Category Archives: Oper/ Musiktheater

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Die Walküre, OL

Der zweite Teil der in Oldenburg in vier Abende aufgeteilten mythischen Sagenwelt um Liebe und Macht und Gold und Tod und Untergang der Götter ist von mächtiger Dynamik, spannend, aufwirbeln, beunruhigend. Anfang und Ende bleiben in lebhaftester Erinnerung; denn so wie das Unheil sich bereits ankündigt, sobald der Fremdling Siegmund in der Waldhütte auf seine vor langer Zeit entschwundene Zwillingschwester Sieglinde trifft und beide in großer Liebe zueinander entbrennen, so nimmt das irdische Drama seinen Lauf bis in die Götterhimmel hinein; denn Wotan ist an all dem natürlich nicht schuldlos. Aber sein Disput mit seiner Lieblingswalküre Brünnhilde, die er für immer und ewig auf den vom Feuer umloderten Felsen verbannen wird, zeigt eine weite Dimension von Verfehlungen und Feinheiten der menschlichen Psyche.

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Das Rheingold,OL

Ein vielversprechender Ring-Auftakt, märchenhaft-verschwommen, vergnüglich bis verstörend; noch ist alles offen, aber mit einigen Akzenten weist die Inszenierung geschickt in die Zukunft der Götter, Halbgötter, Riesen und Zwergenwelt. Spannung durchzieht das Geschehen zwischen Betrug und Mord mit mehreren Tätern und Opfern, die wiederum ewige Rache und Verderben schwören und sich mit allerlei Tricks aus der Schlinge zu helfen versuchen. Eine rustikale holzvertäfelte Drehbühne öffnet sich für oft verschwommene Szenen im Flußbett der Rheintöchter sowie im Götterheim von Wotans Familie und in der düsteren unterirdischen Fabrik der goldschürfenden Schmiedgesellen unter dem Nibelungen Alberich. Kräftige Stimmen gestalten die einfalllsreiche Darstellung mit allen Höhen und Tiefen, was nicht ganz einfach ist, weil das Epos als Erzählung ja keine herkömmlichen opernhaften Spielräume hat. Das große Orchester garantiert einen dynamischen Fortlauf des Geschehens text- und tongenau. Begeisterter Schlußapplaus!A.C.
s. link zur ausführlichen Besprechung.

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Erbarmen, HB

Es ist ein Abend der Tränen und des Trauerns mit einer tief ergreifenden, allen Kummer der Menschheit umfassenden Passionsmusik, die von den Schauspielern mit intensiver Präsenz auf grauer Bühne mit schwarzen Baumskeletten dargeboten wird, und die der große Leipziger Kantor vor 400 Jahren allen Zweiflern in einer grandiosen Uraufführung mit zwei Chören und zwei Orchestern entgegensetzte, die befürchteten, seine Oratorien seien gar zu weltlich, zu opernhaft, zu oberflächlich.
Nur – in den meisten Kirchen geben Passionsmusiken wie diese irgendwie Mut und Hoffnung angesichts der Sonnenstrahlen, die zuweilen durch die bunten Fenster dringen, angesichts der kunstvollen Ausstattung vieler Altäre und Orgeln und angesichts einer erwartungsfrohen Stimmung in Gedanken und im Glauben an eine Beständigkeit des Guten, an eine immer wieder sich erneuernde gerechte, sich erbarmende Menschheit. A.C.

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Cavalleria Rusticana/Pagliacci, OL

Bereits die Overtüre gibt viel Zeit und Raum zur Einstimmung, und variiert zwischen erregten, bis zur Wildheit sich steigernden Szenen und einer zart gebremsten schwermütigen Harmonik. Es gibt keine Erlösung, die diesem Sonntag wohl anstünde. In dieser Spannung braut sich ein leidenschaftliches Spiel zusammen, in dem Ann-Beth Solvang als Santuzza, die um ihre Ehre und ihr Glück betrogene Geliebte von Turiddu, alle Register einer hilflosen, betrogenen Frau zieht. Denn wenigTrost auch findet sie bei Turiddu’s Mutter Lucia, die ebenfalls ahnt, dass ihr Sohn seit seiner Rückkehr aus dem Feld wieder seiner einstigen Geliebten Lola verfallen ist. Seine Leidenschaft ist nicht weniger zermarternd, denn wie würde er sonst die arme Santuzza dermaßen erniedrigen? Blind ignoriert er auch Lolas mächtigen Ehemann. Die Wogen der Eifersucht glätten die zeitweilig zwei Harfen, für himmlische Spärenmusik bekannt, fügen die Harmonie der Sehnsucht und der tiefen Liebe zwischen das Furioso der ekstatischen Racheorgien.

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Rusalka, OL

Vier Stunden, zwei Pausen und keine Note -Minute- zuviel! Ob es an der harmonischen Kongruenz von Sprache und Musik, von Orchester und Darstellung liegt, am lang entbehrten Operngenuss, der endlich, wenn auch nur im gezielt besetzten Theater die hervorragende Inszenierung kennzeichnet, läßt sich vermuten – aber, dass hier das Oldenburger Staatstheater einmal wieder punktgenau beweist, wo seine herausragenden Qualtiäten liegen, ist eindeutig. Hinzu kommt eine romantische Dramatik, eine pointierte, in verschiedene Erzählebenen klar aufgeteilte, zwischen Mystik und realer Wahrnehmung wechselnde theatralisch charakteristische Melodik und Rhythmik. Ein temperamentvolles Spiel voller Effekte, Poesie und Spannung.

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Falstaff, HB

Nach einem atemberaubenden Auftakt spult sich der herbe Rachefeldzug gegen den noch an den Pranger zu stellenden Sir Fallstaff mit Schnelligkeit und Schwung und herbem Charme ab, geführt und gefolgt von einem blitzwachen Orchester, das Verdis Musik so treu bleibt, wie es Ohren und Sinne lieben – rundum ein großer Genuss, zuweilen vom fröhlich verdrehten Spektakel auf den verschiedenen Spielflächen irritiert, teilweise aber auch verwirrt von der auf eine medallionförmige Leinwand über der Bühne übertragenen großformatigen Präsenz der Sänger und Sängerinnen. Das verlangte sicherlich auch von den Darstellern eine doppelte Konzentration auf die musikalische Übereinstimmung mit der szenischen Interaktion. Doch insgesamt ein schmuckvolles Band, das sich hier um eine Gesellschaft windet, die sich erhaben über einen gescheiterten Menschen wähnt und doch selbst so voller Widersprüche und Doppelmoral ist. Dass der bloßgestellte Ritter von der mächtigen Gestalt nicht gar so traurig am Rande stehen bleibt, dafür sorgen köstliche textliche Bonmots (und instrumentale Spiegelungen), die ihm letztlich doch noch jene Würde verleihen, wenn Einsicht in Maßen und Überlebenskunst im Kampf gegen die eigenen Schwächen überwiegen. A.C.

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