Category Archives: Neue Inszenierungen

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Das schlaue Füchslein, OL

Eine rundum entzückende Aufführung mit ganz reizenden behänden Füchsen, mit gleißenden Sopranen (aber wie singen denn eigentlich Füchse präsentiert eine phantasiereiche und kunstvolle Inszenierung, voller tänzerischer Anmut choreografiert und bühnentechnisch geschickt austariert und ausgeleuchtet , einem spielerisch hingebungsvollen Ensemble, das dem minimierten Sprechgesang inhaltliche Transparent gibt und einem Sängerpotential, das der hohen Anforderung der märchenhaft-romantischen Erzählung humorvoll und spritzig eine gültige Realität verleiht. Ein beglückendes Erlebnis mit einem Orchester, das ein farbiges und nuanciertes Spiel – zwischen einer ihren natürlichen Gesetzen folgenden Tierwelt und menschlicher Melancholie und Orientierungslosigkeit – voller Lebensklugheit und Sinngebung kraftvoll begleitet. A.C.

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La Traviata, OL

Die „Ausgestoßene, La Traviata“, ist eine todkranke Kurtisane, die ihr leichtlebiges Dasein mit einer ernsthaften, wenn auch nur kurzlebigen Liaison vertauschen darf. Luis Olivares Sandoval schenkt uns einen hingebungs- und verständnisvollen Liebhaber, dem sein wohl auch beinahe etwas naives jugendliches Gemüt allerdings einen schweren Strich durch das Leben macht, als er Violetta zurück in ihrem alten Milleu finden muss. Natürlich weiß der arme Alfredo nichts von der Intervention des Vaters, der für die Schicklichkeit und Akzeptanz seiner Familie einen Verzicht Violettas auf die Verbindung mit seinem Sohn Alfredo gefordert hat. Das er in unerträglich jämmerlicher und spießiger Art noch Violetta blendet, indem mit Gottes Geboten ihr brutal ins Herz sticht, ist ein harter Affront des Dichters gegen die damalige heuchlerische Gesellschaft! Auch diese Szene findet wieder im unangenehmen Ambiente des Anfangs statt, was erneut eine Irritation zwischen der visuellen mit der musikalischen Kongruenz ergibt. Es fehlt an Glanz und frischen Einfällen für das ewige Opern -Thema: Liebe und Tod.

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Jesus Christ Superstar, B

…Es sei aber doch eine Rock Oper, sagte der Intendant, Wir müssen spielen und tanzen und toben und ein wahnsinniges Drive auf die Bühne bringen und wir brauchen Stimmen, die dagegen ansingen können. Hast Du die? Haben wir, sagte Jesus. „Meine Person wird von Ryan Vona gesungen, ein Kraftvolumen, das gegen jede Rockband durchbricht. Und der Judas von Ryan Shaw, ein Berserker von Mann mit einer ebensolchen Stimmgewalt. Er spielt sich die Seele aus dem Leib. Ich garantier es Dir. Und Maria? Wir nehmen eine zarte, liebevolle exotische Sängerin, die so einfühlsam singen kann, dass sie selbst Jesus einlullt“. Noch hat der Theaterchef leichte Zweifel, ob alle Künstler und Darsteller zur Verfügung stehen, wie man das Budget auffrischen kann und die vielen Castings in aller Welt durchführen kann. Aber er wird Maria Magdalena, die einzige von seinen Jüngern, die ihn vielleicht wirklich liebt, mit Ilay Bal Arslan besetzen können. Sie ist wunderbar…

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Der Fall McNeal, B

Eigentlich ist dieser Jacob McNeal ein armer Tropf – trotz literarischer Meriten und nun gar auch noch Nobelpreisträger – denn als arroganter, von allen Menschen um ihn herum als sarkastisch und egozentrisch verschriener Alkoholiker kann Ulrich Matthes einfach kein Monster sein. Hier irrt der Regisseur, der sich nicht nach der rigiden Wut des amerikanischen Superautors richtet, sondern Matthes inmitten einer ebenso theatralischen auf sich bezogenen Umgebung auf die schwere Ausformung eines übersensiblen Schrifttellers einerseits und eines schon fast dem Tode geweihten Suchtkranken ansetzt.
In einem Gespräch anschließend mit dem zur Zeit in Berlin weilenden Autor geht es – ausschließlich in amerikanischem Englisch – leider nicht um die Inszenierung, sondern vorwiegend, wie meistens, um die Person des Autors, aber auch um die Endlichkeit der KI: sie wird vieles kopieren, ersetzen, und erledigen können. Aber sie stößt noch immer an ihre Grenzen, wenn es darum geht, menschliche Gefühle und Gedanken zu erfassen und aufzugreifen. Gott sei Dank!

