Vorhang Zu – Rückblick, OL

Oldenburigsches Staatstheater, 2026

Rückblick: Vorhang zu

Eine Auswahl ist eine Auswahl…

…und kann demgemäß nur eine subjektive Wahl treffen, beziehungsweise rechnerisch die Besucherzahlen als Ausgangspunkt wählen. Und damit war dann auch wohl innerhalb der zeitlich und personell begrenzten Aufführungszeit eine Grenze gesetzt.

Vorlieben und Erleben sind ebenso subjektiv, weil jede Aufführung eine andere Ausstrahlung hat und somit eine andere Präsenz erhält. Der Eindruck ist variabel und kann in einem Rückblick daher nur unzureichend das Farbenspektrum einer gesamten Theater- und Opernsaison widerspiegeln.

Dass Intendant Georg Heckel charmant und lebhaft das Publikum mit allerlei Späßen und Spielen und einer zauberhaften Schauspielerin in den Übergängen gut zu unterhalten wusste, ist sehr apart, trifft aber auch nicht annähernd den Glanz eines Neujahrskonzertes. Soll wohl auch nicht. Denn eigentlich ist ja jedermann bereits in den lang ersehnten und verdienten Theaterferien. Ein Abschied eben, wenn auch nur ein begrenzter.

Dennoch war es eine Augen- und Ohrenweide, noch einmal mit Auszügen an den großen Publikumserfolg „Zum weißen Rösl“ zu erinnern, die „Traviata“ vorzubereiten mit Laura Posani, der neuen Titelrolle in der Evergreen Oper. Auch Dorothee Bienert, Irakli Atanelishvili sowie Seungweon Lee und der Opernchor stellten sich noch einmal in Positur. Aus dem „Sturm“ rezitierte Andreas Spaniol, als Luftgeist kostümiert, den Monolog des Prospero. Aus der Oper „Wozzeck“ von Alban Berg trugen Manfred Gurlitt den traurigen Monolog aus dem Kramladen und Arthur Bruce mit Benjamin Park die Szene aus der Kaserne mit tiefernstem Pathos vor. Auch den „Werther“ von Jules Massenet ließen Dorothee Bienert und Penelope Kendros im tragisch schönen Duett aufleben, gefolgt von der quicklebendigen Schauspielerin Ester Berkel, die einmal ganz schnell aufzeigte, wie das Junge Theater funktioniert und mitten in die gesellschaftliche wie persönliche Mitte zu zielen und zu treffen vermag. Monolog aus „Heartshhip“. Unbedingt wiederholen!
Zur Erinnerung „Hoffmanns Erzählungen“,  eine phantastische Opera von Jacques Offenbach nach der schaurigen E.T. A. Hoffmann-Mystik, angedeutet in „Apotheose“ mit Laura Pisanti, Dorothee Bienert, Johannes Leander Maas, Seungweon Lee und dem harmonisch glänzenden Opernchor, den Thomas Bönisch in erwarteter Perfektion einstudierte.

Die zweite Halbzeit beginnt mit einer faszinierenden Choreographie aus dem Ballett „Goodbye My Dictator“ mit den exzellenten Tänzerinnen und Tänzern Garance Vignes, Jacqueline Back, Youjung Jung, Davide Cesari, Sungli Cho, Leste René González Albarez und Yida Mu.

Das traurige Ende der „Mzensk der Lady Macbeth“ von Dimitri Schostakowitsch zeigt die 6. und 7. Szene mit dem langen Marsch ins Exil in einer äußerst beeindruckenden Inszenierung. Doch, wie Georg Heckel warnend vorausschickte, sei Mzensk keine Empfehlung zur Zeit für Touristen…
Eher wohl Verona, wo sich die Touristen dicht an dicht um die schöne Julia unter einem Fantasie-Balkon drängeln. Das „Roméo seul“ spielt das Orchester unter der Leitung von Vito Christofaro mit großer Empathie und musikalischer Eleganz. Natürlich gab am Schluss Rossini alles her, was es noch ans Esprit und Optimismus zu zeigen gab, das temperamentvolle Finale – natürlich nun auch mit KS Paul Brady im Ensemble – aus der wunderbaren Aufführung des „Barbiere Di Siviglia“.

Herzlicher langer Beifall und noch zwei Zugaben. Und damit Vorhang zu – bis zum September, dem Beginn der nächsten Spielzeit.  A.C..

 

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