Category Archives: Oper/ Musiktheater

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Cristina, Regina di Svezia, OL

Himmlische Chöre begleiten die irdisch tragische Lebensgeschichte der schwedischen Königin Regina, Tochter des im 30jährigen Krieg gefallenen Gustav Adolfs, die 1632 schon als kleines Mädchen die Verhaltensregeln der ernsten Regentin erlernt. Das Oldenburgische Staatstheater punktet zur Zeit mit einer deutschen Erstaufführung der lange versunkenen Oper, die zwischen Belacanto und Romantik einen schillernden Spannungsbogen aufbaut und bietet eine eingängig schwungvolle geleitete Inszenierung mit beachtlichen künstlerischen Höhenflügen an.
Das grafisch und dramaturgisch gut gemachte Programmheft schildert die geschichtliche Realität hinter der Bühnenversion. Leider verzichtet es auf die Vita der Sänger.

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Werther, HB

In der Bremer Inszenierung stellt Luis Olivares Sandoval als Werther eine starke, faszinierende und kraftvolle Persönlichkeit dar – ein gefühlsstarker Egoist, der Vernunft, Rücksichtnahme und Verzicht nicht auf sein Lebensprogramm geschrieben hat. Damit ist Sandoval im Verbund mit allen großen Tenören und Baritonen, die sich an der Ausformung von “Werther” versuchten, den inneren Konflikt zwischen einsichtiger Stärke und zerstörerischer Beharrlichkeit auszubalancieren, vor allem aber im Wanken und Schwanken eines so unbändigen Gefühlsmenschen, der mit der Zartheit inniglichen Werbens Charlottes Seele zutiefst berührt, nachdem er sie zuvor mit einem flammenden Gefühlsinferno zur Verzweiflung getrieben hat. Damit ist Charlotte, deren Herz Werther mit seinem letzten Druckmittel des angedrohten Suizids zu zerreißen droht, zum Spielball der Gefühle eines raubtierhaften Liebhabers und eines kühl kalkulierenden, unbestechlichen Ehemannes geworden. Für Nadine Lehner ist diese Rolle eine ungemeine Herausforderung, sich in dieser anstrengenden Inszenierung auf so mitleidslos offener Bühne ohne jegliches szenisches Beiwerk allen Schattierungen von Charlottes und Werthers Gefühlen zu stellen. Auf dem Podest vorgeführt und gefangen werden hier zwei Menschen zu einem wilden, wütenden, verwundeten Liebespaar, das nicht zusammenkommen darf.

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Iris Butterfly, B

1898, sechs Jahre vor der Madame Butterfly seines Freundes Puccini schrieb Pietro Mascaqni (Cavalleria Rusticana) seine erste große Oper, der noch 50 weitere folgen sollten – eine Sensation, denn es war die erste Japan-Oper des Verismo, eine bittersüße Homage an das Leben, ein Requiem für alle, die an ihren Hoffnungen und Illusionen scheitern mußten. Das Ende vorbereitend, beginnt auch diese überaus farbenprächtige, vielseitige und zauberhafte gesungene und gespielte Geschichte mit einem Requiem. Das Orchester läßt die kleine Overtüre trauervoll dahingleiten, zeichnet die weite, mit japanischen Wänden eingerahmte Bühne als eine sakarale Stätte, in deren Mitte eine runde Plattform für mancherlei Symbolisches dient: als Lagerstätte, als Zuflucht, als Ort der Träume und des Begehrens, aber auch der Täuschung und des Aufbegehrens, als Stätte des Lebens und des Todes.

Hier erwacht die Hoffnung der kleinen Iris auf ein besseres Leben, das sie bislang einsam und armselig mit ihrem blinden Vater verbringt, hier erstarrt die puppenhafte Geisha endgültig zur Vision, hier buhlen die Zuhälter um die Zärtlichkeit des jungen Mädchens, hier kämpft Iris um ihre Würde und Unschuld und kann doch ihrem Schicksal nicht entgehen. Unglaubliche Bilder einer verwirrend realen Welt irrlichtern über die Leinwände, erzählen zugleich die Geschichte der heute lebenden jungen Menschen in Japan, die sich dem Rausch des Events, des kurzen Amüsements hingeben, das alle Sinne verwirrt und täuscht.

