Namouna und Clear, B

von Alexei Ratmansky und Stanton Welch

Staatsballett Berlin 2014
Es tanzen: Vladimir Malakhov, erste Solisten, Solisten und Corps de ballet des Staatsballetts Berlin. Es spielt: die Staatskapelle Berlin

Clear – Choreographie von Stanton Welch,
Uraufführung 25.10.2001 American Ballet Theatre, New York
Musik von J.S.Bach, Konzert für Violine und Oboe c-moll nach BWV 1060; Konzert fürVioline g-moll BWV 1056, 1. und 2.Satz;
Kostüme: Michael Kors für Céline,Licht: Lisa Pinkham


Ode an die Ästhetik des Körpers

Diese tänzerisch abstrakte Interpretation und Umarbeitung zweier Werke von Johann Sebastian Bach hat der in Australien aufgewachsene Stanton Welch 2001 für das American Ballet Theatre zwar in der Technik des klassichen Tanzes choreographiert, aber darüber hinausgehend mit einer starken modernen Expressivität untermalt, die – bis auf eine junge Dame – allen männlichen Tänzern in hautfarbenen Beinkleidern und bloßem Oberkörper ein ebenso elegant-bewegtes sowie kraftvolles Muskelspiel gestattet, dass sich der hingebungsvollen Musik Bachs in immer neuen energiegeladenen Varationen hingibt. Sozusagen eine Ode an die Leidenschaft der Seele, die sich in der elegant-kraftvollen Bewegung des Körper manifestiert.  Und es ist diese Unbedingtheit, der sich alle Tänzer – auch der wie immer ins Auge stechende Malahkov – verschrieben haben, die eine emotionsgeladene Spannung und Ausstrahlung erzeugt – und durchgehend  erhält. Es ist die perfekte Umsetzung des Zusammenwirkens einer Harmonie von Körper und Geist, von Musik und Bewegung, von Innehalten und wieder neu sich finden. Hell und Dunkel stehen im Wechselspiel, Licht und Schatten fließen ineinander, Traurigkeit löst sich auf, um im Zwischenspiel eine natürliche Form zu finden,bei der Ehrfurcht und Sehnsucht einige der bestimmenden Elemente sind, um die Liebe und die Kunst zu begreifen.


Namouna. Ein großes Divertissement

Choreographie von Alexei Ratmansky; Musik von Edouard Lalo; Kostüme: Rustam Khamdanov/Mark Happel, Licht: Mark Stanley; Uraufführung 29.4.2010 New York City Ballet

Wesen von einem anderen Stern

Alexei Ratmansky ist seit seinen Jahren am Bolschoi Ballett als Tänzer, Choreograph und Ballettdirektor dem Berliner Chef des Staatsballetts, Vladimir Malakhov, sicherer Freund und inspirierender Kollege gewesen; und so zeigt beider Sensibilität für den theatralischen Tanzeffekt, verbunden mit der unnachahmlichen russischen Perfektion eines dynamischen phantasievollen, durchaus noch an klassischen Formen orientierten Choregraphie, an diesem Abend tänzerische Preziosen, die kostbaren Steinen ähnlich, strahlen und funkeln. In schönsten Kostümen, die die Tänzerinnen und Tänzer in schwirrende, schwebende Schmetterlinge verwandeln, und man die technisch höchst anspruchsvollen Sprünge und Hebungen, Drehungen, Spitzen und Pirouetten wie selbstverständlich hinnimmt und sich nur wundert, wie das erwartete romantische Märchen so leicht-fertig in eine neue Form der Erzählung umgearbeitet wurde.  Das 1882 komponierte Märchenballett des Franzosen Edourd Lalo ist einer modernen Variante gewichen, die uns mit einer temperamentvollen Serie reizvoller Tänze mit sieben Solisten und weiteren 20 Damen und Herren des Corps de Ballet  einen hinreißenden Abend beschert. Es ist die bildgewordene Leichtigkeit des Seins, in der ein junger Edler seine große Liebe findet und dabei einigen recht gefährlichen schönen Verführerinnen, die seinen Weg kreuzen, charmant auszuweichen versteht. Es ist eben ein französisches Ballett, auch wenn Ratmansky seit 2009 als “Artist in Residence” dem American Ballet Theatre verbunden ist..

 

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