Category Archives: Oper/ Musiktheater

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Minus 16. B Choreographien von Aharon Eyal und Ohad Naharin

Die Bühne ist dunkel, die Lichteffekte zaubern einen pastellfarben schimmernden Dunst, die Kostüme sind von Dior, aber das sieht man nicht, denn die schmiegen sich so hauteng an den Körper, dass Spitzen und Dekor eher wie Elfenbein, also ganz und gar natürlich erscheinen. Und das ist auch die Absicht der israelischen Choreographin Sharon Eyal, die zunächst ihr eigenes Werk SAABA vorstellt, bevor ihr Meister Ohad Naharin in der zweiten Hälfte des Abends eine bereits15 Jahre alte, jedoch äußerst variationsfähige Arbeit präsentiert, die mit ebenso viel Charme und Temperament begeistert wie zuvor SAABA in der 50minütigen Aufführung mit ihrem hartem Techno-Sound und einem angepasst disziplinierten Bewegungsablauf, dass man vom Zuschauen wie in einen Sog rauer Rhythmen alter Stammeskulte hineingezogen wird.

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La Fiamma, B

Es ist unheimlich in diesem Ravenna des 7. Jahrhunderts. Missliebige Frauen werden als Hexen defamiert und mit schier höllischer Inbrunst dem Scheiterhaufen übergeben. Patriarchen hängen noch im Greisenalter an der Mutterbrust und Enkelsöhne vergreifen sich flugs an Dienstmädchen und schieben gar Liebe vor, wenn es sich um die junge Stiefmutter handelt. Zugegeben, die ist todunglücklich in diesem leblos hölzernen Haushalt, wo die Mägde zwar fröhlich kichern, das heißt, entzückend singen, wenn die eiserne Hauslady abseits ist, die Schwiegertochter aber, mit einem ungeliebten Mann verheiratet, nur verzagt vor sich hinsinkt. Es wird toll gesungen, zuweilen sogar so heftig, dass man die nicht vorhandenen Scheiben klirren hört wie bei Oscar Mazerath, nur weitaus vollkehliger.Denn die Musik Ottorino Resphighis celebriert 1934 ein Spektakel voller Glut und Ingrimm auf eine Gesellschaft, die sich verführen läßt von absolutistischer Macht, hier abstrakt vorhanden durch die Kaiserin in Byzanz, die ihre Befehlsgewalt bis in das Haus in Ravenna ausübt, explizit auf den Enkel Donello. Und somit ist die Assoziation, vorsichtig angedeutet in einem gellenden Aufschrei des inbrünstig agierenden Chor-Volkes, das nach einem imaginären (und schwachen) König alias Victor Emanuel III ruft, der den noch nicht ganz zu Hitler übergelaufenen Mussolini die Nation übergeben musste, auch offensichtlich.

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Die Liebe zu den drei Orangen, HB

Das Goethetheater hat eine phantasievolle, ebenso skurrile wie nachdenkliche Inszenierung auf die bunte Bühne mit beweglichen Sitzelementen gezaubert, mit, auf und zwischen denen die Sängerinnen und Sänger herumturnen und allerlei Kapriolen vollführen, von einem hervorragenden Orchester auf die Note genau geführt und in allen Nuancen und gefahrvollen Situationen im Wechsel der Stimmungen und Emotionen kongruent begleitet. Ein Ohren- und Augenspektakulum!

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La Clemenza di Tito (Titus), HB

In der kurzen Ouvertüre verkündet ein Triumpfmarsch eine neue Ära unter der Ägide des neuen Kaisers Tito, bevor Klarinetten und Bassethörner melancholisch die Führung übernehmen und in zarter leichter Tongebung nach der strengen Disziplin des ehemaligen Feldherrn nun eine Zeit der Güte und Gerechtigkeit ankündigen.
In Bremen wurde die Oper „Titus“ bereits im Jahre 1984 aufgeführt, unter der musikalischen Leitung von Ulrich Weder; Inszenierung und Regie lag bei Herbert Wernike. Ob sie damals auch den armen Tito zuguterletzt in solch ein albernes Reifrocktütü steckte, ist nicht überliefert.

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Pique Dame, B

Eigentlich dachte sich Peter Tschaikowski diese gruselige Liebes-und Kartenspielgeschichte als „merkwürdiges Drama aus einer alten Welt“, nämlich im Sinne des Rokoko a la Mozart. Liebe- und Schäferidylle, große Kostümromantik des späten 18. Jahrhunderts und selige Sequenzen an untergegangene, erträumte Paradiese…. Nichts von alledem, was bleibt, ist der heißblütige Auftakt einer Romanze zwischen einem ungleichen Paar, überquellender, innigster Gesang von Sondra Radvanossky – zunächst als beinahe unsichtbar bebrillte Gouvernante, später als gleißende Ballschönheit), aufregende, verheißungsvolle Erwartung und spannend durch die noch unsichtbare geheimnisvolle Gräfin mit ihren Zauberkarten– doch allmählich dann zeigt die Eintracht erste Risse durch die sozialen Differenzen und Ängste, die keiner offenbart. Und es kommt es zur erwarteten Katastrophe.

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Anna Bolena, B

Aber bleiben wir im 19. Jahrhundert, bei Anna und ihrem entsetzlichen Schicksal, das Gaetano Donizetti so dramatisch mit brillanter vokaler Vielfalt und immer neuen furiosen wie auch zärtlichen Arien und Duetten versah, einen Chor als Volk hilflos kommentierend an die Wand stellte, das zugleich aber auch den Hofstaat vorzeigt, der das intrigante Geschehen leise betratscht und still beäugt, selbst ohne Mitleid und Möglichkeiten, dem Unrecht Einhalt zu gebieten, dankbar, selbst in Lohn und Brot zu sein und nicht zu den Ärmsten auf die Straße verbannt zu werden. Denn was kosteten die vielen Kriege und Schlachten, die außerhalb der festen Mauern geführt wurden an Menschenleben! Wie ist der Boden aller Länder von Blut getränkt, von Knochen durchädert. Und dann wieder bleibt die letzte Würde für all die Opfer der Jahrtausende in so wunderbaren Kunstwerken erhalten. Welch ein seltsames Spiel!

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