Category Archives: Oper/ Musiktheater

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La Bohème, HB

Ein Abend mit schönen Stimmen, gefühlvoller Musik und einem minimalistischen Bühnendekor, das sich mit seiner phantasielosen Armuts- und Künstlerpoesie ins dramaturgische Abseits begibt. Gleichwohl mag hinter dem Einfall, dass sich Maler, Musiker und Schriftsteller permanent in buntem Farb- und Luftschlangentaumel befinden, die Absicht stecken, Liebesleid und Lust, Armutsweh und dessen Kompensation in aller Schlichtheit zu zeigen. Die Poesie findet nur im Kopf und – natürlich im Herzschmerz der romantischen Arien und Duette statt, wobei die Damen und die Chöre aus dem Dunkel der mit Gaze verhangenen Seitenemporen für den Fortgang der Handlung nicht wirklich präsent sind.

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Cosí fan tutte oder Die Schule der Liebenden, OL

Eine ziemlich werkgetreue Aufführung von Cosí wird in Oldenburg gefeiert; farbenprächitg, formschön und musikalisch mit großer Einfühlsamkeit inszeniert und gespielt ist die Geschichte der zur Untreue verführten Bräute und der betrogenen Betrüger. Für Komponist und Librettist war es einst ein spielerischer Spaß – für ernsthafte deutsche Regisseure ist es stets eine schwere Aufgabe, Liebe, Leidenschaft, Treue und Untreue im Kontext gesellschaftlichen Umbruchs verständlich und verzeihlich zu machen.

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Der feurige Engel

Nach 40 Jahren wieder in Berlin angekommen, reißt das Stück das Publikum zwar nicht von seinen Sitzen, aber am Ende doch zu frenetischem Applaus hin – Gott und dem flammenden Engel sei’s gedankt, man hat das Gefühl, Romantik und Psychotik sind spannend in eine schwer von Dissonanzen durchkomponierte Seelenlandschaft verpackt, die der Bühnensprache entspricht : verwirrend, sehnsüchtig, zupackend, aufschreiend, exessiv-bedrohlich, und dann wieder zärtlich-irreal verträumt. Eine ganz große physische und gesangliche Leistung der jungen Svetlana Sozdateleva, die zudem mit einer aussdrucksstarken Gebärden-und Körpersprache ihre innere Zerrissenheit in Töne verwandeln und uns anderthalb Stunden lang fesseln und bezaubern kann.

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Angst

Musik ist von Grund auf ein Medium der Gefühle: was läßt sich nicht alle ausdrücken in Oratorien, Liedern, Arien, symphonischen Kompositionen, was läßt sie uns erahnen an Tiefe und Hingabe, wie läßt sie uns teilhaben an Verzückung und Glück, genauso an Leid und Schuld; sie spendet Trost und bereitet Vergnügen – und sie kann, wie in dieser jetzt in zwei Aufführungen ( wieder am 18.1.09) zu sehenden und zu hörenden szenischen Chorbearbeitung auch als Therapeutikum wirken – zunächst verwirrend, jedoch nach und nach heilend, gegen Ängste, gegen Furcht, gegen unterdrückte Traumata, gegen neue Musik!

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Cosí fan tutte, HB

Ein Stück von zwiespältiger Schönheit – selten wird es komisch aufgefasst, immer steht die tragische Komponente im Vordergrund. Mit Ausnahme der Rolle von Despina, die den komischen Part übernehmen darf (in Bremen sehr glücklich ausgespielt). Die poetische Versführung ist leider in fast keiner Übersetzung gut getroffen, zumal, wenn sie verkürzt in deutscher Fassung projiiziert wird. Deshalb gilt es, intensiver auf die Orchestrierung zu achten, wie z.B. in der Abschiedsszene, wenn die Männer „in See stechen“, hören wir gedämpfte Geigen und Bratschen, weich begleiten die Basspizzicati und schwebende Bläsertöne das von sanfter Melancholie und echter Trauer gestaltete Bild.

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