Author Archives: A. Cromme

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Woyzeck, OL

„Das Stück handelt von Wahnsinn, Kindern, Obsession und Mord – von allem, was uns interessiert.“ (Tom Waits) — Ein Mann läuft durch seinen eigenen Albtraum. Er hetzt von einem Job zum nächsten, wird Objekt scheinwissenschaftlicher Experimente und verliert auch den letzten Halt: die Frau, die er liebt und ihr gemeinsames Kind. Zu sehen ist eine Kreatur, die sich selbst nicht mehr greifen kann, immer tiefer in eine Traumwelt abgleitet. „Jeder Mensch ist ein Abgrund, es schwindelt einem, wenn man hinabsieht.“ Für diesen Mann, der weiter rennt, auch wenn er schon längst am Ende ist, hat Tom Waits einen melancholisch, düsteren Soundtrack geschrieben. „Misery is the river of the world“ oder „God’s away on business“ heißen die Lieder, die Woyzeck in den Abgrund begleiten.
Mit den poppig-sentimentalen, aber auch ebenso angriffsstarken wie sozialkritisch-poetischen Songs von Waits und Brennan hat Georg Büchners Bearbeitung des Schicksals des Frisörs Johann Christian Woyzeck, der 1821 in einer Wahnvorstellung seine Geliebte ersticht, eine weitere Dimension erhalten.

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Wozzeck

So wie Berg/Honeck es schaffen, die Charaktere musikalisch eindringlich auszuformen und das Geschehen in fast vollzähligen Variationen aller tanztypischen Formen und Klangvorbilder bis hin zum sinfonisch geradezu beängstigenden, bombastischen Schluss beinahe schmerzhaft auf die Musik zu übertragen, so fern bleibt jegliche Sentimentalität, nachdem sich Wozzeck in einem Müllberg von Konservendosen blutig vergraben hat. Irgendwie, so möchte man trotzig meinen, ist er aber auch selber schuld.

Diese Musik wühlt im Innersten auf, bleibt hängen und haften und arbeitet weiter. Was man leider von Jones’ Inszenierung nicht sagen kann.

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Die Nibelungen DT

Was dies Epos so unendlich aktuell macht, was es in seinen Grundfesten nicht erschüttern kann, das sind die elementaren Gefühle der Menschen und die zivilisatorischen Vorgaben, die jeglicher Art von Emotion standhalten müssen, um nicht aufgeweicht zu werden und damit eine Sippe und eine Gesellschaft orientierungslos zu machen. Bereits in archaischen Vorzeiten wussten die Erzähler darum, und Dichter und Komponisten fügten zahlreiche Versionen zu einem theatralischen Ganzen, in dem die Menschen die Konsequenzen ihres Fehl-Verhaltens tragen müssen.

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Der Menschenfeind DT

In der Inszenierung von Andreas Kriegenburg aber nimmt das Kino der Tragikomödie ihren Geist und ihren traurigen durch die nebeneinander her disputierenden, diskutierenden Herren und giftsprühenden Frauen -Judith Hoffmann als überlegen blinzelnde Célimène und Caroline Dietrich als unnötigerweise in den Rollstuhl verbannte Èlimene, geifern mit gräßlich großen roten Mündern und blitzenden Augen gegeneinander – zuviel Gezerre, zu viele Längen und überflüssige Unappetitlichkeiten.
Das tiefere Spiel um Liebe, Ehre, Ehrlichkeit, Würde und Wahrhaftigkeit jedenfalls steht hier nur einsam in den Gesichtern. Die bei Molière beheimateten zeitlosen Lebenswahrheiten und psychologisch faszinierenden Charaktere bleiben oberflächlich und vordergründig.

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La Traviata HB

Und so ist der Inszenierung dem Regisseur Benedikt von Peter und dem Dirigenten Clemens Heil eine liniengrade, von allem Kitsch abgespeckte Neuinterpretation geglückt, die sowohl in Kontrasten als auch in feingliedrigen Strukturen verläuft. Violetta, die Verachtete, die Liebende, die Verzichtende als Märtyrerin, die Eigenliebe in wahre Nächstenliebe verwandelt und beinahe wie eine Heilige ihr Leben opfert, beherrscht die Bühne. Ganz allein zwar, doch eingebettet in die musikalische Obhut des großartigen Orchesters und starker Stimmen im Background.

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