Category Archives: Oper/ Musiktheater

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Imagine, HB

Imagine ist die großartige Hommage an eine einzigartige musikalische Epoche mit John Lennon und Yoko Ono – zwei ungewöhnlichen Persönlichkeiten, die sich in einer hoch explosiven politischen Ära in einer Friedensbewegung exponierten, die so hilflos, so rührend war und so wütend machte, dass aus einer hoffnungsfrohen eine sich verlierende Generation werden musste. Ihre Gefühle und Hoffnungen, ihre Sehnsüchte und Enttäuschungen spiegeln sich in der Vielfalt der songs dieses Künstlerpaares mit großer Innigkeit wider.
Welch ein Geschenk für das Bremer Theater, dass John Lennon für dessen Generaldirektor Yoel Gamzou “eines der größten musikalischen Vorbilder” darstellt, und dieser nun mit dem Lazarus- Regisseur Tom Ryser eine spannende und liebevolle, auch ein bisschen sentimentale Hommage mit eigens arrangierten Songs für Gesang, Band und Orchester einstudiert hat – auf einer mit Orchester und Chor eingerichteten Bühne unter einem Sternenhimmel, der natürlich „Imagine“ spiegelt: „Stell dir vor, es gibt keinen Himmel/ das fällt ganz leicht, wenn man es versucht/ unter uns keine Hölle, über uns nur Luft“.

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Die Zauberflöte, HB

Damit diese Oper auch für Kinder schnell erfassbar sein soll, hat sich die Regie diesmal einen durch das Stück führenden Sprecher (Herbert Baum) ausgedacht, der den Hergang der Handlung kommentiert, auch eingreift und mitspielt, diesmal sogar den Papageno, weil Luis Olivares Sandoval erkrankt war und Dominic Große aus Frankfurt erst am Morgen der Premiere in die Rolle als Papageno eingeführt werden konnte. Ob ein Entertainer eine glückliche Idee ist, werden wohl erst die Reaktionen des Publikums in den nächsten Vorstellungen ergeben. Das ist überhaupt das auch hier nicht gelöste Problem: ein in seiner Zeit, den Aufbruch und Umbruch in eine neue, freiheitlichere Gesellschaft ankündigendes Kunstwerk aus seinem Kontext neu zu deuten, um eine mögliche psychologische Grundaussage zu transponieren – kann glücken als Versuch im übereinstimmenden Rahmen von Musik und Handlung. Aber die Leichtigkeit des musikalischen Initiationsspiels wird im zweiten Teil gnadenlos auf eine bisher eher verdeckte sozio-psychologische Ebene des Generationenkonflikts übertragen.

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Die Briefe des van Gogh

Den dahinfließenden Strom wechselnder Gefühle und Spannungen greift die Musik in unprätentiöser Form auf. Um die Dramatik zu veranschaulichen, bedarf die Komposition keiner extremen Effekte, sondern versteht sich – mit romantischen Einschüben – als Vermittlerin, die dem Erzählrhythmus folgt, ihn begleitet und kommentiert. Das allein wäre schon ausreichend, um eine wundersame impressionistische Verschmelzung von farbiger Erzähl- und Tonkunst zu erleben. Das Leben Vincent van Gogh’, zwischen Hunger und Existenznot, zwischen höchster bildhafter Perfektion und wahnhafter Verzweiflung,´aus den Briefen zwischen Vincent und seinem Bruder Theo zusammengestellt, ist zu einer kunstvollen kleinen Kammeroper geworden.

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Der Bajazzo (Pagliacci), HB

Diesem Bajazzo ist nicht zum Lachen. Seine untreue Gattin spielt die gleiche Rolle hinter wie vor der Bühne, vergnügt sich mit verschiedenen Liebhabern, reizt ihren Mann aufs Äußérste bis er dem Theater schließlich ein Ende bereitet. So ist es, Schluß, aus, vorbei,die Komödie genauso wie das wahre Leben der kleinen Theatertruppe. Das ist alles sehr bunt und stimmstark inszeniert bis sich die Phantasie in eine Bildhaftigkeit verrennt, die nur wenig über die Darsteller, über ihr Gefühsleben, ihren Abschied aussagt, schwer zu deuten ist. Die Inszenierung bleibt trotz aller Bemühungen um eine einfallsreiche Choreografie seltsam entfremdet.

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Les Boréades, OL

Wegen großer Nachfrage Zusatzvorstellungen am 8.und 9. Januar 2022

Theater par excellance: ein Saisonauftakt, der grandios gelungen ist: mit gewaltigem Theaterdonner, mit tollen Tänzern, mit hinreißenden Sängern, einem absolut stimmig einfühlsamen Orchester, mit Bühnenbildern, die für Überaschung sorgen und von Phantasie zeugen, Kostümen, deren Eleganz und Vielfalt das theatralische Geschehen aufnehmen und wiedergeben. Was soll man mehr bewundern nach dreistündiger konzentierter HIngabe und immer wieder neuen Regie- Überraschungen: wie selbstverständlich Mystik und Klassik mit der aktuellen Philosophie der Aufklärung, dem aufbrechenden Widerstand eines lange unterdrückten Volkes verwoben ist, wie brutal sich die Macht der Tyrannen, des Adels sich hier offenbart, wie ohnmächtig ein Volk scheint, solange es sich nicht Widerstand wagt. Wie machtvoll die Liebe ist, die über sich selbst hinauswächst. Oder /Und letztlich doch den Mut des 80jährigen Komponisten, 25 Jahre vor der französischen Revolution dies fein verpackte Widerstandsepos in Märchenform vorzustellen. Doch er wurde abgestraft, das Werk durfte zu seiner Zeit nicht aufgeführt werden.

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Die letzten fünf Jahre, OL

Ein sehr ungleiches Paar verliebt sich und verläßt einander bereits nach fünf Jahren voller Enttäuschung mit großer Trauer. Ein Kammermusical, das eine adäquate Darstellung mit zwei ausdrucksstarken Darstellern erlebt: Martyna Cymerman und Paul Brady gleiten hier auf einer einsamen New Yorker Straßen-Bühne unter den heftigen Rhythmen einer modernen Musical-Band auf den Irrweg einer ungleichen Partnerschaft.

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