Category Archives: Regietheater

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Unwiderstehlich, B

Als Franzose traditionell mit leichtem Sinn für Groteskes und Theatralisches zugleich bedacht, ja soga r noch mit den Geheimnissen des menschlichen Psyche durch den Großvater, einen bekannten Psychiater, vertraut, mixt der 49jährige Fabrice Roger-Lacan seine Gesellschaftsstücke gerne mit tiefer Theatralik und entspanntem Humor. Das ist nicht leicht zu inszenieren, denn der Tanz auf zwei Hochzeiten ist immer problematisch. Und da deutsche Regisseure sich auf den Humor allein nicht verlassen mögen, entscheiden sie sich gerne dafür, einen dramtischen Schwerpunkt zu setzen. Und so zerfallt dieses recht intelligent und spannend eingefädelte Ehe-Liebes-Drama in zwei Teile: höchste Dramatik vor der Pause, Slapstick hernach. Der Schauspieler wegen sehenswert!

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Buddenbrooks, OL

In der Inszenierung überträgt sich die fröstelnde Atmosphäre spannungsgeladen im Fortschreiten des imperialen Untergangs dieser Familie. Die Entwicklung wird in großen Sprüngen vorangetrieben, schließlich will das Jahrhundertwerk Thomas Manns, der in dem 1901 erschienenen Meisterwerk Anleihen an die eigene Familiengeschichte machte, in gut drei Stunden über die Bühne gehen. Beinahe geisterhaft, weder greifbar noch be-greifbar bleibt für den Zuschauer, der ja bereits alles im Voraus weiß oder doch ahnen kann, wie blind diese bemitleidenswerten Menschen ihrem tragischen endenden Weg folgen müssen, weil sie unfähig sind, sich aus den alten Strukturen, dem Gefängnis ihrer Erziehung und den gesellschaftlichen Regeln und Zwängen, zu befreien.

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The Forbidden Zone,B

Dokumentartheater auf mehreren Ebenen: Auf der Bühne wird gespielt und gefilmt, was einst geschah: der Kampf der Chemikerin und Ehefrau Fritz Habers, Clara Immerwahr, um die Ethik von Wissenschaft und Forschung und ihr Freitod; Der Kampf ihrer Enkeltochter nach dem 2.Weltkrieg um Schuld und Sühne und die Forschung zu friedlichen Zwecken. Auch sie schied in ihrer Verzweiflung um die Aussichtslosigkeit einer friedlichen Welt aus dem Leben. Darin in verschiedenen Sequenzen verwoben das Schicksal der Soldaten, die durch den Einsatz des von Haber entwickelten Giftgases im 1.Weltkrieg schrecklich zugrunde gingen. Die Inszenierung ist technisch faszinierend und emotional verstörend. Falls wieder im Spielplan, unbedingt anschauen!

Und als Gegenstück – falls irgendwo auf der Bühne oder im Film zu sehen – ebenfalls sehenswert: “Alfred Nobel und Bertha Suttner- eine Liebe für den Frieden”

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Der Idiot, HB

Das Wesentliche der umfassenden Romanvorlage in einem “nur” dreieinhalbstündigen Schauspiel auf die Bühne zu bringen, ist ein beachtenswertes Unterfangen. Die Schauspieler können die verschiedenen Charaktere weitgehend ausleuchten, wobei der im Mittelpunkt stehende Fürst Myschkin, der den engen Vorstellungen einer auf Vorteil, Geld und Geltung ausgerichteten Gesellschaft in seiner naiven Gutmütigkeit und Ehrlichkeit unangenehme Wahrheiten sagt, als “Idiot” abgetan wird. Gleichwohl suchen alle seine Nähe, um sich unter dem Dach seines Titels und Vermögens als gleichwertig fühlen zu können. Dass Liebe und Tod auch hier die Hauptrollen spielen, könnte zum echten Drama gereichen.

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Ich bin wie Ihr, ich liebe Äpfel, B

Drei Damen, deren Männer die Geschichte als Massen-Mörder in alle Ewigkeit gebrandmarkt hat, steht ein Dolmetscher zur Seite, der nach anfänglicher Überlegenheit mehr und mehr in die Rolle eines bedauernswerten Opfers abgleiten muß angesichts der verflixten Aufgabe, hinter den Worthülsen der Diktatorengattinnen das Ungeheuerliche ihrer Mit-Schuld zu entlarven.
Eine Inszenierung, deren Schausspieler dieses Stück zum neuen Hit der geistreichen Unterhaltung machen. Unbedingt sehenswert!

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Klamms Krieg

Noch immer steht “Klamms Krieg” auf den Spielplänen der Theater – und dieses Stück ist so aktuell wie nie! Leider. Und man könnte und sollte sich fragen, ob denn unsere Gesellschaft nicht endlich aus ihren Fehlern zu lernen bereit ist, warum Bildung gern als schlagkräftiges, werbewirksames Wort von Politikern in eigener Sache benutzt wird, es aber nur Konkurrenzdenken und Feindschaft gebiert. Dresden und Berlin wie alle anderen Städte, die vor beinahe anderthalb Jahrzehnt dieses Bild des unendlichen Klassenkampfes aufgriffen, versuchten mit einer realitätsnahen Inszenierung zu überzeugen. Aber ihr Mühen war, so scheint es, wohl vergebens. Auch richten sich die Aufführungen zumeist nur an die jungen Theaterbesucher – warum eigentlich?

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