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Das Rheingold,OL

Ein vielversprechender Ring-Auftakt, märchenhaft-verschwommen, vergnüglich bis verstörend; noch ist alles offen, aber mit einigen Akzenten weist die Inszenierung geschickt in die Zukunft der Götter, Halbgötter, Riesen und Zwergenwelt. Spannung durchzieht das Geschehen zwischen Betrug und Mord mit mehreren Tätern und Opfern, die wiederum ewige Rache und Verderben schwören und sich mit allerlei Tricks aus der Schlinge zu helfen versuchen. Eine rustikale holzvertäfelte Drehbühne öffnet sich für oft verschwommene Szenen im Flußbett der Rheintöchter sowie im Götterheim von Wotans Familie und in der düsteren unterirdischen Fabrik der goldschürfenden Schmiedgesellen unter dem Nibelungen Alberich. Kräftige Stimmen gestalten die einfalllsreiche Darstellung mit allen Höhen und Tiefen, was nicht ganz einfach ist, weil das Epos als Erzählung ja keine herkömmlichen opernhaften Spielräume hat. Das große Orchester garantiert einen dynamischen Fortlauf des Geschehens text- und tongenau. Begeisterter Schlußapplaus!A.C.
s. link zur ausführlichen Besprechung.

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Hokuspokus,B

Eine eher überraschende Interpretation ihres neuen Themas “Hokuspokus”, eine ernsthafte Fabel in und mit Masken und Musik von der “Schöpfungsgeschichte”. Lebendig wie eh und je, allerdings auch mit großer Zurückhaltung und Feinfühligkeit wird diesmal das Leben vom naiven Beginn im paradieschen Zustand von zur Menschwerdung bis zum Tod dargestellt. Das ist eher erschütternd denn erheiternd, die Momente des Abschieds aus dem Leben sind bedrückend und belastend, und der ausgleichend lebendige Mut und Spaß am Leben (das Markenzeichen der FLöz-Familie bislang), und sei es auch noch so tückisch, ist nur noch im Ansatz der pubertierenden Kinder und häuslichen Konflikte vorhanden. Zärtlich und sehnsuchtsvoll schwebt über allem der lyrische Gesang von Sarai O’Gara.

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Ballett Impulsiv III,OL

In funkelnd meeresblaugrün schimmernder zweiter Haut versprüht das Corps de Ballett endlich die ersehnte Lebenslust und Tanzfreude pur; am Ende des abwechslungsreichen Abends präsentiert der Choreograf Jully den Schlußakkord wie Perlen an der Zündschnur, explosiv, überbordend – beglückt geht man in den späten Pfingssonntag. Eine zweistündige Vorstellung zeigt in vielfältigen und ausgefeilten tänzerischen Episoden zum Themenbereich “sich aufeinander verlassen getanzte Lebensfreude – zuweilen von dem Applaus eines begeisterten Ballettpublikums für Momente unterbrochen – ein Kaleidoskop perfekter tänzerischer Vielfalt auf verschiedenen thematischen Ebenen.

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Die zwei Päpste, B

Der theologische Schlagabtausch zwischen Josef Ratzinger und Jorge Mario Bergoglio, elegant, emotional, geistvoll und schmerzlich, auf der Bühne zeigt zwei Pole. Zwei divergierende theologische Anschauungen und Ausrichtungen. Intellekt contra Herz. Vielleicht. Jedenfalls – als beide sich gegenseitig die große Lebensbeichte abnehmen hält man den Atem an; da schimmert etwas durch die Sphäre, dass kaum ein Gottesdienst in herkömmlicher Weise zu vermitteln vermag: Tiefste Gläubigkeit, gepaart mit der Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit, um die Menschheit aus Not, Krieg, Unfreiheit, Armut, Krankheit, im Geiste des Jesu Christi zu befreien. Das verbindet beide Päpste tiefer als es zunächst möglich scheint.

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Gift, B

Wie man aus einem mageren, müden Text ein langsam sich offenbarendes und berührendes Ehedrama zaubern kann, ist immer wieder dem erstaunlichen Geschick der Dramaturgen, der Regie und natürlich der Darsteller zu verdanken, die leblosen Sätzen,oft nur Fragmenten, jäh Leben einhauchen und bei den Zuschauern tiefe Betroffenheit auslösen. Hier sind es die Lieblinge der Berliner, in Film und Fernsehen präsent und doch der Bühne treu geblieben: Ulrich Matthes und Dagmar Manzel, beide vielfach ausgezeichnet, Manzel 2014 für eben diese Rolle der Ehefrau, nur “Sie” genannt, mit dem Deutschen Theaterpreis “Der Faust”.

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Die Blechtrommel, OL

Devid Striesow, Schauspieler von Format, in Film und auf der Bühne, ist mit dem hochkarätigen Schlagzeuger Stefan Weinzierl auf Tournee gegangen und zaubert seinerseits aus der schaurigen Lebensgeschichte der ewigen Nervensäge Oscar von 1924 bis zum Ende des 2. Weltkriegs, die in Danzig spielt, eine bühnenreife Vorstellung. Striesow und Weinzierl benutzen die mit großen Preisen ausgezeichente erzählerische Kraft von Günter Grass‘ Jahrhundertroman für einen sprachlich wie musikalisch genüsslich ausgemalten psychologischen und historischen Bilderbogen, voller Witz und Schrecken.

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