Tosca,B

Giacomo Puccini (1858-1924)
Melodrama in drei Akten
Libretto von Guiseppe Giacosa und Luigi Illica
Nach dem Drama “La Toska” von Victorien Sardou

Deutsche Oper Berlin. Am 23.April 2026 gab es die 430. Vorstellung seit der Premiere am 13.April 1969 vor ausverkauftem Haus unter großem Jubel und Szenenbeifall. 

Musikalische Leitung : Giampaolo Bisanti, Inszenierung : Boleslaw Barlog, Bühne und Kostüme: Filippo Sanjust, Spielleitung : Gerline Pelkowski, Chor: Thomas Richter, Kinderchor: Christian Lindhorst

Mit: Anastasia Bartoli als Fiora Toska, Freddie di Tommaso als Mario Cavaradossi, Amartuvshin Enkhbat als Scarpia, Volodymyr Morozov als Angelotti, Padraic Rowan als Mesner, Jörg Schöner als Spoletta, Jared Werlein als Sciarrone, Benjamin Dickerson als ein Schließer, Minou Suhana Mirhaj als ein Hirte, Orchester, Chor, Kinderchor und Statisterie der Deutschen Oper

 

Was soll man dazu noch Neues sagen: Inszenierungen sind seit Barlog unverändert, das Bühnenbild ebenso alt wie verstaubt und langweilig – weil unter “Denkmalsschutz”, die hochgepeitschte Notatur ein Spiegel gnadenlosen Machtmißbrauchs und sich aufopfernden Freiheitskämpfern, die Anforderungen an Dirigent, Orchester, Sänger und Darsteller ebenso unverändert anspruchsvoll wie im Jahr 1900. Alle großen Sängerinnen und Sänger haben sich in diesen vier rasenden Rollen Lob und bleibenden Ruhm verdient, Namen leuchteten wie Sterne am Opernhimmel, Ereignisse aller skurrilen und von aparten Zufällen begleiteten Aufführungen sind in der Berliner Historie verankert. Doch es gibt wohl heutzutage nicht mehr so viel nette Geschichchen am Rande der bizarren Künstlerwelt wie einst, die Zeiten sind härter und anstrengender geworden, die Künstler jetten von einem Theater zum anderen, festigen ihren Ruhm und Wert solange sie jung und neu und interessant sind und ihre Stimme noch leuchtet und mit vitalem Timbre das verwöhnte Publikum in seinen Bann schlägt. Doch immer wieder tauchen glücklicherweise neue Stars aus der immer näher rückenden Welt auf, die es mit diesen Wettkampf im Duell der großen Dramatiker aufnehmen wollen und können.

Eine tiefe Verbeugung aller Gäste diesmal für den vitalen Tenor Freddi di Tomaso, der so voller Leidenschaft und Inbrunst bereits seine Auftaktsarie schmetterte und kräftigen ersten Szenenapplaus erhielt. Da wußte man, was kommen würde: ein faszinierend präsenter charakterstarker Cavaradossi, der sich nicht als gefügiger milder Maler, sondern als selbstbewußter Römer und konsequenter Kämpfer für die Freiheit Roms darstellt so wie seine starke und mutige Geliebte Fiora Tosca sich als Künstlerin zwischen rasender Eifersucht und mutiger Entscheidung ihren Platz in diesem politischen und menschlichen Drama assoluta erobert. Anastasia Bartoli ist übrigens nicht mit der gleichnamigen Sängerin verwandt, sondern die Tochter von Cecilia Gasdia, der derzeitgen Direttore Artistico der Arena di Verona. Anastasias Stimme gäbe auch der Arena ein starkes Klangvolumen.

Und das sei überhaupt von Anfang an bemerkt: die orkanartige Gewalt des Orchester hemmt nicht einen Augenblick die Kraft der Stimmen, die mühelos ihren Part durch alle Höhen und Tiefen dieser heißblütig kämpfenden wie wahnhaft vernichtenden Männer verteidigen. Zu der Person des unerbittlichen Polizeichefs auf der Engelsburg, Baron Scarpia, ist mit der Wahl von Amatuvshin Enkhba eine scharfe, hinterhältig freundliche, doch dunkel-gefährliche Figur der Gewalt gelungen. Irgendwie sind solche Typen wohl eher laut und gewalttäig, um ihre Unsicherheit zu verbergen. Und dieser Scarpia fürchtet ja wohl nichts mehr als den kleinen Napoleon, der gerade vor den Toren Roms aufmarschiert und Leute wie den Maler und dessen Freund Angelotti zum Aufstand ermutigt hat.

Und da sich der Polizeichef auf die schöne Geliebte des Aufrührers Cavaradossi fokussiert hat und glaubt, die Frau zur Verräterin und sich gefügig machen zu können, um den Maler vor Folter und Tod zu retten, wird er diese Blindheit für weibliche Verzweiflung und Tapferkeit mit dem Tode bezahlen. Ganz so furios allerdings ist diese Szene in dieser Aufführung dann leider nicht, die wohl unübertroffen mit Maria Callas und Tito Gobbi filmreif für immer festgehalten ist. Dafür gleicht der dritte und letzte Akt, als Tosca und ihr Geliebter sich von Scarpio betrogen sehen – , obgleich Scarpia Tosca einen Befehlt zur Scheinhinrichtung schriftlich gegeben hatte -, einem besinnlichen Requiem. In beider naivem Glauben an dies Versprechen entfaltet sich ein so schönes gesangliches Zukunftssehnen voller Zärtlichkeit und Hoffnung, dass man die Härte aller vorherigen Geschehnisse beinahe vergessen könnte. Da glimmt etwas auf, was der Oper neben ihrer Wucht und Wut den Schimmer einer unendlch währenden Liebe zwar nicht in der hier nicht akzeptablen kirchlichen Gegenwart, wohl aber in ewiger christlicher Gnade gewährt. Ein großer Beifall auch für den temperamentvoll wie emotional packend führenden Dirigenten Bisanti und sein vorzügliches Orchester der Deutschen Oper Berlin. A.C.

1 Ah! Finalmente! (1. Akt)
2 Dammi i colori…Recondita armonia
3 Gente là dentro!
4 Mario! Mario! Mario!
5 Ah, quegli occhi… Quale occhio al mondo può star di paro
6 E buona la mia Tosca
7 Un tal baccano in chiesa!
8 Or tutto è chiaro…Tosca? Che non mi veda… Mario! Mario!
9 Ed io venivo a lui tutta dogliosa
10 Tre sbirri, una carozza

1 Tosca è un buon falco! (2. Akt)
2 Ha più forte
3 Meno male!
4 Dov’è dunque Angelotti?
5 Ed or fra noi parliam da buoni amici…Sciarrone, che dice il Cavalier?
6 Orsù, Tosca, parlate
7 Nel pozzo… nel giardino
8 Se la giurata fede debbo tradir
9 Vissi d’arte
10 Vedi, le man giunte io stendo a te!
11 E qual via scegliete?
12 Io de’ sospiri (3. Akt)
13 Mario Cavaradossi? A voi
14 E lucevan le stelle
15 Ah! Franchigia a Floria Tosca
16 O dolci mani mansuete e pure
17 E non giungono
18 Com’è lunga l’attesa!
19 Presto! Su, Mario! Mario! Su! Presto! Andiam!

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