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Madama Butterfly, HB

Es ist des Leidens beinahe zu viel. So schmerzvoll, verzweifelt, stets zwischen Wahn und Hoffnung schwebend, durch Tradition an eine Scheinrealität gefesselt, hilf- und haltlos ihren Emotionen ausgesetzt, ergibt sich diese Chio Chio San in allen drei Facetten ihrer vernichteten Persönlichkeit.
Wer aber trägt die Schuld, die Verantwortung. Das Leben war so, nämlich zu Zeiten als die Amerikaner sich ein vergnügliches Leben in einem für sie beinahe surrealen Land erlaubten, dessen fernöstliche Reize sie betörten und denen sie unkritisch erlagen. Und die japanische Moral und Ethikvorstellung der niedrigen Situation einer Geisha erleichterte es den Männern, sich eine Scheinheirat zum Vergnügen zu erlauben. Aber es sind immer Zeiten, in denen Verantwortungslosigkeit, Verlassenheit, Verrat einer großen Liebe im Mittelpunkt des Lebens stehen können. Das hat die Regisseurin mit der Aufteilung der 15jährigen, der 40jährigen und der reifen Frau als Butterfly mit drei Persönlicheiten auf zwei Ebenen verlagert und auch die Un- Möglichkeiten eines anderen weiblichen Selbstbewußtseins angedeutet.

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Der Sturm,OL

Die Regisseurin überrascht mit einem eigenen Team, das William Shakespeares “Sturm” mit phantastischen Kostümen und bizarren Perücken in eine verwirrende wie betörende Farbpalette taucht und die Bühne durch schnelle Lichteffekte in wechselnde Bilder verwandelt – nach Bedarf zeigt sich der Hintergrund als wütendes Meer, das die königlichen Seefahrer verstreut auf diese ferne fremde Insel wirft oder als stummes Bergmassiv, auf dessen rauen Pfaden die Schiffbrüchigen ihren Weg suchen, irregeführt von seltsamen Klängen eines gewitzten Luftgeistes und einem hinterhältigen Kobold, der sich als versklavter Erdgeist entsprechend derb verhält, einem Golum nicht unähnlich. Warum, erfahren wir ziemlich bald. Bislang ungewohnt, untermalen eindringliche Rhythmen als musikalische Intensivierung und als Ausdehnung der magischen Szenen, selten melodisch harmonisch, weil sich außerhalb der Liebenden und des vertröstenden Finale das verworrene Spiel ja eigentlich um Macht, Rache und Vergebung in ziemlich rauer Gegend und aufgeladener Atmosphäre abspielt.ie Regisseurin überrascht mit einem eigenen Team, das William Shakespeares “Sturm” mit phantastischen Kostümen und bizarren Perücken in eine verwirrende wie betörende Farbpalette taucht und die Bühne durch schnelle Lichteffekte in wechselnde Bilder verwandelt – nach Bedarf zeigt sich der Hintergrund als wütendes Meer, das die königlichen Seefahrer verstreut auf diese ferne fremde Insel wirft oder als stummes Bergmassiv, auf dessen rauen Pfaden die Schiffbrüchigen ihren Weg suchen, irregeführt von seltsamen Klängen eines gewitzten Luftgeistes und einem hinterhältigen Kobold, der sich als versklavter Erdgeist entsprechend derb verhält, einem Golum nicht unähnlich. Warum, erfahren wir ziemlich bald. Bislang ungewohnt, untermalen eindringliche Rhythmen als musikalische Intensivierung und als Ausdehnung die magischen Szenen, selten melodisch harmonisch, weil sich außerhalb der Liebenden und des vertröstenden Finale das verworrene Spiel ja um Macht, Rache und Vergebung in ziemlich rauer Gegend und aufgeladener Atmosphäre abspielt.

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