine rundum entzückende Aufführung mit ganz reizenden behänden Füchsen, mit gleißenden Sopranen (aber wie singen denn eigentlich Füchse präsentiert eine phantasiereiche und kunstvolle Inszenierung, voller tänzerischer Anmut choreografiert und bühnentechnisch geschickt austariert und ausgeleuchtet , einem spielerisch hingebungsvollen Ensemble, das dem minimierten Sprechgesang inhaltliche Transparent gibt und einem Sängerpotential, das der hohen Anforderung der märchenhaft-romantischen Erzählung humorvoll und spritzig eine gültige Realität verleiht. Ein beglückendes Erlebnis mit einem Orchester, das ein farbiges und nuanciertes Spiel – zwischen einer ihren natürlichen Gesetzen folgenden Tierwelt und menschlicher Melancholie und Orientierungslosigkeit – voller Lebensklugheit und Sinngebung kraftvoll begleitet. A.C.

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