Satyagraha, OL
Eine einfallsreich gestaltete Bühnenausstattung (angedeutete Wälder, Wände, Barrieren aus Bambusstangen) und eine kongruente Handlungschoreografie lassen die Inszenierung mit ihren philosophischen und religiösen Texten, die leider nicht immer glücklich übersetzt sind, nach und nach in die tieferen Dimensionen gleiten und das zuweilen alle Religionen verbindende Wertesystem der Bhagavad Gita transparent werden. Die nachhaltig wirkende “Minimal-Musik” des amerikanischen Komponisten, der dieses Werk erstmalig 1980 an der Oper Stuttgart aufführte, unterstreicht in tiefen, weiten dunklen Wellen mit an-und abschwellendem, nur scheinbar gleichtönig wirkendem Klang die Worte und Werte des golden glänzenden Prinzen Arjuna und des blauhäutigen Gottes Krishna, die als Maßstab für das richtige ethische Handeln eines vorbildlichen Herrschers gelten. Der hier spielerisch und musikalisch eindruckvoll in den Vordergrund gestellte Chor erscheint in den folgenden Bildern als graue Anzug- und Kostümgesellschaft, eben farb- und phantasielos, gnadenlos herrschend und hemmungslos konsumorientiert. Der Gewaltlosigkeit predigende und als Menschen-und Weltverbesserer ebenso verehrte wie gescheiterte Mahatma Gandhi steht hier noch als junger Anwalt fassungslos allen Ungerechtigkeiten der südafrikanischen Gesellschaft gegenüber.