Die Hugenotten, B
Als sich Raoul, der Hugenottenführer, hoffnungsfroh und gleichsam naiv in die Höhle offensichtlich allein Weib und Gesang zugetanen adeligen Salonlöwen begibt, in der Illusion, von ihnen Verständnis für die Situation seiner Leute zu erhalten, wird er lediglich zum vergnüglichen Objekt ihrer degenerierten Frivolität. Und während er von ihnen aufgefordert wird, ein Liebesabenteuer aus seinem Leben zu erzählen, und nun zum ersten Mal an diesem Abend Juan Diego Flórez mit einer hingebungsvollen Liebeserklärung an eine schöne Unbekannte seinen Ruf als Startenor verteidigt, warnt ihn jäh sein alter und treuer Kriegs- und Kampfgefährte Marcel vor Papisten und trügerischen Frauenherzen. Keiner nimmt ihn ernst, doch Ante Jercunica läßt als großer asketischer, unheimlicher Gast keinen Zweifel an seinem abgrundtiefen Hass, der sich in einem voluminösen Bass in den wegweisenden Szenen warnend wiederspiegelt. Hier steht ein unversöhnlicher Feind der bigotten Gesellschaft. Aber diese wird erst hundert Jahre später untergehen. In dieser historischen Phase werden es die Hugenotten sein, deren Schicksal hier in einem epischen Drama in vielen Facetten auf die Bühne der Deutschen Oper bewegend nachempfunden wird.