Nina Bernsteiner als Titelfigur zieht alle Register ihrer physischen, technischen und emotionalen Stimmbandbreite. Sie verfügt außerdem über ein variationsreiches darstellerisches Temperament und dirigiert mit großer Dynamik den schnellen und keine Minute erschöpfenden Ablauf der Oper, die recht humorvoll inszeniert ist. Solch eine Frau ist schon verdammt gefährlich an der Spitze der Macht, schlimmer noch, wie sie ihren verzogenen Flegel von Sohn über alle Hindernisse hinweg frühzeitig auf den Thron setzen möchte, um selbst die Fäden in der Hand zu behalten. Doch leider ist ihr Gatte Claudio nicht mit dem Schiff im Sturm untergegangen, sondern wurde von dem netten jungen Offizier Ottone gerettet- ein hübscher Counter, ansonsten etwas farblos. Dafür ist der Claudio von Naoa Fernandes ein Ausbund an spielfreudiger Trotteligkeit, ein seniler, tattriger und noch immer ziemlich lüsterner Greis, der dementsprechend gutgläubig auf jede weibliche Intrige hereinfällt. Zwar überblickt er zuweilen listig das Intrigengespinst, aber Händel weiß, dass die Historie nicht so nett ist wie seine Operngeschichte und überrascht mit einem realistischen Schlussbild. Die Inszenierung ist phantasievoll und der musikalischen Ausformung der Sänger gewidmet, die Kostüme sind den dubiosen Charakteren angepasst und prächtig, das Licht flimmert und strahlt jeweils punktgenau, und das Bühnenbild ist minimalistisch und praktisch beweglich. Das Orchester schwingt mit sicherer Führung in allen Emotionen und historisch getreuer Instrumentalisierung. Die DaCapo-Arien sind mit variationsreicher Phrasierung, nicht immer brillierend, aber emotional voller HIngabe ausgeschmückt.