Category Archives: Regietheater

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Unterleuten, B/Potsdam

von Juli Zeh, eine Produktion des Hans Otto Theaters, Potsdam Gastspiel im Berliner Schillertheater/Komödie am Kurfürstendamm, 2019 Bearbeitung: Ute Scharfenberg, Regie: Tobias Wellemeyer, Bühne: Alexander Wolf, Kostüm: Ines Burisch, Musik/Sounddesign: Mare Eisenschink mit: Dirk Schoedon, Christoph Hohmann, Juliane Götz, Katrin Hauptmann, Johannes Heinrichs, Rita Feldmeier, Sabine Scholze, Marianna Linden, Roland Kuchenbuch, Esther Agricola, Matthias Zahlbaum, Josip Culjak, Julian Mehne, Jan Kersjes, Arne Lenk, Elisabeth Bellé, Charlotte Hübner, Maria Gohl, Matilda Lindbergh Ein Windpark und seine Folgen Die Potsdamer Inszenierung des

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Die Parallelwelt, B

Eine Simultanaufführung zwischen Berliner Ensemble und Schauspiel Dortmund von Alexander Kerlin, Eva Verena Müller und Kay Voges Berliner Ensemble, Berlin, 2019 Regie: Kay Voges, Dramaturgie: Sibylle Baschung, Alexander Kerlin, Matthias Seier, Bühne: Daniel Roskamp, Kostüme: Mona Ulrich, Bildregie und Lichtdesign: Voxi Bärenklau, Musik: T.D. Finck von Finckenstein mit: Andreas Beck, Stephanie Eidt, Frank Genser, Oliver Kraushaar, Bettina Lieder, Sina Martens, Annika Meier, Peter Moltzen, Eva Maria Müller, Josefin Platt, Owen Peter Read, Uwe Schmieder, Xenia Snagowski, Friederike Tiefenbacher, Merle Wasmuth

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Ruhm, B

von Daniel Kehlmann, Bühnenfassung Erik Schäffler Vagantenbühne Berlin, 2019 Regie: Hajo Förster, Ausstattung Olga Lunow mit: Lisa Marie Becker, Marion Eiskis, Felix Theissen, Urs Fabian Winiger Wenn das Ich verloren geht… Das ist ein teilweise vergnüglich-infames Spiel um die eigene Identität, um Entscheidungen, die ein jeder in seinem Leben zu treffen gezwungen wird, zu Taten, denen oft nichts mehr hinzufügen ist; sie geschehen, sind geschehen und nicht mehr revidierbar. Und dazu ein Marionettenkünstler, ein Dichter, der Schicksale literarisch bearbeitet und

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Der Schimmelreiter, HB

Ein Spiel, das Dramatik aufbaut, nichts an Leid und Traurigkeit ausläßt, wobei sich die Sprachkunst der Dichtung des 19. Jahrhunderts noch mit romantischer Gefühlstiefe verband. Da ist der grausame biblische Anspruch und Ansporn ständiger Gottesfurcht, da ist das Leben hart und entbehrungsreich, voller Ungewisssheit, Angst und Eigensinn. Das alles ist sehr verstörend und beeindruckend inszeniert, und die maskierten Figuren, die bald schnell ihre echten Menschengesichter zeigen, schützen sich gegen Neuerungen, die von Menschen erdacht und berechnet werden, mit einem Panzer aus Glauben und Aberglauben. Der feindlichen Natur, den unvorhersehbaren Sturmfluten begegnen sie mit Blindheit und Fatalismus. Für den Mann, der seiner Zeit voraus, die Zukunft der Menschen mit einem neuen Deich sichern will, gibt es in seiner Dorfgemeinde keinen Rückhalt.

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Eine griechische Trilogie, B

Der Schlüssel steckt im ersten Bild: sechs Frauen auf einer weiß-nebligen Bühne , die irgendwie zusammengehören: Da ist hypercoole Frau, Ärztin, Mutter einer willlosen, sich permanent mißbraucht fühlenden Tochter, deren konfliktgeladene Beziehung rasch aufzeigt, dass Witz und weibliche Solidarität ihre Grenzen haben. Aber auch die anderen Frauen, deren Leben und Schicksale irgendwie alle miteinander verknüpft sind und die allesamt in eine öku-vegane , allerlei Probleme mit- und nach sich ziehende Kommune vor ihren gewalttätigen Männern geflüchtet sind, tragen schwer an psychischen und physischen Wunden, vermeintlicher Schuld und wütender Rache. Eine Frauengemeinschaft, die sich außerhalb der Gesellschaft in behutsam verhaltener Agressivität ein anderes Leben aufbauen will und doch auch hier von seelenlosen Mit-Menschen ebenso gequält wird wie zuvor von ihren nun hilfslosen Männern, die sie eines Tages in ihrem Versteck aufstöbern werden.

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Lazarus, HB

Ein Mann fällt aus dem Himmel auf die Erde. Ein Außerirdischer mit menschlichen Zügen und Eigenschaften, einem überwachen Verstand, doch ohne den Schutz der Erfahrung. Er befindet sich auf einem fremden Planeten, von dem er Wasser schöpfen soll zum Überleben des eigenen Planeten. Aber dieser Mann ist dem mitleidlosen Leben der irdischen Zivilisation nicht gewachsen. Er wird ein Opfer der Macht, deren Gipfel er dank seiner empathischen und telepathischen Einblicke zunächst für sich selbst entdeckt. Er hat Erfolg, wird reich, scheitert aber letztendlich an der mitleidlosen Rücksichtslosigkeit der Gesellschaft. Er verliert alles bis er bitterarm und krank als psychischer Pflegefall im Abseits landet. Die Inszenierung trägt das schwierige Wechselspiel zwischen Wachsein und Wahn mit ruhigen lyrischen, poetischen Augenblicken, die den Mann an ein kurzes Liebesglück in der Vergangenheit erinnern, um dann wieder jäh mit grausamen Halluzinationen zu kämpfen, die der Kranke im Dilirium ertragen muss und der Zuschauer ebenfalls. Denn dieses Leben, das schon lange nicht mehr so bezeichnet werden kann, ist grausam,schmerzvoll, unerträglich, wie die harten Schläge der Beatband. Dass manche der poetischen Liedtexte dabei der musikalischen Unerbittlichkeit zum Opfer fallen, ist bedauerlich. Aber insgesamt ist dies eine anspruchsvolle, phantasievolle und ergreifende Inszenierung mit hoch engagierten Sängern, Tänzern und Schauspielern.

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