Category Archives: Neue Inszenierungen

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Der Fall McNeal, B

Eigentlich ist dieser Jacob McNeal ein armer Tropf – trotz literarischer Meriten und nun gar auch noch Nobelpreisträger – denn als arroganter, von allen Menschen um ihn herum als sarkastisch und egozentrisch verschriener Alkoholiker kann Ulrich Matthes einfach kein Monster sein. Hier irrt der Regisseur, der sich nicht nach der rigiden Wut des amerikanischen Superautors richtet, sondern Matthes inmitten einer ebenso theatralischen auf sich bezogenen Umgebung auf die schwere Ausformung eines übersensiblen Schrifttellers einerseits und eines schon fast dem Tode geweihten Suchtkranken ansetzt.
In einem Gespräch anschließend mit dem zur Zeit in Berlin weilenden Autor geht es – ausschließlich in amerikanischem Englisch – leider nicht um die Inszenierung, sondern vorwiegend, wie meistens, um die Person des Autors, aber auch um die Endlichkeit der KI: sie wird vieles kopieren, ersetzen, und erledigen können. Aber sie stößt noch immer an ihre Grenzen, wenn es darum geht, menschliche Gefühle und Gedanken zu erfassen und aufzugreifen. Gott sei Dank!

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Madama Butterfly, HB

Es ist des Leidens beinahe zu viel. So schmerzvoll, verzweifelt, stets zwischen Wahn und Hoffnung schwebend, durch Tradition an eine Scheinrealität gefesselt, hilf- und haltlos ihren Emotionen ausgesetzt, ergibt sich diese Chio Chio San in allen drei Facetten ihrer vernichteten Persönlichkeit.
Wer aber trägt die Schuld, die Verantwortung. Das Leben war so, nämlich zu Zeiten als die Amerikaner sich ein vergnügliches Leben in einem für sie beinahe surrealen Land erlaubten, dessen fernöstliche Reize sie betörten und denen sie unkritisch erlagen. Und die japanische Moral und Ethikvorstellung der niedrigen Situation einer Geisha erleichterte es den Männern, sich eine Scheinheirat zum Vergnügen zu erlauben. Aber es sind immer Zeiten, in denen Verantwortungslosigkeit, Verlassenheit, Verrat einer großen Liebe im Mittelpunkt des Lebens stehen können. Das hat die Regisseurin mit der Aufteilung der 15jährigen, der 40jährigen und der reifen Frau als Butterfly mit drei Persönlicheiten auf zwei Ebenen verlagert und auch die Un- Möglichkeiten eines anderen weiblichen Selbstbewußtseins angedeutet.

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Der Sturm,OL

Die Regisseurin überrascht mit einem eigenen Team, das William Shakespeares “Sturm” mit phantastischen Kostümen und bizarren Perücken in eine verwirrende wie betörende Farbpalette taucht und die Bühne durch schnelle Lichteffekte in wechselnde Bilder verwandelt – nach Bedarf zeigt sich der Hintergrund als wütendes Meer, das die königlichen Seefahrer verstreut auf diese ferne fremde Insel wirft oder als stummes Bergmassiv, auf dessen rauen Pfaden die Schiffbrüchigen ihren Weg suchen, irregeführt von seltsamen Klängen eines gewitzten Luftgeistes und einem hinterhältigen Kobold, der sich als versklavter Erdgeist entsprechend derb verhält, einem Golum nicht unähnlich. Warum, erfahren wir ziemlich bald. Bislang ungewohnt, untermalen eindringliche Rhythmen als musikalische Intensivierung und als Ausdehnung der magischen Szenen, selten melodisch harmonisch, weil sich außerhalb der Liebenden und des vertröstenden Finale das verworrene Spiel ja eigentlich um Macht, Rache und Vergebung in ziemlich rauer Gegend und aufgeladener Atmosphäre abspielt.ie Regisseurin überrascht mit einem eigenen Team, das William Shakespeares “Sturm” mit phantastischen Kostümen und bizarren Perücken in eine verwirrende wie betörende Farbpalette taucht und die Bühne durch schnelle Lichteffekte in wechselnde Bilder verwandelt – nach Bedarf zeigt sich der Hintergrund als wütendes Meer, das die königlichen Seefahrer verstreut auf diese ferne fremde Insel wirft oder als stummes Bergmassiv, auf dessen rauen Pfaden die Schiffbrüchigen ihren Weg suchen, irregeführt von seltsamen Klängen eines gewitzten Luftgeistes und einem hinterhältigen Kobold, der sich als versklavter Erdgeist entsprechend derb verhält, einem Golum nicht unähnlich. Warum, erfahren wir ziemlich bald. Bislang ungewohnt, untermalen eindringliche Rhythmen als musikalische Intensivierung und als Ausdehnung die magischen Szenen, selten melodisch harmonisch, weil sich außerhalb der Liebenden und des vertröstenden Finale das verworrene Spiel ja um Macht, Rache und Vergebung in ziemlich rauer Gegend und aufgeladener Atmosphäre abspielt.

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Vanya, B

Oliver Mommsen gibt allen ihre Individualität, formt ihre Persönlichkeit aus wenigen Worten und Gesprächen, durchleuchtet ihr Schicksal, ohne zu urteilen. Keiner ist lächerlich, alle hinderte eine eigentümliche Entschlussfähigkeit und innere Migration daran, ein neues Leben zu wagen, das Vanya in jahrzehntelanger Selbstaufopferung für den von ihm blind verehrten Schwager Alexander, (der in erster Ehe mit Vanyas Schwester, Sonjas Mutter, verheiratet war) vergeudete. In einer verzweifelten großen Aufbegehren brechen alle Enttäuschung, alle Wut, alle Sehnsucht und verlorene Lebensfreude aus ihm heraus, als der Schwager der Familie einen ungeheuren Vorschlag unterbreitet, dessen Ausführung ihm weiterhin ein nobles Leben bescheren, alle anderen aber brot- und heimatlos machen würde. Da endlich, viel zu spät, wehrt sich der ohne Visionen zurückgelassene Vanya gegen ein Leben, das er nicht gewollt hat und das ihm seine Fähigkeiten, seinen Geist, seinen Besitz und sein Seele genommen hat.
Natürlich – riesige Ovationen für den beliebten Schauspieler, dessen Freunde und Verehrer ihn an allen Abenden feiern werden. A.C.

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Floating Spaces, Tanztage OL

Allerliebst und sehr einfühlsam choreografiert. Noch sind die Menschen außerhalb der strahlenden Aura der zierlichen Tänzerin durch ihre doppelten Masken gesichtslos bis endlich beide Seiten ihre Scheu verlieren und sich zu einer Gemeinschaft zusammenfinden. Natürlich jetzt folgt auch die Adoleszenz, in der sich wundervoll grazile und ausgefeilte Pas de Deux und Pas de Trois entfalten und weitere Paare uns in elegantester hoher Schule der Ballettkunst ihren Spiegel zeigen, in dem sich das Leben mit seinen zahlreichen Möglichkeiten zeigt. Musikalisch wird mit Klavier und E-Gitarre die Olivaer Orgel -Tabulatur aus dem 17.Jahrhundert neu interpretiert und durch raffinierte Toneffekte ergänzt, die durch Mikrofone an der Tänzerinnen erzeugt werden.

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