Category Archives: Tanz & Tanztheater

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Die Wunderkammer, B

Die Bühne ist im Halbdunkel gehalten, von Zeit zu Zeit mit grellem Licht, Scheinwerfern, Neonröhren gezielt und punktuell auf die Tanzszenen ausgerichtet. Die Leuchtkörper heben und senken sich und tauchen und umhüllen die Gruppe, auch vereinzelt wie in der Pyramidenspitze, die sich akrobatisch formiert hat. Die Aufführung beginnt mit einem langen Satz “Prelude of a broken Akkordeons” und einer fast bängstigenden Einbindung des Publikum, dem die Tänzer, wohl auch Tänzerinnen – obwohl hier eher kostümiert und maskenartig Unisex in den schlanken, abstrakten Figuren vorgesehen ist – , ein Ansturm also auf das Publikum, das sich kreischenden, düsteren Tönen und Gesichtern jäh frontal gegenübersieht, ihren aufgerissenen Mündern und geheimnisvollen wilden Gestikulationen.

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Extinction, B

Oder sind diese scheinbar ausgelöschten Wesen nie dagewesen- haben sie keine Spuren hinerlassen wie die Schwärme eleganter Meerestiere, die über die Bühne gleiten und leuchten wie sich verflüchtigenden Gestalten, die zurückkehren in fremde Welten… Was ist wahr und was ist wirklich, fragt sich der Mann im Dunklen, läßt Gott einen Deal zu? Er hat die Jahrszeiten gesichert, noch, kann man sich darauf verlassen? Bleiben Berge, Meere und Erde, kehrt alles zu seinen Ursprüngen zurück?Tänzer knieen um ein zerfallenes Skelett und setzen es wieder zusammen, Kopf, Glieder, Körper, Beine, Arme, Schwanz – wird es, was war es? Alles getanzt in sanften, gleitenden Bewegungen,und wie in einer anderen Welt entsteht eine Sphäre des Geheimnisvollen, so ganz und gar, nicht erschreckend, sondern eher märchenhaft unglaublich…

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Human Design, Tanztage, OL

Von ebensolcher Intensität und Einfühlung ist die Szene, die eine wunderbare Tänzerin mit ihrem Partner, der schwer behindert im Rollstuhl heranfährt, celebriert. Ja, es ist ein Fest der Entfaltung, das hier gezeigt wird und wohl so selten ist, wie eine Auferstehung, ein neues Lebensgefühl…denn der Mann erhebt sich aus dem sicheren Gefährt und versucht, die Partnerin zu erreichen und in ihrem beinahe schon ekstatisch hochgefahrenen Stepptanz zu beruhigen, ihr die Hand zu reichen, ihr nun wieder durch die Berühung eines anderen Menschen zu Sicherheit zu verhelfen. Eine gegenseitige Partnerschaft, wie sie wohl sehr hart erarbeitet wurde, aber mit so großem empathisch-sinnlichen Erfolg, wie ihn keine der von mir gesehenen Compagnien für sich verbuchen konnte.

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Hatched Ensemble, Tanztage OL

Das Beste vielleicht zum Schluß, aber ganz sicher das farbenprächtigste und musikalisch faszinierndste, wie Kostüme und Tanzdarbietung, fremde Musik für Augen und Ohren, aber ein tänzerisches Finale, das uns in seiner Vitalität und Intensität nach anfänglich verordneter Kontemplation erfaßt und begreifbar macht, wie sehr die Frauen auch und für lange Zeit in den afrikansichen Ländern um Würde und Freiheit kämpfen mußten. Die schönen Körper und die starren Gesichter sind in erschreckend stachelige Röcke und maskenartige Mienen verwandelt. Erst am Ende, nachdem diese tolle Truppe sich freigetanzt und zu ihren Wurzeln zurückgefunden hat, blitzen in ihren Augen Schalk und Charme auf.

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Vibes, Tanztage OL

Drei Choreografische Uraufführungen von Alice Topp, So-Yeon Kim-von-der-Beck, Lilit Hakobyan der Ballett Compagie Oldenburg Oldenburgisches Staatstheater, Mai 2025 Musik: Tim Rogers, Frédéric Chopin, Olafur Arnalds, Alice Sara Ott Den Auftakt machte ein reizend unaufgeregtes Boxermatch zwischen Frauen und Männern, wobei die Paare einander offensichtlich nicht verletzten.  Das Stück heißt ja auch “Soft Knocks ” und gibt sich zu der Musik von Tim Rogers  ausgesprochen friedfertig. Die Ringrichter steigen am Ende selbst in den Ring und tanzen so vorzüglich, das man

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Made in Oslo, Tanztage OL

Ungewöhnlich schon das Bühnenbild: Stellwände, vielleicht Häuserwände symbolisch, die sich schnell versetzen lassen, inmitten eine rechteckige, wechselnd ausgeleuchtete teppichartige Fläche, auf der sich die Begegnungen der jungen Leute zu persönlichen Geschichten entfalten; sehr bizarre Körperhaltungen und Gesten, die sich in verwirrenden Auseinandersetzungen verstricken, scheinbare Trennungen suggerieren, dann wieder erneute Begegnungen arrangieren, Lebenssituationen ein- und ausblenden, so wird es von der Kompani selbst beschrieben, die wohl phasenweise alles mit durchgemacht und erlebt hat, bis sie sich 2018 für die Auflösung ihres Ensembles entscheiden mußten.

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