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Fedora, B

Im zweiten Akt ist diese Dame mit ihrer Cousine in Paris zuhause und hält Hof für Gesandte, Kommissare, Spione, Diplomaten und Künstler – Ihresgleichen. Mit ihrer der emigrierten Fürstin celebriert sie ein saloppes lebenslustiges Salonleben, das mit hübschen Parodien auf Männlein und Weiblein und auf ihre besonderen Eigenarten und Vorzüge persiflierend zielt. Aber Fedora lauert weiterhin auf Rache. Sie hat den Mörder ihres Mannes durch den Schwiegervater-Polizeichef bereits ausfindig gemacht und als Gast geladen. Nun belauert sie den Grafen Loris Ipanov ingrimmig. Sie hat ihn in ihre Gesellschaft aufgenommen, ohne ihre Identität zu verraten und wartet auf den richtigen Moment, um ihm sein Geständnis zu entlocken. Und um das Ziel zu erreichen, versucht sie, ihn zu verführen, sich in sie zu verlieben.

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Die Wunderkammer, B

Die Bühne ist im Halbdunkel gehalten, von Zeit zu Zeit mit grellem Licht, Scheinwerfern, Neonröhren gezielt und punktuell auf die Tanzszenen ausgerichtet. Die Leuchtkörper heben und senken sich und tauchen und umhüllen die Gruppe, auch vereinzelt wie in der Pyramidenspitze, die sich akrobatisch formiert hat. Die Aufführung beginnt mit einem langen Satz “Prelude of a broken Akkordeons” und einer fast bängstigenden Einbindung des Publikum, dem die Tänzer, wohl auch Tänzerinnen – obwohl hier eher kostümiert und maskenartig Unisex in den schlanken, abstrakten Figuren vorgesehen ist – , ein Ansturm also auf das Publikum, das sich kreischenden, düsteren Tönen und Gesichtern jäh frontal gegenübersieht, ihren aufgerissenen Mündern und geheimnisvollen wilden Gestikulationen.

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Neujahrskonzert 2026, OL

Richard Wagners Tannhäuser Overtüre zum Auftakt als emotional beschwingte wie ebenso expressive Erinnerung daran, wie im Mittelalter um Meistertitel in vielen Disziplinen – also nicht nur im Handwerk, sondern auch in Gesang und Poesie gerungen wurde, gefolgt von “Glou,glou” aus (Hoffmanns Erzählungen), dem der Opernchor den Schwung und Glanz gab: Intendant Georg Heckel erläuterte als charmanter Begleiter des Abends in seiner humorvollen Einführung das Motto der hoch artifiziellen Beiträge der Künstler: RAUSCH! Rauschhaft, für dessen Zustand einzig die Kunst als Motor genüge und nicht etwa jene Art Laudanum der sich einst noch Hector Berlioz bedient habe, um im Rausch des Opiums allerdings so großartige Kompositionen wie, heute im Programm, die Symphonie fantastique “Un bal” zu erfinden.

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Werther, OL

Für alle Sänger und Sängerinnen, Kinder und Helden, für die verrückten Engel wie für den köstlichen Part von La Baailli, vor allem aber für Paride Cataldo eine große Rolle: sein wunderbar warmer, tief angesetzter weit klingender Tenor umfasst die große Skala seiner überbordenden Gefühle, während Anna Dowsley’s Charlottes Leidenschaft, Verzweiflung und Hingabe im Verzicht in allen Facetten, ebenso kraftvoll wie erschütternd, sehr berührt. Aber das Schicksal entscheidet anders. Werther verschwindet im Dunkel, nicht ohne sich tröstend zu verabschieden, denn es ist Weihnachten, und die Christen verkünden ihre Vorstellung vom Tod und der Wiederauferstehung. So ist Werther also nicht wirklich vergessen, und obwohl die am Boden zerstörte Charlotte sich noch nicht wirklich auf ein weiteres Leben in ihrem Familienkreis einlassen kann, zeigen Goethe, Massenet und diese Inszenierung, wie man weiterleben kann, wenn man muss.

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Ach, die Frauen, B

Der Schriftsteller Alberto Moravia beschreibt lebendige handelnde, leidende, liebende Menschen aus dem römischen Millieu der armen Leute aus der Zeit des frühen vorigen Jahrhunderts. Er führt uns hinein in ihr oft verwirrendes und verworrenes Dasein, mit Komik und Tristesse. Moravia, auch Journalist und aktiver Politiker, ist viel in der Welt herumgekommen, hat mehr erlebt und erlitten als er sich wohl je gedacht hatte und ist im tiefsten Grund seines Wesens immer römischer Bürger geblieben, einer von denen, die er so feinsinng und treffend beschreibt. Er ist ein spannender Erzähler, ein feiner Beobachter und ein Künstler sprachlich aufgebauter Spannung, die er durch eine hintergründige, heitere wie subtile Betrachtung des Alltags römischer Paare, Frauen und Männer in ihren komplizierten Beziehungen zu einem bunten Bilderbogen formt.

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Die Welt von Heute und Gestern, B

Es hat ja auch noch nie jemand behauptet, dass wir uns mit Europa leicht tun. Im Gegenteil. So kam es bisher nie zu einem dringend notwendigen einheitlichen Verfassungskonzept, das viele Politiker in Angriff genommen haben, aber nie durchsetzen konnten. Denn die Formation alter und ständig neu hinzugezogener Staaten barg schon immer Probleme, und sie birgt ständig neue Konstellationen politischer Richtungsströme. Was Stefan Zweig einst konstatierte (1932 in einem Vortrag für die Europatagung der Accademia di Roma) war die „seelische Zerstörung, der das Europa jener Tage „als einziger geistiger Organismus“ anheimgefallen war. Zweig spricht u.a.von „moralischer Ermüdung“, einem „Mangel an Optimismus, ein plötzliches Misstrauen aus dem Gefühl einer allgemeiner Unsicherheit“.

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