Author Archives: A. Cromme

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Nachtasyl

Hoffnung also für niemanden: weder für den ewig dirilierenden Schauspieler, dem Roman Kaminksi zeitweise zur Erinnerung an bessere Zeiten verhilft und einige lyrische Verse aus dem Dunkel des Gedächtnisses hervorholt, und der den Weg bis zur Entziehungskur nicht mehr schaffen wird sowie auch der stets geschundene, noch so junge Schumacher Aljoschka (Dejan Bucin) dem Strichermilieu nicht mehr entfliehen kann. Nur sein kleines Akkordeon kann zuweilen die Asylbewohner zu beinahe zärtlichem Gesang animieren, der die tiefe sentimentale russische Seele bloßlegt.

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Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

Ilja Richter versucht in einem atemberaubenden Tempo den Drahtseilakt zu vollziehen, beide Rollen – die des weisen „Arabers“ und die des sträflich vernachlässigten unglücklichen kleinen Jungen – mit aller Herzensgüte und Chuzpe einer in sich ruhenden Persönlichkeit und im Wechsel mit der unruhigen Wachheit des frühreifen Momo zu spielen.

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Mein letzter Seufzer

Was den Schauspieler Brandauer aber in erster Linie an den Erinnerungen Bunuels faszinierte, war wohl dessen Selbstironie, gepaart mit einer eher gleichmütigen Akzeptanz für die unvermeidbaren Schläge, die das Leben für jedermann auszuteilen bereithält. Ein Sinnenmensch im Geiste Epikurs, ein Bonvivant, ein Frauenverehrer, ein Liebhaber der Schönheit und des guten Lebens schlechthin, ein Freund des Alkohols, des Tabaks und des guten Essens.

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Megapolis

Die Lebensgier, dieser Anspruch, selbst in diesen elenden Quartieren eine eigene, funktionierende Gesellschaft aufzubauen, wird von Macras allein in Gewalt und Depression ausgemalt, schraffiert ohne Konturen, Die von packenden Beatrhythmen begleiteten und geführten Versuche der Überlebens- und Liebeskämpfe der Junkies, der Prostituierten, der Zuhälter, der Gesetzesbrecher, der Umherirrenden und Suchenden nach einem Platz in dieser Underground-Gemeinschaft endet im gegenseitigen zerstörerischen Chaos, in dem sich niemand mehr zugeordnet und zugehörig empfindet. Aber aller Brutalität zum Trotz gibt es zuweilen im Keim anklingende Zärtlichkeit, und die dank der phantasievollen musikalischen Begleitung assoziierte Sentimentalität macht diese Aufführung somit insgesamt erlebenswert.

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Lord Savils Verbrechen

Herbert Olschok, ein erfahrener und vielgefragter Regisseur weiß, wie man Wilde gerecht wird und, wenn er seine Darsteller auch bisweilen – nach gutdeutscher Art – den Witz der Dialoge etwas überstrapazieren lässt, so gelingt ihm hier ein Bravourstückchen, das nach “Der ideale Gatte” in Potsdam wieder einen Abend voller Bonmots und sprühender Spottfunken beschert.

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Lola

Den spannenden Auftakt liefern Rita Feldmeier, nancenreich in ihrem zur zweiten weiblichen Hauptrolle ausgeformten Nebenpart, sowie Bernd Geiling als steifer Baudezernent, ein Typus, wie er in allen – alten und neuen – Kommunalverwaltungen zuhause ist und Eddie Irle als sensibler Poet und Sachbearbeiter Esslin, ein ergebener Diener mehrerer Herren und der geprügelte Schoßhund einer ganz bestimmten Dame, nämlich der begehrtesten Hure am Platze, Lola.

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