Author Archives: A. Cromme

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Das zweite Kapitel

Der Autor gibt nur wenig Text vor, um diesen Abschnitt seines Lebens in Szene zu setzen, der eigentlich eine große Hommage an seine zweite Frau sein soll. Es gibt noch zwei Nebenfiguren, so George’s Bruder, ein windiger Agententyp und Jennies flippige Freundin, die es mit der Treue nicht so genau nehmen und ihre Ehehälften nach Herzenslust und Laune betrügen. Ein Gegenpaar, dessen “moderne” Mentalität in Fragen Ehe und Treue ohne mahnenden oder moralischen Zeigefinger von Stefan Schneider und Yuri Beckers launig und lebendig gespielt wird. So spielt das Leben eben auch.

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Herr Puntila und sein Knecht Matti

Wer sich an andere Inszenierungen dieser ebenso tiefsinnigen wie heiteren Sozialfarce eines lebens- und liebesfrohen Dichters im Exil erinnert, wird enttäuscht sein. Denn das Leben spielt hier nicht wirklich mit. Wer aber die Aufopferung des Herrn Puntila an den Gott des Alkohol-Wahnsinns in der Gestalt von Norman Hacker, der sich bis zur letzten Faser verausgabt, als Erlebnis verzeichnen möchte, der könnte sich auch mit dieser Art von Theater, die ganz und gar nicht brechtgemäß ist, zufrieden geben.

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Geister in Princeton

Die Inszenierung hat ein großes Aufgebot an namhaften Darstellern, die sich im Reigen um das Leben Gödels drehen, ihn ein Stück begleiten, vor ihm, mit ihm, nach ihm sterben und wieder auferstehen. Denn “Zeit ist wie ein Zugfahrplan. Die Ereignisse sind die Stationen, an denen er hält. Aber egal, wo du bist, die anderen Stationen gibt es auch noch. Sie verschwinden nicht. Und der Zug fährt im Kreis. Jeder Moment ist für immer”, abstrahiert Gödel u.a. seine Erkenntnisse. Der Regisseur greift diese Metapher geschickt auf, beginnt mit dem Tod des Wissenschaftlers und endet gleichsam mit seinen letzten Lebenstagen.

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Pelléas und Melisande

Den Mitwirkenden an dieser Inszenierung ist es in der Tat wohl in höchst sensiblem Zusammenspiel gelungen, ein Märchenbuch aufzuschlagen, das Seite für Seite selbst durch das dunkelste Grüngrau der hohen Mauern des Burginneren noch Sonnenkegel durchfluten läßt. So bricht sich durch das Unheimliche einer Endzeitstimmung immer wieder eine neue Helligkeit wie aus einer ferner Galaxie und durchwärmt die unglücklichen Menschen, die in einer dahinsiechenden Dynastie und einem notleidenden Land leben, mit neuer Hoffnung.

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Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm

Teresa Walser kennt sie allzu gut: die Egomanen des Schauspiels und der Regie. Und sie führt sie hier am unsichtbaren Band genüsslich in einem Spiel im Spiel vor. Drei Hitler-Darsteller bereiten sich auf eine Talkshow vor, aber eigentlich präsentieren sie ihre Eitelkeiten, ihren Hochmut, ihr unerschütterliches Ego – aber auch ihre unbedingte Leidenschaft zur Schauspielerei.

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Reineke Fuchs

Die Regie hat dem Darsteller dreierlei schwerste Aufgaben zugedacht: Zum einen spielt und spricht Michel – toll gewandet im historischen Kostüm des Edelmannes mit gelb-orangefarbenem Perückenlocken – mit Hingabe und Temperament alle Rollen mit unglaublich angepasster Mimik und hinreißend komischen Gebärden, zum anderen stemmt er das riesige Requisit, einen schweren Rahmen, der als Galgen für den Schurken wie als Portal für den König, aber zugleich auch als Bilderkaleidoskop der sich sinnlos betrinkenden Höflinge dient, und dann muss er auch noch die zwölf “Gesänge” in der verwobenen Sprache als rhythmische Erzählung präsentieren.

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