Category Archives: Oper/ Musiktheater

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Falstaff, OL

Alles ist auf Jagen ausgerichtet: Der liebestolle Sir John Falstaff, Ehemänner, Ehefrauen, Jungverliebte – jeder verfolgt hier jeden, die einen aus Übermut, die anderen aus Liebe oder Eifersucht, und alle erhalten zum Schluß, was sie verdienen. Das Orchester gibt dem Ganzen Tempo und Vitalität und läßt keinen Zweifel an der Interpretation des Regisseurs, der Verdis Komödie auch als solche inszeniert. Man muß sich diesmal an einen Falstaff gewöhnen, der eher einem Don Juan ähnelt als einem frivol-fetten Tunichtgut, der angemessen an der Nase herumgeführt wird. Das Fazit, es gibt keine wirklich dicken Baritone. Und das ist doch auch gut so oder?

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Anna Karenina, HB

Video-Aufzeichnungen dienen der Transparenz der Erzählung, die währenddessen auf der Bühne dargestellt wird, also als erweiterter Hintergrund und der Intensivierung der Wahrnehmung des Bühnengeschehens. Die Frage ist nur, ob dies immer und überall sinn- und wirkungsreich ist. Für diese vor allem von hervorragenden Sängern und einer stimmigen Choreografie getragene Inszenierung ist die hohe, auf hölzernen Stelzen in den Vordergrund gerückte Leinwand wohl auch bühnentechnisch wichtig, um damit die historische Differenz zwischen Tolstois Roman und seiner Umsetzung in eine zeitübergreifende Ebene zu projiizieren: Die schöne junge Anna nämlich verliebt sich nach neujähriger Ehe leidenschaftlich in den Grafen Wronsky, mit dem sie ein neues Leben beginnt. Ihr neunjähriger Junge wird nach der Scheidung dem Ehemann zugesprochen. Das scheinbare Glück ist jedoch so zerbrechlich wie Glas und steht im Zentrum einer gesellschaftlich umfassenden Tragödie: denn auch die beiden anderen Paare in diesem Epos können nicht miteinander glücklich werden. Die seelischen und realen Gründe können jedoch in der Bühnenversion nicht transparent gemacht werden.

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Herkules, OL

Nach klassischem Vorbild noch eng verbunden mit den alten Göttern und einer archaischen Heldenverehrung entstand ein bewegendes musikalisches Spiel in einer opulenten und beinahe modern beschwingten Bild- und Klangfolge. Die Liebenden, verstrickt in allzu menschliche Gefühle, getrieben von Liebe, Leidenschaft, Eifersucht und Rache, werden nicht Opfer der Götterwillkür, sondern – nach dem Vorbild der “Trachierinnen” von Sophokles und den “Metamorphosen” von Ovid – erliegen dem Wahn ihrer eigenen tragischen Blindheit.

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Hair, HB

Wer guten Willens ist, wird auch dieser Inszenierung des legendären Musicals der Flower- und Power-Generation Einiges abgewinnen können und vielleicht zaghaft am Ende den Rhythmus mitklatschen. Aber die originalen musikalischen Top-Arrangements und mitreißenden Songteste verblassen in einer beliebig zwischen Müll und Möchtegern-Hippieritualen herumirrenden und tobenden Tanz- und Trotzgemeinschaft, und auch die eingeblendeten Videos von alternativen Wohn- und Lebensräumen verschiedener Bremer Bürger bringen weder kritischen Zeitgeist noch bleibende Brisanz in die Aufführung.

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Albert Herring, OL

Blick ins Gruselkabinett einer scheinheiligen Gesellschaft, wie es sie nicht nur um 1900 in England gab, sondern wie sie in vielerlei Formen und Schichten, vor allem in anderen Ländern, noch heute existiert. Moral als Mittel zur Macht – schon Oscar Wilde entlarvte die Society seiner Zeit als moralinsauer, verlogen und bigott; Er mußte bitter für seinen Hohn büßen. Benjamin Britten verpackte seine scharfe Beobachtungsgabe und feingeistige Kritik in den aufregenden Kompositionen seiner Opern. Das Staatstheater Oldenburg hat nun eine bewundernswerte Inszenierung für die Kammeroper “Albert Herring” auf die Bühne gestellt – mit maskenartig starren Charakteren der alten Ordnung und deren jugendlichem Gegenpol, der leidenschaftlich gegen Zwang, Willkür und moralinsaure Mogelpackungen aufbegehrt.

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Eugen Onegin OL

Wer vor dem kleinen Glück flieht, um das große in seinem Leben zu suchen, wird oft bitter enttäuscht und arg gebeutelt werden. Ein Schicksal, dass verbunden mit der russischen Mentalität, immer wieder Dichter, Dramatiker und Komponisten umtrieb und zu immer wieder neuen, wunderbar zeitlosen Dramen inspiriert hat. In der Oldenburger Inszenierung wird das Schicksal von Eugen Onegin, dem ins Leben strebenden und vor der Liebe flüchtenden jungen Mann und einem zwischen Traum und Wirklichkeit taumelnden jungen Mädchen mit vibrierender, doch niemals sentimenaler Sehnsucht erzählt.

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