Author Archives: A. Cromme

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The Forbidden Zone,B

Dokumentartheater auf mehreren Ebenen: Auf der Bühne wird gespielt und gefilmt, was einst geschah: der Kampf der Chemikerin und Ehefrau Fritz Habers, Clara Immerwahr, um die Ethik von Wissenschaft und Forschung und ihr Freitod; Der Kampf ihrer Enkeltochter nach dem 2.Weltkrieg um Schuld und Sühne und die Forschung zu friedlichen Zwecken. Auch sie schied in ihrer Verzweiflung um die Aussichtslosigkeit einer friedlichen Welt aus dem Leben. Darin in verschiedenen Sequenzen verwoben das Schicksal der Soldaten, die durch den Einsatz des von Haber entwickelten Giftgases im 1.Weltkrieg schrecklich zugrunde gingen. Die Inszenierung ist technisch faszinierend und emotional verstörend. Falls wieder im Spielplan, unbedingt anschauen!

Und als Gegenstück – falls irgendwo auf der Bühne oder im Film zu sehen – ebenfalls sehenswert: “Alfred Nobel und Bertha Suttner- eine Liebe für den Frieden”

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Der Idiot, HB

Das Wesentliche der umfassenden Romanvorlage in einem “nur” dreieinhalbstündigen Schauspiel auf die Bühne zu bringen, ist ein beachtenswertes Unterfangen. Die Schauspieler können die verschiedenen Charaktere weitgehend ausleuchten, wobei der im Mittelpunkt stehende Fürst Myschkin, der den engen Vorstellungen einer auf Vorteil, Geld und Geltung ausgerichteten Gesellschaft in seiner naiven Gutmütigkeit und Ehrlichkeit unangenehme Wahrheiten sagt, als “Idiot” abgetan wird. Gleichwohl suchen alle seine Nähe, um sich unter dem Dach seines Titels und Vermögens als gleichwertig fühlen zu können. Dass Liebe und Tod auch hier die Hauptrollen spielen, könnte zum echten Drama gereichen.

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Die Zauberflöte, HB

Ein Spiel mit Licht und Schatten, leuchtenden eleganten Kleidern und Masken; Verdi -opernhaft- ägyptische Kostüme und Kopfputz verleihen der guten alten “Zauberflöte” ihren glanzvollen Charme.
Aber das ist dann auch beinahe schon alles, was man über die Inszenierung Erfreuliches sagen kann. Sie läßt bereits in der Overtüre keinen Zweifel daran, dass es sich hier um eine besinnlich-betuliche Interpretation einer alten Moral- und Geschlechterordnung handelt, die gar gemächlich im Orchester voranschreitet, das, aus langem Dornröschenschlaf erwachend, auf der geschmackvoll ausgestatteten Bühne sein stimmliches Pendent findet.

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Der Liebestrank, HB

Ein Schmankerl – nicht nur zur Weihnachtszeit, frisch und frech inszeniert mit allem Glamour und Glitzer, den die Welt des schönen Scheins uns täglich in Film und Fernsehen suggeriert. Wo der arme Depp, der abseits der irreführenden Illusionen in der schnöden Wirklichkeit verharrt, ja schier verzweifeln muss. Er ist kein Held, kein Charmeur und schon gar kein strahlender Superman, sondern nur ein unglücklich Liebender. Und er taumelt mit einer beseeligenden Musik vom tiefsten Kummer zum höchsten Glück, findet endlich sich selbst und seine Würde wieder und erobert damit auch die verehrte Frau, die ihn plötzlich – oh Wunder – mit anderen Augen sieht.

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Falstaff, OL

Alles ist auf Jagen ausgerichtet: Der liebestolle Sir John Falstaff, Ehemänner, Ehefrauen, Jungverliebte – jeder verfolgt hier jeden, die einen aus Übermut, die anderen aus Liebe oder Eifersucht, und alle erhalten zum Schluß, was sie verdienen. Das Orchester gibt dem Ganzen Tempo und Vitalität und läßt keinen Zweifel an der Interpretation des Regisseurs, der Verdis Komödie auch als solche inszeniert. Man muß sich diesmal an einen Falstaff gewöhnen, der eher einem Don Juan ähnelt als einem frivol-fetten Tunichtgut, der angemessen an der Nase herumgeführt wird. Das Fazit, es gibt keine wirklich dicken Baritone. Und das ist doch auch gut so oder?

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Evita, OL

Dem Oldenburgischen Staatstheater ist eine sehenswerte Inszenierung geglückt, weil es sich zum Einen an die erfolgreiche Vorgabe der Originalproduktion von Harold Prince hält, zum anderen, weil es in nur gut zweistündiger Aufführung den Lebenslauf der Eva Duarte Perón in vielfarbiger Leuchtkraft entfaltet. Da sind nicht nur die stimmlich variationsfähigen Darsteller, die dies Metier mit Auszeichnung im Musicalfach studiert haben, und Spiel und Gesang perfekt miteinander vereinen, sondern es gelingt eine effektvolle Gesamtharmonie von Orchester, Regie und Bühnenzauber.

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