Author Archives: A. Cromme

Permalink to single post

La Dame Blanche, OL

Eine beinahe vergessenes Kleinod der französischen Opera comique mit dem Sujet einer opera mystique verbunden, das auf Gruselgeschichten des beginnenden 19. Jahrhunderts basiert und – nun lyrisch und romantisch verpackt- von einem spielfreudigen Ensemble mit großer Hingabe auf der Bühne des Oldenburgischen Staatstheaters gesungen und gespielt wird. Ein opulenter musikalischer Abend. Von der jungen Regisseurin Nadja Loschky mit Humor und Phantasie klug eingerichtet, so dass Operetten- wie Opernfreunde gleichermaßen auf ihre Kosten kommen. Übrigens gibt es auch eine einheimische Version des weltweit verbreiteten Märchens von der geheimnisvollen Frau in Weiß. Sie soll der Sage nach in unseren Osenbergen herumgeistern…

Permalink to single post

Unwiderstehlich, B

Als Franzose traditionell mit leichtem Sinn für Groteskes und Theatralisches zugleich bedacht, ja soga r noch mit den Geheimnissen des menschlichen Psyche durch den Großvater, einen bekannten Psychiater, vertraut, mixt der 49jährige Fabrice Roger-Lacan seine Gesellschaftsstücke gerne mit tiefer Theatralik und entspanntem Humor. Das ist nicht leicht zu inszenieren, denn der Tanz auf zwei Hochzeiten ist immer problematisch. Und da deutsche Regisseure sich auf den Humor allein nicht verlassen mögen, entscheiden sie sich gerne dafür, einen dramtischen Schwerpunkt zu setzen. Und so zerfallt dieses recht intelligent und spannend eingefädelte Ehe-Liebes-Drama in zwei Teile: höchste Dramatik vor der Pause, Slapstick hernach. Der Schauspieler wegen sehenswert!

Permalink to single post

Carmen, HB

Es hätte ein Neuanfang fern aller überstrapazierten Folklore und Zigeunerromantik werden können, wenn auch nur annähernd die verdeckte Glut, das Feuer dieser Frau, von der wohl alle Männer träumen, auf das Publikum übergesprungen wäre, José nicht als leider etwas neben sich stehender, (auch schon reiferer) Mann gar zu tumb gewirkt und das Bühnenambiente nicht gar so sehr den Charme alter DDR-Gasthäuser verströmt hätte. Aber die begeisterten Zuschauer bescheinigten der Inszenierung den Versuch, das Dämonische der gleichsam männervernichtenden wie leidenschaftlich liebenden Frau mit steifer Bürgerlichkeit in einem einzigen Bühnenbild zu vereinen. Ob das genügt?

Permalink to single post

Im weissen Rössl, HB

Also, diese Inszenierung ist ein Treffer, den allerdings nicht so recht würdigen kann, wer von der Operette anderes erwartet als was sie traditionell zu bieten hat. Wollte sie sich treubleiben – in einer Zeit geboren (übrigens in Paris) als Scheinheiligkeit und Prüderie, Pedanterie und geistige wie seelische Abstinenz noch vom vikorianischen wie preußisch strengen Zeitgeist geprägt waren und die Künstler als Ventil die Bühne nutzten, um ihre Ketten zu sprengen und ein überbordenes Lebens- und Lustgefühl auszuspielen (bis die Nazis dem wieder ein Ende setzte und die Operette von aller Frivolität und frechem Charme “befreiten”, um sie in einen zuckersüße Schmelztigel zu tauchen) – so musste sie sich neu erfinden. Das heißt, Altes mit Neuem zu verquicken, Bonmots und Gags unserer Zeit anzupassen, die der alten so seltsam ähnlich ist…

Permalink to single post

Buddenbrooks, OL

In der Inszenierung überträgt sich die fröstelnde Atmosphäre spannungsgeladen im Fortschreiten des imperialen Untergangs dieser Familie. Die Entwicklung wird in großen Sprüngen vorangetrieben, schließlich will das Jahrhundertwerk Thomas Manns, der in dem 1901 erschienenen Meisterwerk Anleihen an die eigene Familiengeschichte machte, in gut drei Stunden über die Bühne gehen. Beinahe geisterhaft, weder greifbar noch be-greifbar bleibt für den Zuschauer, der ja bereits alles im Voraus weiß oder doch ahnen kann, wie blind diese bemitleidenswerten Menschen ihrem tragischen endenden Weg folgen müssen, weil sie unfähig sind, sich aus den alten Strukturen, dem Gefängnis ihrer Erziehung und den gesellschaftlichen Regeln und Zwängen, zu befreien.

Permalink to single post

Le Nozze di Figaro, HB

Wie man mit spärlichsten Verkleidungsstücken auskommt, auf Szenenbilder und dramaturgisch ausgefeilte Darstellung im traditionellen Stil verzichtet, das Spiel der Commedia dell’ arte nur noch andeutungsweise (vor allem in den verkasperten Figuren der ausdrucksstarken Marcellina und des kraftvollen Bartolo) zugunsten einer allein mit Lichteffekten und musikalischem Spielfeuer betriebenen Handlung bis zum – nicht unbedingt für alle – glückseligen Ende vorantreibt, das ist dann doch ausgesprochen erlebenswert. Chor, Orchester und Sänger verwandeln mit großer Gefühlsakrobatik ein gesellschaftliches Szenario in total ver-rückte Verhältnisse.

« Older Entries Recent Entries »