Category Archives: Oper/ Musiktheater

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Siroe, Re Di Persia, OL

Das barocke Lustspiel um Macht, Vater- und Frauenliebe, Familienehre und Selbstdarstellung ist mit einer amüsanten und zugleich nachdenklichen Inszenierung am Staatstheater einmal wieder zu einem großen Ereignis geworden. Farbenprächtig und sangesfreudig mit erwarteten und gewohnten stimmlich ausgeschmückten Höhenflügen und Capriolen, mit darstellerischem Pfiff und musikalischer Galanterie ist es in den rauhen Zeiten nach dem siebenjährigen Krieg im Sachsen August des Starken in neuer Überarbeitung des Komponisten erstmalig wieder aufgeführt worden – ein Spiegelbild nicht nur der höfischen Gesellschaft.

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Maria, Ol

Ursprünglich war es ein Kriminalfall, dann ein Versepos, dann eine Opernfassung mit einer klar gefassten Horrorgeschichte – dennoch ist ein romantisches Werk daraus geworden, zunächst bejubelt, dann vergessen, nun wieder ins Licht des Staatstheaters in Oldenburg gestellt. Unter der musikalischen Leitung von Hendrik Vestmann und der Regie von Andrea Schwalbach ist ein anderthalbstündiges Werk entstanden, das in der Verdichtung des Vater-Sohn-Konflikts, dem das Mädchen Maria -die große Liebe des jungen Waclaw- zum Opfer fällt, alle Höhen und Tiefen von Empathie und Emotio mit einer ungemein farbigen Orchestrierung und größtem sinfonischen Schwung packend auf die Bühne bringt . Innerhalb einer sparsam martialischen grauen Bühnenburg, dies für Romantik eigentlich keinen Raum in seiner ausweglosen Enge bietet, bringt diese Inszenierung alle Facetten einer unstandesgemäßen Liebe im tödlichen Griff der Macht zur Entfaltung – dank einer wie immer vorzüglich agierenden Chorgmeinschaft und einer harmonisch aufeinander ausgerichteten Stimmenführung .

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Lucia di Lammermoor, HB

Weil die Geschichte ja eigentlich bekannt ist, muss natürlich die Szenerie angereichert und ausgeschmückt werden, um den Sängern und dem Publikum neben dem Ohrenschaus auch eine neue Fassung zu bieten. Da dies ja bekanntlich nicht bei allen Inszenierungen glücken kann, ist es diesmal besondern erfrischend, die Vielfalt von Regiekunst und Dramaturgie, exakt ausgeleuchtetem Bühnenambiente und stimmiger Choreografie zu sehen. Und alles passt exakt: ein temperamentvolles Orchester begleitet unter dem Dirigat von Olaf Bomann stimmungsexakt Höhen und Tiefen der Liebenden und der Kontrahenten, läßt Lucia, die Lichtgestalt, von Harfe und Glasharmonioka bereits in hauchzarte, schon nicht mehr fassbare Gefilde des Wahns entfleuchen, treibt Birger Radde als den tyrannischen Lord Enrico in eine furchterregende martialische Exzesse, und läßt seine bleichgesichtigen Getreuen, den Priester Raimondo in der kurzbehosten und tätowierten Horror-Version von Christoph Heinrich tiefgrundig und doppelzüngig sein Spiel treiben wie den Berater Normanno im Kanzlerrock und Januskopf im treuergebenen Gefolge. Und so tricksen die drei von der Macht die arme Kleine mit Lügen über den fernen Verlobten hinterhältig aus und treiben sie in den Abgrund. Dass sie selbst durch Lucias Wahnsinnsmord an dem verhassten Gatten auch ins Verderben stürzen, ist eine befriedigende, dem Publikum gezollte Gerechtigkeitsvariante.

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La Bettleropera, B

Wer die klassische Version von Bert Brecht und Kurt Weill sucht, wird wenig finden. Sowie der Titel bereits Verwirrung stiftet, gleicht auch dieses Stück einem nur schwer entwirrbaren Knäul voller Einfälle, Abstrusitäten einer sexistischen Gemengelage, alles verquickt in schlichter Textführung, wirbelnden Tänzen und moderner Musik mit Pop und Rock und allerlei schönen Klängen, die zu einem komischen Bordell-Musical eigentlich nicht so recht passen. Für die Anhänger dieser seit …. Jahren beliebten Neuköllner Kulturstätte, die sich heute mitten im Zeitgeist phanatasievoller Darstellungsvariationen behauptet, war dies zweistündige muntere Spiel ein Vergnügen, ungeachtet der ersnthaften Schlusspointe, die dnan doch überraschte.

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Candide oder Der Optimismus, HB

Leonard Bernstein läßt die lange Zeit verfemte Gesellschaftssatire des französischen Schriftstellers und Denkers Voltaire in musikalischer Bildsprache auferstehen und umgibt sie mit einer Virtuosität, die, wie gewohnt, zwischen Musical, Oper, Operette immer einfühlsam, zuweilen zärtlich, dann wieder grell-katastrophal changiert und hohe wütende Wellen auftürmt, wenn es an physische, psychische und moralische Grenzen geht. Die Bremer Inszenierung läßt die Erzählung des Franzosen in der Neufassung von John Caird aus dem Jahr 1999 in großer Orchesterbesetzung der Scottish Opera Version spielen, die den Handlungsablauf strafft und sich auf die philosophische Auseinandersetzung konzentriert. Ein phantasievoller, farbenprächtiger Bilderreigen mit so viel Lebendigkeit, dass man beinahe vergißt, dass es sich hier um eine philosophische Auseinandersetzung von Leben und Tod handelt.

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Die Entführung aus dem Serail, OL

Mozart modern – dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn diese Inszenierung wirklich etwas Neues brächte, eine Geschichte zauberte, die der Liebe ebenso gerecht wird wie sie in so überwirklichen Tönen herbeigezaubert wird, und die den Machthunger und die Besitzgier einer modernen ( oder anderen, fremden) Gesellschaft überwinden und besiegen kann. In der historischen Entstehungsgeschichte von Mozarts phantasievollem Kostümspiel, das sich spielerisch und witzig in jener Zeit gegen die Türken wenden durfte, die ja sich aufgemacht hatten, das Abendland zu bekämpfen, ist die Überzeichnung des bösen Haremswächters und des Herrschers über Frauen und Eunuchen sicherlich herzlich bejubelt worden. Später wurde die Oper immer wieder in neuen Variationen inszeniert, mal gut, mal weniger, aber die Musik bleib: ein Strom von in Noten gegossenen Gefühlen. In Oldenburg wurde es zu einer relativ unaufgeregten Geschichte eines wohlhabenden jungen Mannes, der Belmontes Braut in seine Partyvilla in den Bergen entführt und sie nicht nur besitzen will, sondern sogar liebt. Und Konstanze ist sich nicht so ganz sicher, für wen sie sich nun also entscheiden soll. Da die Oper ihr nun mal vorgibt, dass sie Belmonte nehmen soll, geht es vornehmlich um diesen Konflikt. Das ist alles hübsch gesungen und vortrefflich von Chor und Orchester begleitet sowie auf zweieinhalb Stunden reduziert, und das ist auch genug. A.C.

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