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Angst

Musik ist von Grund auf ein Medium der Gefühle: was läßt sich nicht alle ausdrücken in Oratorien, Liedern, Arien, symphonischen Kompositionen, was läßt sie uns erahnen an Tiefe und Hingabe, wie läßt sie uns teilhaben an Verzückung und Glück, genauso an Leid und Schuld; sie spendet Trost und bereitet Vergnügen – und sie kann, wie in dieser jetzt in zwei Aufführungen ( wieder am 18.1.09) zu sehenden und zu hörenden szenischen Chorbearbeitung auch als Therapeutikum wirken – zunächst verwirrend, jedoch nach und nach heilend, gegen Ängste, gegen Furcht, gegen unterdrückte Traumata, gegen neue Musik!

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Antigone/Hyperion

Für die Schauspieler, die zwischen der Altkleidersammlung und an einem in der Mitte des Raumes placierten Rednerpodest – dann und wann mit Mikroverstärkung ihre statements verkünden, ist diese Inszenierung eine strapaziöse Aufgabe. Denn nicht nur die befremdliche Sophokles-Übersetzung Hölderlins verzichtet auf rasch erfassbare Aussagen, auch den poetisch überhöhten Hyperion-Text versteht man nur schwer – teils, weil alle Darsteller wie immer zu schnell sprechen, aber diesmal auch zu undeutlich artikulieren – als ob sie alles zwar intensiv, aber rasch hinter sich bringen wollen.

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Cosí fan tutte, HB

Ein Stück von zwiespältiger Schönheit – selten wird es komisch aufgefasst, immer steht die tragische Komponente im Vordergrund. Mit Ausnahme der Rolle von Despina, die den komischen Part übernehmen darf (in Bremen sehr glücklich ausgespielt). Die poetische Versführung ist leider in fast keiner Übersetzung gut getroffen, zumal, wenn sie verkürzt in deutscher Fassung projiiziert wird. Deshalb gilt es, intensiver auf die Orchestrierung zu achten, wie z.B. in der Abschiedsszene, wenn die Männer „in See stechen“, hören wir gedämpfte Geigen und Bratschen, weich begleiten die Basspizzicati und schwebende Bläsertöne das von sanfter Melancholie und echter Trauer gestaltete Bild.

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Fräulein Julie, Schaubühne

Den Kern des Dramas hat das junge Regie- und Kameraensemble dazu benutzt, um die filmerfahrene hinreißende Jule Böwe als Kristin im Auge des Schicksalsorkans zu portraitieren und zwar mit allen filmischen und bühnentechnischen Mitteln, die man hier je sah – ein beachtliches Stück Arbeit, eine überraschende Leistung, und – für viele Theaterfreunde – immer wieder eine Ermutigung, nach skandalösen, enttäuschenden Inszenierungen an der Schaubühne, auf die nächste Aufführung zu hoffen.

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Dialoge 09

In immer sich neu erfindenden Bildern entfalten sich die unzähligen Bewegungsabläufe der Tänzer zu modernen, oft schrillen aber ebenso fein und fern ertönenden Musiken neuer Komponisten – in allen Räumen des großartigen Neuen Museums, das David Chipperfield mit dezenter Ausgestaltung und einer faszinierenden Harmonie der verschiedenen architektonischen Elemente und Materialien versehen hat. Hier treffen sich Gesang-, Instrumental-, Tanz- und Baukunst auf allen Ebenen im wahrsten Sinne des Wortes.

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Das letzte Feuer, DT

Hier gibt es kein Prinzip Hoffnung, dass sich immerhin durch das Angebot der Psychotherapie (von Seelsorge ganz zu schweigen) oder einer altruistischen Mitmenschlichkeit anbieten würde. Aber das passt nicht ins Konzept der Autorin und schon gar nicht in die Auslegung des Regisseurs, die beide in einer düsteren Einstellung zur schicksalsgegebenen und unabänderbaren Situation menschlicher Unzulänglichkeiten (und politischer Ignoranz und Unfähigkeit) verharren.

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