Permalink to single post

La Cenerentola, OL

Sie alle – dann doch ganz anders als im sehr alten Aschenputtelmärchen – ließen Rossinis Werk an diesem Abend zum xmale nach seiner Uraufführung wieder auferstehen: sowohl in hinreißend zärtlichen Arien und mitreißenden crescendi als auch in furiosen, rasanten Rhythmen im Super-DZug-Tempo als ob so eine Stimm- und Spielakrobatik selbstverständlich wäre. Was diese Inszenierung unter anderem auszeichnet, ist die Unkompliziertheit des Spiels, die choreografisch sehr geschickte Einteilung parallel laufender Szenen auf der – leider – häßlichen hinterhofartigen Bühne, der auch ein paar Vorhänge oder Stühle samt Kronleuchtern keine wirkliche Veränderung verschaffen. Die Atmosphäre muß erfühlt und erspielt werden, was zuweilen auch mit irrwitzigen Kapriolen musikalischer Fremdeinschübe und aktueller Gags – vor allem aber durch die außerordentliche Einfühlsamkeit der Darsteller in ihre genial komponierten Rollen bestens gelingt.

Permalink to single post

Ein großer Aufbruch, OL

Magnus Vattrodt, Jahrgang 1972, ist ein deutscher Schriftsteller, der vor allem durch Drehbücher für ARD-Tatort-Krimis sowie den Grimme-Preis bekannt wurde. Das ist schon einmal äußerst verwunderlich. Denn dermaßen schwere Themen wie Tod und Gott können eigentlich nur angelsächsische oder amerikanische Autoren mit so leichter boulevardesker Hand verfassen, wie diese von Witz und Sarkasmus und sehr viel Empathie durchdrungene Geschichte von dem Pensionär Holm, der beschlossen hat, demnächst in der Schweiz Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen und nun seine unwissende Familie und Freunde zu einem letzten Mahl eingeladen hat. Und es gelingt dem Regisseur Christoph Roos und seinem brillianten Schauspielerteam, den Charme dieses existenziellen Spiegelbildes treffsicher zu verdeutlichen, allen Pointen und allen schwerblütigen Szenen gleichermaßen gerecht zu werden, wie man es bei bisherigen Verfilmungen dieses Stückes vermisste.

Permalink to single post

Der Schimmelreiter, HB

Ein Spiel, das Dramatik aufbaut, nichts an Leid und Traurigkeit ausläßt, wobei sich die Sprachkunst der Dichtung des 19. Jahrhunderts noch mit romantischer Gefühlstiefe verband. Da ist der grausame biblische Anspruch und Ansporn ständiger Gottesfurcht, da ist das Leben hart und entbehrungsreich, voller Ungewisssheit, Angst und Eigensinn. Das alles ist sehr verstörend und beeindruckend inszeniert, und die maskierten Figuren, die bald schnell ihre echten Menschengesichter zeigen, schützen sich gegen Neuerungen, die von Menschen erdacht und berechnet werden, mit einem Panzer aus Glauben und Aberglauben. Der feindlichen Natur, den unvorhersehbaren Sturmfluten begegnen sie mit Blindheit und Fatalismus. Für den Mann, der seiner Zeit voraus, die Zukunft der Menschen mit einem neuen Deich sichern will, gibt es in seiner Dorfgemeinde keinen Rückhalt.

Permalink to single post

Die Tanzstunde, B

von Mark St. Germain, deutsch von John Birke Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater, Berlin, (Wiederaufnahme November 2018) Regie: Martin Woelffer, Bühne und Kostüme: Julia Hattstein, Choreografie: Annette Rekendorf mit Tanja Wedhorn und Oliver Mommsen “Veränderungen bedürfen der Courage” Wenn das noch gelingt – ein sensibles Drama mit Empathie und Humor, mit Akzeptanz, Toleranz und Einsicht in die unausweichliche Dramatik der Realität einzubetten – dazu mit zwei Schauspielern, die sich auf dem Spiegelparkett der Anforderungen sicher zu bewegen wissen, die vor

Permalink to single post

Eine griechische Trilogie, B

Der Schlüssel steckt im ersten Bild: sechs Frauen auf einer weiß-nebligen Bühne , die irgendwie zusammengehören: Da ist hypercoole Frau, Ärztin, Mutter einer willlosen, sich permanent mißbraucht fühlenden Tochter, deren konfliktgeladene Beziehung rasch aufzeigt, dass Witz und weibliche Solidarität ihre Grenzen haben. Aber auch die anderen Frauen, deren Leben und Schicksale irgendwie alle miteinander verknüpft sind und die allesamt in eine öku-vegane , allerlei Probleme mit- und nach sich ziehende Kommune vor ihren gewalttätigen Männern geflüchtet sind, tragen schwer an psychischen und physischen Wunden, vermeintlicher Schuld und wütender Rache. Eine Frauengemeinschaft, die sich außerhalb der Gesellschaft in behutsam verhaltener Agressivität ein anderes Leben aufbauen will und doch auch hier von seelenlosen Mit-Menschen ebenso gequält wird wie zuvor von ihren nun hilfslosen Männern, die sie eines Tages in ihrem Versteck aufstöbern werden.

Permalink to single post

Lazarus, HB

Ein Mann fällt aus dem Himmel auf die Erde. Ein Außerirdischer mit menschlichen Zügen und Eigenschaften, einem überwachen Verstand, doch ohne den Schutz der Erfahrung. Er befindet sich auf einem fremden Planeten, von dem er Wasser schöpfen soll zum Überleben des eigenen Planeten. Aber dieser Mann ist dem mitleidlosen Leben der irdischen Zivilisation nicht gewachsen. Er wird ein Opfer der Macht, deren Gipfel er dank seiner empathischen und telepathischen Einblicke zunächst für sich selbst entdeckt. Er hat Erfolg, wird reich, scheitert aber letztendlich an der mitleidlosen Rücksichtslosigkeit der Gesellschaft. Er verliert alles bis er bitterarm und krank als psychischer Pflegefall im Abseits landet. Die Inszenierung trägt das schwierige Wechselspiel zwischen Wachsein und Wahn mit ruhigen lyrischen, poetischen Augenblicken, die den Mann an ein kurzes Liebesglück in der Vergangenheit erinnern, um dann wieder jäh mit grausamen Halluzinationen zu kämpfen, die der Kranke im Dilirium ertragen muss und der Zuschauer ebenfalls. Denn dieses Leben, das schon lange nicht mehr so bezeichnet werden kann, ist grausam,schmerzvoll, unerträglich, wie die harten Schläge der Beatband. Dass manche der poetischen Liedtexte dabei der musikalischen Unerbittlichkeit zum Opfer fallen, ist bedauerlich. Aber insgesamt ist dies eine anspruchsvolle, phantasievolle und ergreifende Inszenierung mit hoch engagierten Sängern, Tänzern und Schauspielern.

« Older Entries Recent Entries »