Category Archives: Oper/ Musiktheater

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Armida

Caroline Melzer ist eine hinreißende Armida. In ihrem blauen engen Kostüm steht sie immer wie verloren in ihrer Zeitgebundenheit inmitten all dieses dionysischen Liebesgerangels und folterartigen Gemetzels zwischen entblößten Körpern und sich entblößenden Seelen. Verzweifelt kämpft sie gegen ein Gefühl an, dass sie ohnmächtig und hilflos macht, und das sie deshalb mehr fürchtet als das Kampffeld, auf dem diese “Zauberin” zuhause ist.
Armida greift, als der Geliebte seinen rüden Soldaten wieder in den Kreuzzug folgt und der innerlich bereits besiegten Armida so unbeholfen wie nur irgend möglich, erklärt, dass er sie um des Ruhmes willen verlassen wird – nun doch und endgültig zur Waffe. Und wenn sie den Mann ihrer Wahl auch für immer verloren hat, so demonstriert sie letztendlich doch als Siegerin auf der Empore mit weit ausgebreiteten Armen, vom hellen Licht der glorreichen Selbstüberwindung umhüllt, den Standort, auf dem sie fortan immer stehen wird als eine Frau, die ihre Niederlage in der ganzen Grausamkeit der stets endenden Liebe zu rächen weiß.

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Pelléas und Melisande

Den Mitwirkenden an dieser Inszenierung ist es in der Tat wohl in höchst sensiblem Zusammenspiel gelungen, ein Märchenbuch aufzuschlagen, das Seite für Seite selbst durch das dunkelste Grüngrau der hohen Mauern des Burginneren noch Sonnenkegel durchfluten läßt. So bricht sich durch das Unheimliche einer Endzeitstimmung immer wieder eine neue Helligkeit wie aus einer ferner Galaxie und durchwärmt die unglücklichen Menschen, die in einer dahinsiechenden Dynastie und einem notleidenden Land leben, mit neuer Hoffnung.

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Otello

In dichter und düsterer Stimmung vibriert der vierte Akt: in einem leeren, mit dunklem Holz getäfelten Schlafzimmer warten Desdemona und ihre Zofe Emilia, Jagos Frau, auf Otello. Und die kühle, angsterfüllte Atmosphäre wird mit Desdemonas herzerweichenden Sehnsüchten, Ängsten, Gewissheiten erfüllt und fühlbar. Anja Harteros schickt ihre Liebespein in zartesten Pianissimi in eine grausame stumme Welt, zelebriert ihre Hilflosigkeit in letzter Frömmigkeit Seelenpein, wirbt um Otello mit inniglicher Wärme und Hingabe und setzt damit den ausgleichenden Ruhepol zu Summers Fortissimo-Dirigat.

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Lear

Wir wissen, dass in der Tragödie der menschlichen Blindheit alles tödlich endet; Cordelia, die ihren alten, längst dem Wahnsinn verfallenen Vater endlich trifft, als es zu spät ist, nämlich als ihr Gemahl, der König von Frankreich von Edmunds Herr geschlagen ist. Cordelia stirbt durch Gonerils Befehl und Lear an gebrochenem Herzen. Zurück bleibt der gutmütige Herzog von Albany, der schwache Gatte Gonerils, der nun das Reich führen muss – inmitten all der Leichen, der Machtgier und des Wahnsinn um ihn herum. Der Tod ist vorerst verschwunden. Er war nur Zuschauer, die Menschen taten ihr Übriges. A.C.

Wer diese Kongruenz von Handlung und Musik in all der dramatischen und drastischen Unbarmherzigkeit ertragen kann, dem sei diese Inszenierung ans intakte Herz gelegt.

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