Author Archives: A. Cromme

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Das goldene Vlies

Ein Trauerspiel ohnegleichen, wie es eben nur die Antike hervorbringen konnte. Und heute? Gäbe es da vielleicht irgendeinen Bezug? Eigentlich schon, denn dass eine Frau um einer anderen willen verstoßen wird, man ihr die Kinder nimmt und sie sozusagen in die Gosse wirft, ist, wenn auch nicht mehr in unseren überwiegend christlich-zivilisierten Gesellschaften gemeinhin üblich, aber in vielen anderen Kulturen denkbar… Aber die Inszenierung von David Bösch zeigt weder dieses noch jenes; sie dümpelt wie in einer Flaute durch die aufregende Geschichte; Mit Hilfe eines Rockmusikers (der am meisten Applaus erhält – so tief ist das Publikum getroffen und das Niveau der Inszenierung gesunken!), der zu Beginn irgendetwas verspricht, was dann doch nicht gehalten wird, denn er bleibt fürderhin, nun blutverschmiert als ermordeter Bruder Medeas im Dunkel des Hintergrunds des antiken Dramas.

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Das letzte Feuer, Potsdam

Intendant Tobias Wellemeyer hat sich das schwierige epische Werk der Germanistin Lea Doher (Jahrgang 1964) vorgenommen, um deren vielfach verschlungene poetische “Erfahrungsgeschichten” dramaturgisch in einer Bühnenversion zu verarbeiten. Das Problem, das in dieser gut zweistündigen, durchaus spannungsreichen Regiekonzeption liegt, ist nicht zu bewältigen, denn es hätte bedeutet: die Komplexität des Stückes zu vereinfachen, sich miteinander verbindende Abläufe und Strukturen zu einem dramatischen Aufbau zu formen und zu ordnen und damit den Anriss menschlicher Ängste, Fluchtversuche, Verletzungen, Frustrationen und Depressionen zu einer theateradäquaten Fassung zu verbinden.

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Das flammende Herz

Für Vladimir Malakhov, Ballettdirektor und russischer Tanzmagnet, scheint es eine ganz besondere Herausforderung zu sein, die Charaktere großer Künstler wie Tschaikowsky, Caravaggio und nun auch Shelley in tänzerischer Psychologie zu verkörpern, sie mit so viel Eleganz und Grazie, so großer Feinfühligkeit darzustellen, dass man meinen möchte, er hat nun für sich eine neue künstlerische Herausforderung entdeckt. Und dass er nun die großen, hohen, weiten Sprünge, die Tanzakrobatik und die Dynamik weitgehend den jüngeren Tänzern überlässt, zeigt nicht nur Einsicht in die körperliche Endlichkeit, sondern vor allem pädagogischen und psychologischen Weitblick.
Shelley also hier auf der Bühne der alten Lindenoper: ein ästhetischer Hochgenuss – eine Brillanz der Darstellung, ein faszinierend flirrendes Spiel der großen Tanzkunst, aber auch ein ausdrucksstarkes Gemütsdrama, das in Episoden die Begegnungen des Dichters mit den jeweils neuen Musen zeigt.

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Das 13. Kapitel

Es geht Walser immer und so auch in diesem Buch “Das 13. Kapitel” vor allem um sich selbst, um eigene Gedanken, ihre Widersprüchlichkeiten, seine Auseinandersetzung mit dem großen Theologen Karl Barth, mit anderen Philosophen, mit den Möglichkeiten des Glaubens, und darum, mit der Vorstellung einer weit umfassenden Liebe umzugehen., “Dieses Buch”, so sagt er später im Gespräch mit Magenau, bewege sich außerhalb des Gesellschaftlichen. Meint, die Sphäre ist ganz und gar intim, spielt sich zwischen zwei Ichs, zwei Charakteren, zwei starken Persönlichkeiten ab, die niemals ganzheitlich zueinander kommen können.

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Così fan tutte, E-Werk

Regisseur Hagel hat die Intrige um Treue und Verführungskünste kurzerhand auf die glitzernde Bühne einer TV-Show transponiert, in die Mitte abwechselnd die Talkmaster Alfred Biolek und Friedrich Liechtenstein gesetzt, die zwei turtelnden Brautpaaren mit einigen Quizaufgaben ihre Intimitäten abhorchen wollen. Derweil sich das albernde Unterhaltungsmenü einschläfernd fortsetzt, hat der wütende Regisseur Alfonso, der hinter der Bühne dem fragwürdigen Amüsement entsetzt folgt, eine Idee, die er mit Hilfe seiner leicht teuflisch erscheinenden Assistentin Despina sogleich in die Tat umsetzt: Man will die beiden Männer fortlocken und sie, unkenntlich maskiert und verkleidet, auf die zurückgebliebenen Bräute ansetzten, um deren Treue zu testen. Das garantiert Spannung und Spaß und eine bessere Einschaltquote!

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Bezahlt wird nicht

Spaß ist scheinbar eine ernste Sache, und Satire erst recht. Aber immer dann, wenn sie mitten ins italienische Mark trifft, sozusagen den Alltag, und die Lebendigkeit und die Gemütslage unserer Nachbarn aufs Korn nimmt, entsteht tolles und typisches Volkstheater: komisch, absurd, heiter, faszinierend! Iris Radunz als überschäumende, wahrlich nicht auf den Mund gefallene kleine Hausfrau überlistet alle und natürlich erst recht die schmucken Carabinieri, die sich von ihrer Eloquenz und köstlichen Logik absolut überzeugen lassen!

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