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Satyagraha, OL

Eine einfallsreich gestaltete Bühnenausstattung (angedeutete Wälder, Wände, Barrieren aus Bambusstangen) und eine kongruente Handlungschoreografie lassen die Inszenierung mit ihren philosophischen und religiösen Texten, die leider nicht immer glücklich übersetzt sind, nach und nach in die tieferen Dimensionen gleiten und das zuweilen alle Religionen verbindende Wertesystem der Bhagavad Gita transparent werden. Die nachhaltig wirkende “Minimal-Musik” des amerikanischen Komponisten, der dieses Werk erstmalig 1980 an der Oper Stuttgart aufführte, unterstreicht in tiefen, weiten dunklen Wellen mit an-und abschwellendem, nur scheinbar gleichtönig wirkendem Klang die Worte und Werte des golden glänzenden Prinzen Arjuna und des blauhäutigen Gottes Krishna, die als Maßstab für das richtige ethische Handeln eines vorbildlichen Herrschers gelten. Der hier spielerisch und musikalisch eindruckvoll in den Vordergrund gestellte Chor erscheint in den folgenden Bildern als graue Anzug- und Kostümgesellschaft, eben farb- und phantasielos, gnadenlos herrschend und hemmungslos konsumorientiert. Der Gewaltlosigkeit predigende und als Menschen-und Weltverbesserer ebenso verehrte wie gescheiterte Mahatma Gandhi steht hier noch als junger Anwalt fassungslos allen Ungerechtigkeiten der südafrikanischen Gesellschaft gegenüber.

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Maria de Buenos Aires, HB

Diese Inszenierung zieht alle in ihren suggestiven Bann; ein berührendes Drama der Seelentiefe, verpackt in surrealistische Poesie und eingehüllt in zärtlich weiche Tangorhythmen, die sich abwechseln mit der Härte und Brutalität der ewig Ausgestoßenen, der abseits Lebenden und Hoffenden im Dunkeln der Großstädte. Zu ihnen gehört diese wunderbare, liebliche, und sich der Liebe hingebende Mariá, die als ahnungsloses Mädchen in den Dschungel der Unterwelt gerät und trotz des sie liebenden väterlichen Freundes zuletzt ein Opfer der Süchte und unerfüllten Träume wird. Als Schatten ersteht sie wieder auf, als Unbesiegbare, ewig Geliebte, nie Erreichbare und doch von allen Geächtete. Sie wird wiedergeboren als sie selbst, als Frau, als Gebärende, Lebenerhaltende. Jesus ist ein Mädchen, eine Frau, die ewige mater dolorosa.
Ein vielschichtiges, phantasievoll choregraphiertes und stark rhythmisiertes Spiel um die niemals endende Sehnsucht des Menschen nach dem verlorenen Paradies mit der wunderbar wandlungsfähigen Annemaaike Bakker und dem stimmgewaltigen Patrick Zielcke sowie dem Sprachkünstler Benno Ifland .

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Rigoletto, B

Es ist eine Aufführung, ein Abend, den man so schnell nicht zu den Akten legt. Patrick Lange verleiht der vitalen, weithin sich verströmenden und in vielen Nuancen hauchzarten, erregenden und bewegenden Oper Verdis eine Präsenz, die sich unmittelbar und unzweifelhaft der menschlichen Finsternis zuwendet. Das Spiel in der Gasse kannte kein Pardon weder mit den Herrschenden und Mächtigen, noch mit ihren Vasallen und den Krüppeln des Lebens – als Spott und Spielball des Volkes eroberten sich diese Inhalte zunächst als pantomimische Darstellungen die Bühne, wo Rührseligkeit und Realität beißend auf die Spitze getrieben wurden. Der Schock feierte fröhliche Urständ. Für Franzosen und Italiener ein Spiel, mit dem sie umzugehen wussten. Für die deutsche Mentalität gerät die Wirkung zu sehr ins Wahrhaftige. A.C.

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