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Oreste, HB

Das seltsame Sommerhaus gleicht einer Insel, auf der ein ebenso ängstlicher wie grausamer König Thoas jeden Fremden von seiner ersten Priesterin köpfen läßt, in der Furcht, es könnte der flüchtige Muttermörder Orest sein, von dessen Hand er sterben würde. Nach klassischer Art behält das Orakel immer Recht, gerade dann und weil man sich ihm entgegenstellt.Und so wütet Thoas vergebend gegen die neuen Eindringlinge, droht wie ein Riese über großflimmernde Videos massiv und mit düsterem Blick aus schwarz umränderten Augen, und als er erfährt, dass seine Priesterin ausgerechnet Orest’ Schwester Iphigenie ist und die anderen Fremdlinge ebenfalls gute Freunde, kennt er schon gar kein Pardon mehr. Dass jede Figur wie auf dem Schachbrett hin- und hergeschoben,vom Schicksal herausgefordert und von den Erynnien gnadenlos heimgesucht wird, wird in jeder Note offenbar. Und so wie sie alle ihre Pein und ihre Liebe, ihre Hilflosigkeit und ihre Hoffnung in unglaubliche tonmalerische Vielfalt kleiden, wird jede Wiederholung der schmuckvoll sich windenden Arien zu einer neuen Offenbarung. Ein schlüssiges Gesamtkunstwerk zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Eine bessere, von den Flüchen der Götter befreite Welt, bahnt sich hier allerdings noch nicht an. Denn noch immer ist der Mensch das Werkzeug der Vorhersehung.

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Der Vetter aus Dingsda, OL

Ein kleines Operettenschmankerl nach alter Art, köstlich serviert, ein wenig mehr Oper als Operette, ein Mix aus kleiner Rocky Horror Show, Comedia dell’arte, Volksschwank und dem Bemühen, den alten Gassenschlagern etwas mehr Seriosität einzugeben. Mehr augenzwinkernden Spott, mehr unbefangene Heiterkeit könnte diese Inszenierung noch gut vertragen.

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Emilia Galotti, OL

von Gotthold Ephraim Lessing bürgerliches Trauerspiel in fünf Aufzügen, Uraufführung am 13.3. 1772 Oldenburgisches Staatstheater, 2012  Regie: Julia Wissert, Bühne und Kostüme: Sandra Materia, Musik: Arthur Mróz, Licht: Ernst Engel, Dramaturgie: Daphne Ebner Emilia Galotti: Magdalena Höfner, Prinz von Guastalla: Johannes Lange, Claudia Galotti: Nientje Schwabe, Odoardo Galotti: Thomas Ziesch, Graf Appiani: Raijko Geith, Marinelli: Pirmin Sedlmair, Gräfin Orsina: Diana Ebert, Angelo: Yassin Trabelis, Camillo: Sven Daniel Bühler.    Emilia Galotti – der Ehre geopfert   Was, so fragt man

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La Dame Blanche, OL

Eine beinahe vergessenes Kleinod der französischen Opera comique mit dem Sujet einer opera mystique verbunden, das auf Gruselgeschichten des beginnenden 19. Jahrhunderts basiert und – nun lyrisch und romantisch verpackt- von einem spielfreudigen Ensemble mit großer Hingabe auf der Bühne des Oldenburgischen Staatstheaters gesungen und gespielt wird. Ein opulenter musikalischer Abend. Von der jungen Regisseurin Nadja Loschky mit Humor und Phantasie klug eingerichtet, so dass Operetten- wie Opernfreunde gleichermaßen auf ihre Kosten kommen. Übrigens gibt es auch eine einheimische Version des weltweit verbreiteten Märchens von der geheimnisvollen Frau in Weiß. Sie soll der Sage nach in unseren Osenbergen herumgeistern…

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Unwiderstehlich, B

Als Franzose traditionell mit leichtem Sinn für Groteskes und Theatralisches zugleich bedacht, ja soga r noch mit den Geheimnissen des menschlichen Psyche durch den Großvater, einen bekannten Psychiater, vertraut, mixt der 49jährige Fabrice Roger-Lacan seine Gesellschaftsstücke gerne mit tiefer Theatralik und entspanntem Humor. Das ist nicht leicht zu inszenieren, denn der Tanz auf zwei Hochzeiten ist immer problematisch. Und da deutsche Regisseure sich auf den Humor allein nicht verlassen mögen, entscheiden sie sich gerne dafür, einen dramtischen Schwerpunkt zu setzen. Und so zerfallt dieses recht intelligent und spannend eingefädelte Ehe-Liebes-Drama in zwei Teile: höchste Dramatik vor der Pause, Slapstick hernach. Der Schauspieler wegen sehenswert!

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Carmen, HB

Es hätte ein Neuanfang fern aller überstrapazierten Folklore und Zigeunerromantik werden können, wenn auch nur annähernd die verdeckte Glut, das Feuer dieser Frau, von der wohl alle Männer träumen, auf das Publikum übergesprungen wäre, José nicht als leider etwas neben sich stehender, (auch schon reiferer) Mann gar zu tumb gewirkt und das Bühnenambiente nicht gar so sehr den Charme alter DDR-Gasthäuser verströmt hätte. Aber die begeisterten Zuschauer bescheinigten der Inszenierung den Versuch, das Dämonische der gleichsam männervernichtenden wie leidenschaftlich liebenden Frau mit steifer Bürgerlichkeit in einem einzigen Bühnenbild zu vereinen. Ob das genügt?

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