Der Vetter aus Dingsda, OL

von Eduard Künneke
Operette in drei Akten

Staatstheater Oldenburg, 2015

Text vin Hermann Haller (Hermann Freund) undRideamus (Fritz Oliven) nach dem Lustspiel von Max-Kempner-Hochstädt
Musikilische Bearbeitung von Johannes Schild
Musikalische Leitung:Thomas Bönisch, Mitglieder des Oldenburgischen Staatsorchesters
Inszenierung: Ralf Budde, Bühne und Kostüme: Darko Petrovic, Dramaturgie: Steffi Turre, Licht: Herbert Janßen
mit: Valda Wilson (Julia de Weert), Alexandra Scherrmann/Laura Scherwitz (Hannchen), Josef Kuhbrot (Henry Kiichli), Daniela Köhler (Wilhelmine), Andreas Lütje (Egon von Wildenhagen), Philipp Kapeller (ein Fremder), Marek Wild (ein zweiter Fremder), Stefan Vitu (Diener Hans), Werner Duczek (Diener Karl).

 

Süßer, strahlender, guter Mond…

Eduiard Künneke, dem seine niederrheinische Herkunft von vornherein Frohsinn und unbekümmerte Lebenslust attestiert, gehört zu den Besten seiner Zunft, wiewohl er durchaus Meriten als Kapellmeister und Chordirketor, Dirigent und Liedbegleiter sowie als vielseitiger Komponist erwarb. Seine Operetten aber sind ohne Zeitverlust all die schweren und leichten Jahrzehnte hinweg jedermanns Liedgut geblieben. Sein Leben war geprägt von Mühen, von Erfolg und tiefen Demütigungen während der Nazizeit, von deren “Kulturverständnis” er sich nach dem Krieg nur wieder schwer erholte. Seine Operetten, die er bis  1930 komponierte und zum Erfolg führte, machten ihn zu der Berliner Star- und Kultfigur, sofern es so etwas schon damals gab. Er war ein Mann für Jedermann, seine Bühnenbilder, seine Lieder schwebten in beständiger Wiedererkennung in die Köpfe seiner Zuschauer, und sein musikalisches Genie offenbarte sich in künstlerischen Leichtigkeit und Noblesse.

Um eine authetische Wiedergeburt dieses Genres zu gewährleiten, das sich ja absichtlich von der höfischen opera seria entfernte, um in einer erweiterten Ausformung der opera comique für jedermann zugänglich zu sein, müßten sich Regie und Gesang eben von dieser Ernsthaftigkeit der anspruchsvollen “großen Oper” lösen, ohne ins Überspannte, Triviale abzugleiten. Ohne die Gefühlstiefen der verworrenen Liebes-Leid- und Glückseligkeiten zu banalisieren, sollten diese Grotesken verworrener Schicksalswege augenzwinkernd das Publikum einbeziehen und sich am Ende in Heiterkeit zur Freude aller auflösen. Ein bißchen wie Molière, ein wenig wie heutiges Volkstheater   ohne Ambitionen, mehr zu sein als man ist. Der Bürger als Edelmann, gewiss, aber er weiß letztendlich, dass er ein Bürger ist, mit beiden Beinen auf der Erde steht und das Glück sich nicht wie im Märchen einstellt.

In Oldenburg trifft der Vetter aus Dingsda( der deutschen Kolonie Batavia) unerkannt im Hause einens spleenigen älteren Ehepaares ein, das zwei flügge junge Damen zu bändigen versucht, wobei die eine sich im verträumten Sehnen nach eben jenem Vetter, der sie als Jugendfruend verließt und dem sie ewige Treue schwor, einer vom Onkel gewünschten Heirat mit dem Sohn des Notars wiedersetzt und die andere sich wie ein keckes Stubenmädchen jede Situation mit Witz zu meistern versucht. Die schnell aus Bremerhaven eingesprungene Regine Sturm als Hannchen überzeugte spielerisch und gesanglich im Sinn der origninären Interpretation dieser hübschen Partie. In origineller Comédia-Manier fanden sich auch Henry Kiichli als skurriler, ewig hungriger und durstiger Onkel und Daniela Köhler als seine intensiv ausgepolsterte  und folgsame Ehefrau Wilhelme zur Karikatur zusammen. Als klassisches Liebespaar Julia und eben jener ominöse, unerkannte Vagabund unterhielten  Valda Vilson und Philipp Kapeller mit der schön ausgeschwungenen, hingebungsvollen gesanglichen Variation der Ernsthaftigkeit, was letztlich doch den Schalk des Ganzen in Grenzen hielt.  Während Andreas Lütje als Egon von Wildenhagen tolpatschig über die großartig aufgebaute Jugendstilhalle stolperte, deren leicht verstaubtes Ambiente den zunehmend verblassenden Glanz eben jener großen Operettenepoche  des vorigen Jahrhunderts noch einen alten Zauber verlieh.

Stumme Diener als Schloßgespenster und ein fideler schmucker neuer Gast, der das richtige Herz erobert und somit dafür sorgt, dass alle Paare glücklich und zufrieden sind, jedenfalls vorerst, sorgen noch ein allerletztes Mal für Turbulenzen.

Zum Verlgeich biete sich die Bremer Inszeneirung des “Weißen Rössl” an, beide Stücke garnatieren einen unbeschwerten Theaterabend. A.C.

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