Mephisto, OL
Der Fokus der Aufführung und Inszenierung liegt sicherlich in erster Linie auf den Charakteren jener Zeit und jener großen künstlerischen Energie, mit der sie für ihre Freiheit kämpfen. Aber auch natürlich ist es eine persönliche Auseinandersetzung zwischen Klaus Mann mit dem Machtmißbrauch eines großen Schauspielers wie Gustav Gründgens, eine hochaktuelle Mahnung an die diabolische Kraft der rhetorisch gewandten teuflischen Propaganda- und Überzeugungskünste, die jederzeit wieder aufflackern können. Dass der Künstler hier nur als Beispiel steht und ja überdies als späterer Generalintendant aller Berliner Bühnen wohl die Autorität gehabt hat, vielen Menschen die Existenz zu retten, aber oft eben auch nicht den Mut, weil er den Preis für seine Narren-Freiheit sehr genau kannte, sollte dabei nicht darüber hinweg täuschen, dass es nicht nur ein Einzelner ist, der den Lauf des Schicksals bestimmt. Es sind tausend und abertausend Mitläufer, die blind sind. Ob das Theater sie sehend macht, ist eine andere Frage.o sollte man hier auch die Rolle des Mephisto in dieser Aufführung betrachten, in der zum Auftakt und Ende der große Schauspieler streng von gesichtslosen Bürgern nach seiner Ehre und Zivilcourage auf seinem glänzenden Weg zum Erfolg befragt wird, und der, entsprechend geschickt die Klippen von Moral und Karriere umgehend, die Rolle der Kunst und die Verpflichtung des Künstlers ihr gegenüber in den Vordergrund stellt. Hagen Bähr ist ein großer, schlanker Hendrik Höfgen, somit äußerlich der Figur des Gustav Gründgens adäquat. Auch die Maske, die grinsend teuflische, ist seither original und zeigt die verzerrte oder schmeichelnde Mimik in all den charakterlichen Facetten, die für seine politische und mentale Entwicklung stehen. Und er entspricht hier natürlich dem umstrittenen und berühmten Intendanten der Berliner Nazizeit, aber auch den Intentionen des sensibleren Autors.