Category Archives: Regietheater

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Geister in Princeton

Die Inszenierung hat ein großes Aufgebot an namhaften Darstellern, die sich im Reigen um das Leben Gödels drehen, ihn ein Stück begleiten, vor ihm, mit ihm, nach ihm sterben und wieder auferstehen. Denn “Zeit ist wie ein Zugfahrplan. Die Ereignisse sind die Stationen, an denen er hält. Aber egal, wo du bist, die anderen Stationen gibt es auch noch. Sie verschwinden nicht. Und der Zug fährt im Kreis. Jeder Moment ist für immer”, abstrahiert Gödel u.a. seine Erkenntnisse. Der Regisseur greift diese Metapher geschickt auf, beginnt mit dem Tod des Wissenschaftlers und endet gleichsam mit seinen letzten Lebenstagen.

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Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm

Teresa Walser kennt sie allzu gut: die Egomanen des Schauspiels und der Regie. Und sie führt sie hier am unsichtbaren Band genüsslich in einem Spiel im Spiel vor. Drei Hitler-Darsteller bereiten sich auf eine Talkshow vor, aber eigentlich präsentieren sie ihre Eitelkeiten, ihren Hochmut, ihr unerschütterliches Ego – aber auch ihre unbedingte Leidenschaft zur Schauspielerei.

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Reineke Fuchs

Die Regie hat dem Darsteller dreierlei schwerste Aufgaben zugedacht: Zum einen spielt und spricht Michel – toll gewandet im historischen Kostüm des Edelmannes mit gelb-orangefarbenem Perückenlocken – mit Hingabe und Temperament alle Rollen mit unglaublich angepasster Mimik und hinreißend komischen Gebärden, zum anderen stemmt er das riesige Requisit, einen schweren Rahmen, der als Galgen für den Schurken wie als Portal für den König, aber zugleich auch als Bilderkaleidoskop der sich sinnlos betrinkenden Höflinge dient, und dann muss er auch noch die zwölf “Gesänge” in der verwobenen Sprache als rhythmische Erzählung präsentieren.

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Prometheus, gefesselt

Die Inszenierung endet nach einer Stunde wie sie begonnen hat: mit Geplätscher und im Halbdunkel. Da Jossi Wieler seine Darsteller – siehe auch “Iphigenie” – weitestgehend statisch und textlastig agieren läßt, also den Hauptakzent auf die Vermittlung des Wortes als aussagekräftiges theatralisches Mittel legt, konnte man natürlich keine spannenden inszenatorisch beeindruckenden Phasen erwarten. Ein bisschen mehr darstellerische Differenzierung und dramaturgische Spannung aber hätte dem großen Epos schon größere Transparenz verliehen !

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Prinz Friedrich von Homburg

Die Kenntnis der Handlung vorausgesetzt, kann man dem schnell wechselnden Spiel um Illusion, Kampfesgeist und eigener Verantwortung und deren unerbittlichen Konsequenzen folgen; wenn nicht, so empfiehlt sich eine ausgiebige Anschlusslektüre. In Kriegenburgs stark gestraffter Bühnenversion beginnt das seltsame Spiel um Gehorsam und Selbstbestimmung mit einem somnambulen Jüngling, den Ole Lagerpusch in guter Tradition aller jungen Bühnenhelden mimt: romantisch, versonnen, verliebt und fern aller Realität.
Ob die Inszenierung diese Tiefgründigkeit aller ethischen und politischen Aspekte widerspiegelt, ist fraglich; denn verstörend sind nicht nur der eingekochte Text, Schall und Farbe, sondern auch die unerklärliche Fallsucht, das ekstatische Wühlen in den “Fluten”, die epileptischen Sturzanfälle der Kurfürstin (Judith Hofmann) und ihrer Ziehtochter Natalie (Barbara Heynen). Wer sich nicht wälzt, bleibt allerdings auch nicht lange trocken.

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Der Preis der Habgier, B

Ein Alptraum eines modernen Goldgräberdramas, das sich ziemlich kaugummiartig über zwei Stunden hinzieht, die letztlich doch der dramaturgischen Struktur entbehren und den Spannungsbogen vermissen lassen, wie man es noch von den alten amerikanischen realistischen Psycho- und Gesellschaftsdramen eines Miller, O’Neills oder Williams gewohnt ist, in denen die Menschen einander ebenso hartnäckig zerstörten, wie bei den neuen Dramatikern, aber ihre Motive waren vielschichtiger.

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