Author Archives: A. Cromme

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Klamms Krieg

Noch immer steht “Klamms Krieg” auf den Spielplänen der Theater – und dieses Stück ist so aktuell wie nie! Leider. Und man könnte und sollte sich fragen, ob denn unsere Gesellschaft nicht endlich aus ihren Fehlern zu lernen bereit ist, warum Bildung gern als schlagkräftiges, werbewirksames Wort von Politikern in eigener Sache benutzt wird, es aber nur Konkurrenzdenken und Feindschaft gebiert. Dresden und Berlin wie alle anderen Städte, die vor beinahe anderthalb Jahrzehnt dieses Bild des unendlichen Klassenkampfes aufgriffen, versuchten mit einer realitätsnahen Inszenierung zu überzeugen. Aber ihr Mühen war, so scheint es, wohl vergebens. Auch richten sich die Aufführungen zumeist nur an die jungen Theaterbesucher – warum eigentlich?

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Maria Stuart, HB

In einem Sackkissen versteckt, bildet eine körperlose Stimme den Aufakt dieser Inszenierung, dann werden Kopf und Arme sichtbar, die aus dem Kissen ragen, und ein Text des Science-Fiction-Autors Ken MacLoad über Materie, Kraft und Raum und Zeit wird kundgetan, der ein bißchen nach Macchiavell klingt: in dem eine Welt beschrieben wird, in der “Macht Freiheit schafft” und alles Tun im eigenen Interesse liegen müsse, wenn man überleben wolle. Nur, wenn sich die Interessen mit denen der anderen decken, könne es zur Zusammenarbeit kommen. Dafür müsse man sich aber verbünden und zuweilen auch gegeneinander kämpfen.

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Hair, HB

Wer guten Willens ist, wird auch dieser Inszenierung des legendären Musicals der Flower- und Power-Generation Einiges abgewinnen können und vielleicht zaghaft am Ende den Rhythmus mitklatschen. Aber die originalen musikalischen Top-Arrangements und mitreißenden Songteste verblassen in einer beliebig zwischen Müll und Möchtegern-Hippieritualen herumirrenden und tobenden Tanz- und Trotzgemeinschaft, und auch die eingeblendeten Videos von alternativen Wohn- und Lebensräumen verschiedener Bremer Bürger bringen weder kritischen Zeitgeist noch bleibende Brisanz in die Aufführung.

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Albert Herring, OL

Blick ins Gruselkabinett einer scheinheiligen Gesellschaft, wie es sie nicht nur um 1900 in England gab, sondern wie sie in vielerlei Formen und Schichten, vor allem in anderen Ländern, noch heute existiert. Moral als Mittel zur Macht – schon Oscar Wilde entlarvte die Society seiner Zeit als moralinsauer, verlogen und bigott; Er mußte bitter für seinen Hohn büßen. Benjamin Britten verpackte seine scharfe Beobachtungsgabe und feingeistige Kritik in den aufregenden Kompositionen seiner Opern. Das Staatstheater Oldenburg hat nun eine bewundernswerte Inszenierung für die Kammeroper “Albert Herring” auf die Bühne gestellt – mit maskenartig starren Charakteren der alten Ordnung und deren jugendlichem Gegenpol, der leidenschaftlich gegen Zwang, Willkür und moralinsaure Mogelpackungen aufbegehrt.

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Eugen Onegin OL

Wer vor dem kleinen Glück flieht, um das große in seinem Leben zu suchen, wird oft bitter enttäuscht und arg gebeutelt werden. Ein Schicksal, dass verbunden mit der russischen Mentalität, immer wieder Dichter, Dramatiker und Komponisten umtrieb und zu immer wieder neuen, wunderbar zeitlosen Dramen inspiriert hat. In der Oldenburger Inszenierung wird das Schicksal von Eugen Onegin, dem ins Leben strebenden und vor der Liebe flüchtenden jungen Mann und einem zwischen Traum und Wirklichkeit taumelnden jungen Mädchen mit vibrierender, doch niemals sentimenaler Sehnsucht erzählt.

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Herkunft, HB

Das Leben scheint eine kalte würgende Kette ohne Ende zu sein.

Was uns in dieser Romanadaption so bedrückend und eindringlich nachfolgt, ist die Qualität der Schauspieler, die so voller Vitalität, voller Temperament, Liebes- und Leidensfähigkeit sind, dass sie ihren Autor Lügen strafen. Ihre Protagonisten, die sie in wechselnden Rollen darstellen, sind lebendige, liebenswerte Menschen, die jedoch an den Aufgaben ihres persönlichen Schicksals in drei Generationen scheitern.

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