Monthly Archives: März 2026

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Die Marquise von O.und – B

Der theatralische Kniff, den Kleist sich als guter Dramatiker um die Wirkungs der Ereignisse wissend erlaubt, ist großartig. Denn als der Graf als damaliger Offizier die Dame einst im Feuer der Festung in Sicherheit vor einer Horde marodierender Soldaten in Sicherheit brachte und – wohl ihrem Reiz ebenso unkontrolliert wie unmoralisch unmittelbar erlag – und sie in den Schwangerschaftszustand versetzte, hatte ja viel Ehre auf dem Schlachtfeld wohl erlangt, aber für sich selbst in seiner erwachten Schuldigkeit alle Hoffnung verloren, diese Tat wieder gutmachen zu können. Als er sich stellen will, wird er nicht einmal angehört und als Bewerber akzeptiert. Welch ein Hohn, welch glänzende Rache, welche Selbstbewußtsein einer Frau vor 200 Jahren! Allerdings sollte man hier nicht die Tatsache außer Acht lassen, dass es adeligen Frauen selten an Selbstachtung ermangelte!
Das hätte m.E. den Kern dieser inszenierung ausmachen sollen: die Heldin, die sich weigert, Gnade anzunehmen!

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Lady Macbeth von Mzensk,B

Eine graue Wand, ein grauer Boden, ein großes Bett, spartanischer geht es nicht, und das ist genau die Atmosphäre jener Tage der tristen Daseins von ausgebeuteten Leibeigenen, kleinen Leuten und versklavten Frauen und Ehefrauen. Das ist die Welt, die Stalin nicht ertragen konnte, weil er sie nach seiner Utopie ändern wollte, sie aber nach und nach mit Todesurteilen, Verbannungen und Verboten vollends zestörte. Als Schostakovitsch die “Lady” komponierte, war er vielleicht zu jung und naiv, obwohl gerade seine 1930 uraufgeführte urkomische “Nase” nach Gogol wohl erfolgreich, aber nicht unkritisiert geblieben war und bereits das Stigma des Formalismus und der bürgerlichen Dekadenz trug, er war gerade 24 Jahre alt, frisch verheiratet und wahrscheinlich ziemlich verliebt. Denn dass diese bombastische, explosive, dramatisch vernichtende wie erotisch aufflammende Musik einen dermaßen lebensverneinenden Despoten wie Stalin nicht begeistern würde, hätte er wissen müssen. Und so komponierte und inszenierte er in sein lebenslanges Unglück direkt hinein.

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Die Gehaltserhöhung, B

Der französische Autor hat ein charmantes Dramulett daraus gemacht und es einem einzelnen Schauspieler ans Herz und auf die Zunge gelegt, die Leiden eines treuen, schüchternen Angestellten aufzuzeigen, der in verschiedenen Anläufen schweißtreibend, mal ermutigt, meistens aber entmutigt, sich letzendlich doch nicht mit schönen Phrasen vertrösten und abspeisen läßt und den sich allmächtig gebärdenden Abteilungsleiter, nachdem er ihn endlich erreicht hat und ihm seine Bitte mühsam stotternd angetragen hat, nicht aus der Verantwortung läßt. Immer wieder versucht er mit harten, enervierenden Anläufen, vorbei an der stupiden Sekretärn, die stoisch tippend am Vorzimmerpult ihr Dasein emotionslos fristet, zum unerreichbaren Abteilungsleitergott durchzukommen – aber der Weg ist weit und beschwerlich.