Der Barbier von Sevilla – an der Deutschen Oper
Ein Inszenierungsvergnügen für Kinder allen Alters und ein orchestraler Schmaus für Rossini- und Mazzola- Liebhaber. Katharina Thalbach läßt ihrer Phantasie und Turbulenzen freien Lauf…
Ein Inszenierungsvergnügen für Kinder allen Alters und ein orchestraler Schmaus für Rossini- und Mazzola- Liebhaber. Katharina Thalbach läßt ihrer Phantasie und Turbulenzen freien Lauf…
… Das Geheimnis, Menschen zu gewinnen, hat der weise „Araber“, wie er in seinem Viertel genannt wird, dem Jungen schon lange verraten; wie ein freundliches (echtes) Lächeln den anderen zuweilen ebenfalls zur Freundlichkeit bekehrt, wie man einer Dame Komplimente macht (und in Frankreich ist jede Frau eine Dame und eines Kompliments wert!), dass man nur wirklich das behalten kann, was man verschenkt, dass Liebe einem nicht genommen werden kann, weil man sie selbst besitzt , dass aber auch Verlust zur Liebe gehört, und dass man das Glück nicht für sich alleine gepachtet hat und so weiter und so weiter…
Ein einzigartiges Kunstwerk des Theaterzauberers Harold Wilson. Man bleibt zwar innerlich distanziert und vorwiegend amüsiert, ist aber letztlich doch von dieser ungemein exakten Szenenfolge, der ausgefeilten Darstellung und vor allem dem frischen musikalischen Schwung, der alle die wunderbaren alten Songs wieder auferstehen läßt, mächtig beeindruckt! Das ist an sich schon ein kleines Wunder und beweist einmal mehr, wie gut es einem Werk tut, es nur rein äußerlich zu verstärken, seine Elemente herauszufiltern und Wort und Ton Treue zu garantieren.
Ende gut, alles gut – nicht so ganz . Denn ein Augenzwinkern ist ebenso dabei wie die Frage nach der Glaubensdimension, nach Halt und Gehaltenwerden, nach dem Sinn und Ziel allen Leids und der Bewältigung scheinbar auswegloser Situationen. Das gibt genügend Stoff für Diskussionen.
Die Botschaft des Märchens:
Zu zeigen, wie der Mensch in sein Schicksal hineingeworfen und zum Spielball der Pole/Mächte wird (aus der griech. Sagenwelt aller vorzivilisierten bzw. heidnischen Völker) Es sind die Pole gut/böse – Gott/Teufel. Später im Zeitalter der Vernunft entwickelt sich eine neue Sichtweise und Erfahrung: Der Mensch kann sein eigener Herr sein, selbstbestimmt kann er entscheiden zwischen Recht und Unrecht; ihm ist es nun gegeben, das EGO, Machtstreben und Ehrgeiz zu überwinden
1. noch in der christlich geprägten Moral und Ethik: durch Gott
2. in der Vernunft: durch Überlegung, Verzicht, Altruismus
3. in der Romantik symbolisiert die Natur beides: Aufbruch und Geburt, Verzicht/Tod; Dunkel/Hell, Tag und Nacht; Wald/Stadt/Dorf-Gemeinschaft
Märchengeschichte ist Menschheitsgeschichte, Mythos ist der Urgrund, auf dem sich die Menschen seit altersher in unterschiedlicher Form und inhaltlichen Variationen Unerklärliches in der Natur und bei sich selbst – in ihrem eigenen Verhalten – zu erklären versuchten;
Liebe und Tod – mit all den Begleiterscheinungen und Auswüchsen – Hingabe, Selbstaufopferung, Verzicht und Caritas auf der einen – Eifersucht, Verrat, Kampf und Vernichtung auf der anderen Seite sind die Trieb- undAntriebsfaktoren der Menschheitsgeschichte.
Musikalische Leitung: Paul-Johannes Kirschner
Inszenierung: Niklaus Helbling
Bühne: Dirk Thiele
Kostüme: Victoria Behr
Chor: Thomas Bönisch
Dramaturgie: Katharina Ortmann
Licht: Herbert Janßen
Video: Elke Auer