Category Archives: Oper/ Musiktheater

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Der Fall Rigoletto

Ein junger Italiener führt durch das spannend aufgebaute Geschehen, das sich musikalisch abwechslungsreich zwischen Verdis Oper und moderner Komposition bewegt. Und daraus ist eine so faszinierende aktuelle Rigoletto-Version entstanden, dass das Publikum bei der Aufführung, die ich sah, so gebannt war, dass es nicht einen Finger rührte, um den einzelnen musikalisch hochwertigen Gesangspartien den üblichen Beifall zu zollen. Und die Regie führte dankbarer Weise auch zügig und pausenlos durch das Spiel.

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Così fan tutte, E-Werk

Regisseur Hagel hat die Intrige um Treue und Verführungskünste kurzerhand auf die glitzernde Bühne einer TV-Show transponiert, in die Mitte abwechselnd die Talkmaster Alfred Biolek und Friedrich Liechtenstein gesetzt, die zwei turtelnden Brautpaaren mit einigen Quizaufgaben ihre Intimitäten abhorchen wollen. Derweil sich das albernde Unterhaltungsmenü einschläfernd fortsetzt, hat der wütende Regisseur Alfonso, der hinter der Bühne dem fragwürdigen Amüsement entsetzt folgt, eine Idee, die er mit Hilfe seiner leicht teuflisch erscheinenden Assistentin Despina sogleich in die Tat umsetzt: Man will die beiden Männer fortlocken und sie, unkenntlich maskiert und verkleidet, auf die zurückgebliebenen Bräute ansetzten, um deren Treue zu testen. Das garantiert Spannung und Spaß und eine bessere Einschaltquote!

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Armida

Caroline Melzer ist eine hinreißende Armida. In ihrem blauen engen Kostüm steht sie immer wie verloren in ihrer Zeitgebundenheit inmitten all dieses dionysischen Liebesgerangels und folterartigen Gemetzels zwischen entblößten Körpern und sich entblößenden Seelen. Verzweifelt kämpft sie gegen ein Gefühl an, dass sie ohnmächtig und hilflos macht, und das sie deshalb mehr fürchtet als das Kampffeld, auf dem diese “Zauberin” zuhause ist.
Armida greift, als der Geliebte seinen rüden Soldaten wieder in den Kreuzzug folgt und der innerlich bereits besiegten Armida so unbeholfen wie nur irgend möglich, erklärt, dass er sie um des Ruhmes willen verlassen wird – nun doch und endgültig zur Waffe. Und wenn sie den Mann ihrer Wahl auch für immer verloren hat, so demonstriert sie letztendlich doch als Siegerin auf der Empore mit weit ausgebreiteten Armen, vom hellen Licht der glorreichen Selbstüberwindung umhüllt, den Standort, auf dem sie fortan immer stehen wird als eine Frau, die ihre Niederlage in der ganzen Grausamkeit der stets endenden Liebe zu rächen weiß.

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Pelléas und Melisande

Den Mitwirkenden an dieser Inszenierung ist es in der Tat wohl in höchst sensiblem Zusammenspiel gelungen, ein Märchenbuch aufzuschlagen, das Seite für Seite selbst durch das dunkelste Grüngrau der hohen Mauern des Burginneren noch Sonnenkegel durchfluten läßt. So bricht sich durch das Unheimliche einer Endzeitstimmung immer wieder eine neue Helligkeit wie aus einer ferner Galaxie und durchwärmt die unglücklichen Menschen, die in einer dahinsiechenden Dynastie und einem notleidenden Land leben, mit neuer Hoffnung.

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Otello

In dichter und düsterer Stimmung vibriert der vierte Akt: in einem leeren, mit dunklem Holz getäfelten Schlafzimmer warten Desdemona und ihre Zofe Emilia, Jagos Frau, auf Otello. Und die kühle, angsterfüllte Atmosphäre wird mit Desdemonas herzerweichenden Sehnsüchten, Ängsten, Gewissheiten erfüllt und fühlbar. Anja Harteros schickt ihre Liebespein in zartesten Pianissimi in eine grausame stumme Welt, zelebriert ihre Hilflosigkeit in letzter Frömmigkeit Seelenpein, wirbt um Otello mit inniglicher Wärme und Hingabe und setzt damit den ausgleichenden Ruhepol zu Summers Fortissimo-Dirigat.

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