Category Archives: Oper/ Musiktheater

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Wozzeck

So wie Berg/Honeck es schaffen, die Charaktere musikalisch eindringlich auszuformen und das Geschehen in fast vollzähligen Variationen aller tanztypischen Formen und Klangvorbilder bis hin zum sinfonisch geradezu beängstigenden, bombastischen Schluss beinahe schmerzhaft auf die Musik zu übertragen, so fern bleibt jegliche Sentimentalität, nachdem sich Wozzeck in einem Müllberg von Konservendosen blutig vergraben hat. Irgendwie, so möchte man trotzig meinen, ist er aber auch selber schuld.

Diese Musik wühlt im Innersten auf, bleibt hängen und haften und arbeitet weiter. Was man leider von Jones’ Inszenierung nicht sagen kann.

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La Traviata HB

Und so ist der Inszenierung dem Regisseur Benedikt von Peter und dem Dirigenten Clemens Heil eine liniengrade, von allem Kitsch abgespeckte Neuinterpretation geglückt, die sowohl in Kontrasten als auch in feingliedrigen Strukturen verläuft. Violetta, die Verachtete, die Liebende, die Verzichtende als Märtyrerin, die Eigenliebe in wahre Nächstenliebe verwandelt und beinahe wie eine Heilige ihr Leben opfert, beherrscht die Bühne. Ganz allein zwar, doch eingebettet in die musikalische Obhut des großartigen Orchesters und starker Stimmen im Background.

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For the Disconnected Child

… So entsteht nicht wirklich eine gute Geschichte, sondern es hat den Anschein, als ob eine Menge Versatzstücke als Patchworkarbeit aneinandergereiht worden seien, die eben wie ein Flickenteppich eine vielfältig zu interpretierende Botschaft senden: sieh her, da ist eine junge Generation, die sich ängstigt, aus der Eierschale herauszuklettern, das Leben bei der Hand zu nehmen, sich in ein Abenteuer zu stürzen, dessen Ausgang zwar unsicher ist, das aber echte Lebendigkeit – allerdings auch Leid – verspricht. Tanz und SChauspiel verbinden sich mit kongruenten modernen Kompositionen zu einem analytischen Potpurri spezifisch weiblicher und männlicher Verhaltensweisen auf der Suche nach ihrer Lebenserfüllung.

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Die Dreigroschenoper, B

Ein einzigartiges Kunstwerk des Theaterzauberers Harold Wilson. Man bleibt zwar innerlich distanziert und vorwiegend amüsiert, ist aber letztlich doch von dieser ungemein exakten Szenenfolge, der ausgefeilten Darstellung und vor allem dem frischen musikalischen Schwung, der alle die wunderbaren alten Songs wieder auferstehen läßt, mächtig beeindruckt! Das ist an sich schon ein kleines Wunder und beweist einmal mehr, wie gut es einem Werk tut, es nur rein äußerlich zu verstärken, seine Elemente herauszufiltern und Wort und Ton Treue zu garantieren.

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Der Fliegende Holländer

Die Botschaft des Märchens:

Zu zeigen, wie der Mensch in sein Schicksal hineingeworfen und zum Spielball der Pole/Mächte wird (aus der griech. Sagenwelt aller vorzivilisierten bzw. heidnischen Völker) Es sind die Pole gut/böse – Gott/Teufel. Später im Zeitalter der Vernunft entwickelt sich eine neue Sichtweise und Erfahrung: Der Mensch kann sein eigener Herr sein, selbstbestimmt kann er entscheiden zwischen Recht und Unrecht; ihm ist es nun gegeben, das EGO, Machtstreben und Ehrgeiz zu überwinden

1. noch in der christlich geprägten Moral und Ethik: durch Gott
2. in der Vernunft: durch Überlegung, Verzicht, Altruismus
3. in der Romantik symbolisiert die Natur beides: Aufbruch und Geburt, Verzicht/Tod; Dunkel/Hell, Tag und Nacht; Wald/Stadt/Dorf-Gemeinschaft

Märchengeschichte ist Menschheitsgeschichte, Mythos ist der Urgrund, auf dem sich die Menschen seit altersher in unterschiedlicher Form und inhaltlichen Variationen Unerklärliches in der Natur und bei sich selbst – in ihrem eigenen Verhalten – zu erklären versuchten;
Liebe und Tod – mit all den Begleiterscheinungen und Auswüchsen – Hingabe, Selbstaufopferung, Verzicht und Caritas auf der einen – Eifersucht, Verrat, Kampf und Vernichtung auf der anderen Seite sind die Trieb- undAntriebsfaktoren der Menschheitsgeschichte.

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